HEIMATKUNDLICHE NACHRICHTEN

BEIBLATT ZUM AMTSBLATT
 DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT WAIDHOFEN/TH.


1. Jahrgang

1. Dezember 1974

Folge 11


GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON GASTERN
mit Einbeziehung der Nachbarorte
(von OSR Franz Loidolt, Volksschuldirektor i. R., Gastern)

Um 1336 wird unser Gebiet so arg von Johann von Böhmen verwüstet und die meisten Häuser niedergebrannt, dass Leuthold von Gastern die Bezahlung der Herzogenburger Zehente aus diesem Grunde ablehnte. Dazu kamen in dieser Zeit Missernten, Heuschreckenplage und eine Geldentwertung, wodurch eine große Verarmung des Bauernstandes entstand.

In den Jahren zwischen 1424 und 1434 plünderten und brandschatzten die aus dem nahen Böhmen kommenden Hussiten unser Gebiet fürchterlich. Der "Huschkaberg" bei Weissenbach. erinnert an diese schwere Zeit. Um 1480 hausten die Söldner des Ungarkönigs Corvinus arg in unserer Heimat.

1493 kamen wieder böhmische Raubhorden und verwüsteten und verheerten diese Gegend.

Arg litt unser Gebiet weiters während der Bauernkriege in den Jahren 1596/97 unter der Geißel des Krieges.

Kaum hatten sich die Verhältnisse einigermaßen geklärt und sich die Lage beruhigt, fällt ein Ereignis, das für unser Gebiet die nachteiligsten Folgen hatte: Der 30jährige Krieg. Gerade unsere Gegend hatte Furchtbares zu leiden. Nicht nur der Feind, sondern auch die eigenen Truppen hausten hier oft fürchterlich. Die kaiserlichen Truppen waren meist angeworbene Söldner und stammten aus den verschiedensten Ländern. Oft wurde ihnen der Sold nicht ausbezahlt, da suchten sie sich selbst schadlos zu halten. Jeder Disziplin entbehrend, meuterten sie dann und zogen plündernd und alles verheerend durch das Land. So wurde z. B. Weissenbach von den Reitern des kaiserlichen Generals Dampier bis auf zwei Häuser eingeäschert. Die Erbitterung der Bewohner von Weissenbach war deshalb so groß, dass sie 18 kaiserliche Reiter erschlugen.

In den Jahren 1618 und 1619 wurden, wie die Chronik meldet , die Orte Gastern und Kleinzwettl besonders arg von den Soldaten des Feindes verwüstet und verheert und beide Kirchen ausgeplündert.

In der weiteren Folge kamen nun abwechselnd feindliche wie auch kaiserliche Soldaten in unsere Gegend und unterschieden sich in keiner Weise in der Verübung von Gräueltaten und Exzessen übelster Art.

Am ärgsten litt unser Ort und die nähere Umgebung kurze Zeit vor dem Ende dieses schrecklichen Krieges. Der schwedische Feldherr Torstenson fiel mit seiner ganzen Heeresmacht der wilden Horden in unsere Gegend von Böhmen her hier ein, in der Absieht, Wien zu erobern. In kurzer Zeit war das ganze nördliche Niederösterreich von den Soldaten besetzt. Es wird berichtet, dass die Soldaten sehr übel hausten, Habe und Vieh raubten, Häuser einäscherten und die Leute marterten und erschlugen. Der sogenannte "Schwedentrunk" (Jauche) war wohl ein beredter Ausdruck der verrohten Schwedenhorden. Ganz besonders schlimm erging es damals den Bewohnern von Gastern, Kleinzwettl und Kleinmotten. Von den Kirchen in Gastern und Kleinzwettl wurden Kelche, Paramente und Taufkessel geraubt und die Glocken eingeschmolzen.

Als endlich im Jahre 1648 Friede geschlossen wurde, befand sich unsere Gegend in einer trostlosen Lage und es dauerte geraume Zeit, bis die Wunden des langen Krieges verheilt waren.

Von den türkischen Soldaten blieb unsere Gegend verschont, doch musste sie wieder hart unter dem napoleonischen Kriege (1809) leiden. Das ganze Waldviertel wurde vom französischen Marschall Massena besetzt, das Benehmen seiner Soldaten war nicht überall gleich. In Gastern stellten sie große Forderungen, verlangten beste Verpflegung, Leinwand, Pferde, Hafer, Leder, Tuche und auch Geld. Offiziere und Gemeine waren Tag und Nacht berauscht und verübten Exzesse aller Art.

Das Kriegsjahr 1866 war für unsere Heimat ohne Kriegshandlungen, ebenso wie der Erste Weltkrieg. Die Härte der Besetzung durch die Russen nach dem Zweiten Weltkrieg ist wohl noch in allgemeiner Erinnerung und braucht nicht extra erwähnt zu werden. Auf den Schlachtfeldern blieben von unserer Pfarre im 1. Weltkrieg 51, im 2. Weltkrieg 117.Väter und Söhne in fremder Erde.

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