HEIMATKUNDLICHE NACHRICHTEN

BEIBLATT ZUM AMTSBLATT
 DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT WAIDHOFEN/TH.


2. Jahrgang

1. Jänner 1975

Folge 12


GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON GASTERN
mit Einbeziehung der Nachbarorte
(von OSR Franz Loidolt, Volksschuldirektor i. R., Gastern)

Aber nicht nur Kriege brausten über uns hinweg und verödeten unser Gebiet, sondern auch Krankheiten besonderer Art brachten viel Elend und Sorge über unsere Vorfahren. So starben anfangs des 18. Jahrhunderts einige Menschen der Pfarre an der Pest. Die Toten wurden meistens im Wald oder in Gärten außerhalb der Ortschaften begraben. Das Pestmarterl in Ruders erinnert an diese Zeit. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts gab es bei uns auch die gefürchteten Blattern und mehrmals lesen wir wieder von Pestfällen und der häufigen Lungentuberkulose.

Nach all diesen unerfreulichen Taten sollen nun kulturelle und wirtschaftliche Strukturverhältnisse unseres Ortes bzw. der Gemeinde in chronologischer Weise aufgezeigt werden.

Die Gemeinde Gastern umfasst seit der Fusion mit den Gemeinden Kleinmotten und Frühwärts ein Gebiet von 24.970 m2. Die Einwohnerzahl der ganzen Gemeinde beträgt mit Stichtag vom 1. 1. 1972: 1.628 Einwohner, die Anzahl der Häuser 430 und die der Haushalte 442. Auf den Ort Gastern selbst entfallen 334 Einwohner und 82 Häuser.

Im Jahre 1964 wurde der Plan zum Bau eines notwendiggewordenen Gemeindehauses gefasst und am 25. 9. 1966 konnte nach Überwindung verschiedener Schwierigkeiten der offizielle Spatenstich durch Landesrat Resch vorgenommen werden. Am 22. 12. 1967 wurde die Gleichenfeier begangen; das neue Amtshaus war fast fertiggestellt. Es sind darin untergebracht: das Gemeindeamt mit den entsprechenden Verwaltungsräumen, die Post, die Gendarmerie, die Raiffeisenkasse, ein Jugendheim, das Feuerwehrdepot und 9 Wohnungen. Am 1. 12. 1967 zog die Gendarmerie in die reuen Amtsräume ein, am 1. 1. 1968 das Gemeindeamt und am 1. 12.1968 nahm die Raiffeisenkasse ihren Betrieb im neuen Amtshaus auf. In der weiteren Folge wurden die Wohnungen von den Mietern bezogen.

Bei dieser Gelegenheit soll auch des Anregers dieses Baues ehrend gedacht werden. Es war dies der leider zu früh verstorbene Bürgermeister Franz Grünberger aus Wiesmaden. Ihm zu Ehren wurde die unter seiner Amtszeit geschaffene Straße nach Wiesmaden nach ihm benannt.

Nun zu unserer Kirche.
Die erste kirchliche Nachricht aus unserem Gebiet stammt aus der Zeit um 1325, wo wir erfahren, dass der Vikar von Thaya wöchentlich 2 mal in der Kapelle zu Zwettlern Gottesdienst zu halten hatte. Nach Meinung des nachmaligen Pfarrers von Gastern Grübel (1837 - 1858), der ein bedeutender Historiker war, bestand schon im 13. Jahrhundert hier eine Pfarre, zu deren Unterhalt jedes Haus der Dörfer Gastern, Kleinzwettl, Immenschlag, Weissenbach, Kleinmotten und Eggern jährlich dem Pfarrer 1 Gulden zu geben hatte. Weil aber alle Dorfschaften in gleicher Weise für den Seelsorger beitrugen, wollten auch alle die gleichen Rechte genießen und man erbaute daher fünf Kirchen und zwar in Gastern, Kleinzwettl, Weissenbach, Kleinmotten und Eggern, in welchen der sonntägliche Gottesdienst abwechselnd gehalten wurde. In den Kriegszeiten ging diese Pfarre ein und wurde der Pfarre Thaya zugeteilt. Um 1412 bestand in Gastern eine Kapelle, die der Pfarrer von Thaya als Filialkirche betrachtete. Im Jahre 1574 erfolgte die Errichtung eines Vikariates in Kleinzwettl. Der Vikar bekam eine Behausung in diesem Orte.

1642 bekam Gastern einen eigenen Seelsorger (Vikariat), der abwechselnd in den fünf Kirchen von Gastern, Kleinzwettl, Weissenbach, Kleinmotten und Eggern Gottesdienst hielt. was nun einer eigentlichen Pfarrgründung gleichkommt. Der erste Vikar hieß Jakob Lauer und er war von 1642 bis 1647 in Gastern.

Im Jahre 1783 wird Gastern eine eigene Pfarre mit vollen Pfarrechten.

Als dritte Kirche wurde 1904 - 1905 an Stelle der abgebrochenen alten Kirche ein neues aus heimischem Granit jm romanischen Baustil erbautes Gotteshaus errichtet, das dem heiligen Martin geweiht ist und am 6. 8. 1905 seine kirchliche Weihe erhielt.

Von der Schule.
Schon in den Jahren 1644 bis 1654 bestand in Gastern bereits eine Schule, und die Gemeinde zahlte 30 Gulden als Schulgehilfengebühr an das Stift Garsten.

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