HEIMATKUNDLICHE NACHRICHTEN

BEIBLATT ZUM AMTSBLATT
 DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT WAIDHOFEN/TH.


2. Jahrgang

1. April 1975

Folge 15


GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON GASTERN
mit Einbeziehung der Nachbarorte
(von OSR Franz Loidolt, Volksschuldirektor i. R., Gastern)

Während sich die Einwohnerzahl der ganzen Gemeinde nicht wesentlich verändert hat, ist die Anzahl der Wohnhäuser angestiegen. Wesentlich erhöht hat sich auch die Anzahl der modernen landwirtschaftlichen Maschinen.

Mit Stichtag vom 1.1.1972 waren vorhanden: 70 Kartoffelsetzmaschinen, 16 Pressen, 171 Traktoren, 113 Sämaschinen, 8 Bindemäher und 46 Mähdrescher.

Bei der Tierzucht ist nur eine Steigerung bei den Stieren bemerkenswert, während bei der Pferdehaltung ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist. Gab es 1962 noch 64 Pferde, so waren es fünf Jahre später nur mehr 18. Derzeit gibt es nur noch einige "alte Diener".

Der Viehstand per 1.1.1972 betrug 3.359 Rinder, 1.268 Schweine, 8 Pferde, 9 Ziegen, 12 Schafe, 5.015 Hühner, 128 Gänse und 34 Enten.

An Kraftfahrzeugen waren mit obigem Stichtag vorhanden: 214 PKW, 7 LKW, 11 Busse, 34 Motorräder und 109 Mopeds.

 

Ein kurzer Überblick über die Nachbarorte von Gastern soll das gegebene Bild abrunden.

Garolden:
Der Name kommt von Gorald = Halde oder Abhang oder auch möglicherweise von Gerald. Der Sage nach war Garolden einst ein Markt und gehörte zum Stift St. Georgen. 1783 kam Garolden mit der Pfarre nach Gastern.

Kleinmotten:
Der Ort hieß früher Otten und wurde vom Stift St. Georgen, dem es schon 1112 angehörte, später eine zeitlang der Herrschaft Illmau bei Kautzen abgetreten. Auf der Anhöhe stand die Filialkirche zum Hl. Pankraz. Nach 1810 verfiel die Kirche völlig.

Ruders:
Auch dieser Ort gehörte dem Stifte St. Georgen. Die Ortschaft verödete fast gänzlich im 30-jährigen Krieg.

Weissenbach:
Das Stift St. Georgen hatte auch hier frühzeitig Besitzrechte. Der Ort litt besonders unter den Hussiteneinfällen und wurde 1615 bis auf zwei Häuser eingeäschert bzw. verwüstet. Bis zum Jahre 1781 gab es hier einen eigenen Friedhof. Das Geschlecht der Truckmüller spielte oftmals eine bedeutende Rolle für die ganze Umgebung. 1611 gab es hier einen protestantischen Prediger, der alle Bewohner zum Protestantismus bekehren sollte.

Wiesmaden:
Der Name kommt von den vielen Wiesenflächen und gehörte lange Zeit zu der Herrschaft in Heidenreichstein.

Kleinzwettl:
Der Name stammt vom Stift Zwettl und hieß früher (in der ersten Zeit seiner Entstehung) Münichreith. Der Ort war, wie Gastern, ein Besitztum der Grafen von Raabs, die dieses frühere Waldland um 1170 dem Stifte Zwettl zum Geschenk machten. Isoliert auf einem Hügel steht die einzige Wehrkirche im oberen Waldviertel. Sie ist dem Hl. Jakob geweiht und ist eine zweischiffige Halle mit Rautengewölben und acht Schluss-Steinen. Das Gotteshaus hat ein schmales Chor mit frühgotischem Detail. Der Hochaltar kam 1730 aus dem Stifte Zwettl. Ein spätgotisches Sakramentshäuschen, eine Steinkanzel und eine in der Mitte der Kirche befindliche Steinplatte, die den Eingang zu einem schon größtenteils verfallenen unterirdischen Gang bildet, sind die Attraktionen, die viele Fremde anlocken.

Frühwärts:
Dieser Ort ist eine alte Ansiedlung, die den Namen von Friedberg oder Friedbrecht ableitet und gehörte um 1112 ebenfalls zum Stifte St. Georgen. Der Ort verödete vollständig um 1353 und erst 1834 erstanden die ersten Häuser, die 1838 nach Gastern eingepfarrt wurden.

Seitenbeginn