HEIMATKUNDLICHE NACHRICHTEN

BEIBLATT ZUM AMTSBLATT
 DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT WAIDHOFEN/TH.


2. Jahrgang

1. Februar 1975

Folge 13


GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON GASTERN
mit Einbeziehung der Nachbarorte
(von OSR Franz Loidolt, Volksschuldirektor i. R., Gastern)

Weil später die Gemeinden diese Beiträge verweigerten und im Pfarrstiftsbriefe dafür nicht vorgesorgt war, blieb Gastern daraufhin durch 130 Jahre ohne Lehrer, Organist und Kirchendiener, worüber sich die Pfarrer oft beklagten. Im Jahre 1784 wurde endlich in Gastern eine Pfarrtrivialschule für die ganz Pfarrgemeinde errichtet und zu diesem Zwecke das damalige, ebenerdige, aus einer Schmiedewerkstätte, zwei Kammern, einer schwarzen Kuchl und einem Wohnzimmer bestehende Kleinhaus Nr. 35 in Gastern angekauft und hier die Schule untergebracht Ein sieben Meter langes, 2,50 m breites und 2,75 m hohes Zimmer mit je einem Fenster an der Vorderseite und der Hinterseite war durch 40 Jahre das Lehrzimmer für fast 300 Schüler. Ende des 18. Jahrhunderts wurde für den Lehrer ein Stall und ein Schuppen zugebaut und im Jahre 1824 wurde ein Stockwerk aufgesetzt und somit die Schule zweiklassig geführt. 1865 Übergibt der Pfarrer Stundner das Schulpatronat der Gemeinde.

Die ständig wachsende Schülerzahl, die Mangelhaftigkeit der Lehrerzimmer und des ganzen Schulgebäudes machte schon 1870 die Erweiterung der Schule, in eine 3- oder 4-klassige, bzw. einen Neubau geltend und notwendig. Mit 1. 7. 1881 wurde die Schule 3-klassig geführt und in einem gemieteten Zimmer im Hause Nr. 28 (Haus Strasky) bis 1889 der Unterricht erteilt. Von 1889 bis 1899 wurde die 3. Klasse im Hause Nr. 16 (Haus Eduard Popp) geführt. Der Zins betrug jährlich 54 fl. 

Da sich die Gemeinde Gastern zu einem Neubau der Schule nicht entschließen konnte, bewarb sich Frühwärts im Jahre 1876, Ruders 1883, Kleinmotten 1895 und Weissenbach 1893 um die Errichtung eigener Schulen, was seitens der Landesregierung bewilligt wurde. Die Abtrennung dieser Schulen von Gastern erfolgte mit dem Tag der Schuleröffnung: Frühwärts 1. 8.. 1876, Ruders 1. 8. 1883, Kleinmotten 1. 8. 1895 und Weissenbach 3. 1. 1893. Auch Kleinzwettl und Garolden beantragten 1894 den Bau einer eigenen Schule, was jedoch nicht mehr zur Durchführung kam. Die Gemeinde Gastern glaubte, durch die Schaffung der vorher erwähnten Schulen von einem Schulneubau befreit zu worden und war vorerst zu einem solchen nicht gewillt.

Auf mit großem Nachdruck betriebene Anregung des damaligen Leiters der Schule, Vinzenz Fürnsinn, wurde nach harten Auseinandersetzungen und heftigen Debatten endlich ein Schulneubau beschlossen und im Jahre l899 eine neue Schule mit drei Klassen errichtet. Im Jahre 1958 wurde die Schule gründlich renoviert, die Wasserleitung eingeleitet, neue Parkettfußböden gelegt und im folgenden Jahr wurden zeitgemäße Klasseneinrichtungen angeschafft.

Nach den neuen Schulgesetzen wird die Schule nur mehr von den Schülern bis zur 4. Schulstufe besucht. Die Kinder der Oberstufe besuchen die Hauptschule in Kautzen bzw. in Waidhofen a. d. Thaya.

Mit Beginn des Schuljahres 1971/72 wird die Schule vierklassig geführt, nachdem aus der Leiterwohnung ein neuer Klassenraum geschaffen wurde.

Im Jahre 1972 wurde der Plan zum Neubau eines notwendigen Turnsaales gefasst und nach längeren Verhandlungen der Bau beschlossen. Der Baubeginn ist mit Frühjahrsbeginn 1974 festgesetzt.

Von der Post.
Das Post- und Telegrafenamt Gastern wurde im Jahre 1869 als Postamt mit Fahrpost Gastern - Thaya und zurück (Pferdegespann) errichtet. 1877 wurde das Postamt aufgelassen. und im Jahre 1893 als Postamt mit Postsparkassendienst wieder eröffnet. Im Jahre 1924 wurde der Rundfunkdienst, 1928 der Postautodienst und im Jahre 1929 der Telegrafendienst mit Fernsprecher aufgenommen.

Seitenbeginn