HEIMATKUNDLICHE NACHRICHTEN

BEIBLATT ZUM AMTSBLATT
 DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT WAIDHOFEN/TH.


2. Jahrgang

1. März 1975

Folge 14


GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON GASTERN
mit Einbeziehung der Nachbarorte
(von OSR Franz Loidolt, Volksschuldirektor i. R., Gastern)

Von der Raiffeisenkasse:
Seit 1891 besteht hier eine Raiffeisenkasse, die schon vor dem 1. Weltkrieg einen bedeutenden Jahresumsatz zu verzeichnen hatte und infolge stetiger Steigerung der Geldgeschäfte seit 1965 vom Sonntagsverkehr auf einen 3-Tages-Verkehr pro Woche übergegangen ist. In den letzten Jahren stieg der Jahresumsatz auf über 40 Millionen Schilling an.

Von der freiwilligen Feuerwehr:
Im Jahre 1884 wurde eine freiwillige Feuerwehr gegründet, die mit einfachen Löschgeräten vielen Bränden zu Leibe rückte. 1894 gab es in Gastern einen Großbrand, bei dem auch ein Toter zu beklagen war. Seit einigen Jahren ist die Feuerwehr modern mit Auto und Funkgerät ausgerüstet und wird mittels Sirene zum Einsatz gerufen.

Mit besonderer Sorgfalt hat der Chronist das Eintreffen der ersten Feuerwehrspritze vermerkt. An einem Sonntagabend im Jänner 1884 traf die Handdruckspritze ein. Am nächsten Tag wurde gleich die erste Probe abgehalten. Nachdem sich die Feuerwehrleute mit dem neuen Gerät vertraut gemacht hatten, durften alle anwesenden Männer, Frauen und auch Kinder die Pumpe betätigen, was viel Spaß und Aufregung bereitete. Ein bedeutendes Ereignis für die Wehr war der Empfang des Kaisers Franz Josef am 2. 9. 1891 in Schwarzenau bei den Manövern, wohin unsere Männer zu Fuß marschiert waren.

Von der Gendarmerie:
Seit dem Jahre 1901 besteht in Gastern ein Gendarmerieposten, der nur während des 1. Weltkrieges kurze Zeit nach Kautzen verlegt worden war. Fast 50 Jahre war er in Gastern in der ehemaligen Schule (Kirchenplatz Nr. 35) untergebracht und befindet sich seit 1. 12. 1968 im neuen Gemeindehaus. Zur Gründungszeit hatte das Überwachungsgebiet ein Ausmaß von 52,67 km2 (6 Gemeinden mit 3.633 Einwohnern und 660 Häusern). Derzeit beträgt das Überwachungsgebiet 35,05 km2, der Dienst wird von drei Beamten wahrgenommen.

Industrie:
Eine rege Baumwollindustrie wird seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts in Gastern und den umliegenden Orten betrieben. In fast jedem Haus befanden sich ein oder mehrere Handwebstühle, da viele Bauern während der Wintermonate Kattun, Organtine und andere Webwaren erzeugten. Diese alte Hausindustrie wird jedoch seit etwa 1850 durch das Aufkommen von fabriksmäßigen Betrieben stark zurückgedrängt und ist jetzt schon verschwunden. Die derzeit in Gastern, Frühwärts und Kleinmotten bestehenden modernen Fabriken beschäftigen eine bedeutende Anzahl von Arbeitern und erzeugen neben den verschiedenen Frottierwaren, Webwaren aller Art und auch Rohseidenstoffe. Ganz Europa und auch überseeische Länder sind Abnehmer dieser bei uns erzeugten Waren.

Von der Landwirtschaft:
Die landwirtschaftlichen Betriebe haben meistens mittlere Größe und sind größtenteils mit modernen landwirtschaftlichen Maschinen ausgerüstet. Fleiß und Aufgeschlossenheit der Bauern sind Grundlagen guter Erträge. Der früher hier betriebene Flachsbau ist verschwunden, ebenso musste das Pferd dem Traktor weichen. Die Schaf- und Ziegenzucht gehören ebenfalls der Vergangenheit an.

Eine kurze Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung im letzten Jahrzehnt soll das Bild der Großgemeinde ergänzen.

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