HEIMATKUNDLICHE NACHRICHTEN

BEIBLATT ZUM AMTSBLATT
 DER BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT WAIDHOFEN/TH.


1. Jahrgang

1. November 1974

Folge 10


GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG VON GASTERN
mit Einbeziehung der Nachbarorte
(von OSR Franz Loidolt, Volksschuldirektor i. R., Gastern)

Am 14. 5. 1274 bestätigte König Ottokar in Wien auf Bitten des Abtes Friedrich von Garsten das Recht der freien Vogtwahl für seine Untertanen in den Orten Münichreith und Gastern.

Wegen Kriegsbedrängnis wurde der Zehent in den Jahren 1328 und 1336 nicht eingehoben. Der Zehent betrug damals 4 Mut Weizen, 2 Mut Roggen und 2 1..lut Hafer. (Ein Mut ist ein Getreidemaß der damaligen Zeit). Im Jahre 1375 gehörte Gastern vorübergehend zur Grafschaft Litschau und wurde von dortigen Vögten verwaltet.

1492 werden das erste Mal die Grenzen von Gastern bekannt: Das Gebiet von Gastern reichte an den "Reinperg" und an die Feldgrenzen von "Rudos", "Weysenpach", "Druglas", "Gorott", "Friwercz" und "Zwettlern". Es gab damals in Gastern bereits Fleischhauer und Bäcker. Es bestanden auch Weingärten in der Umgebung und das Abbrechen von Weintrauben wurde bereits bestraft.

Im Jahre 1533 wurde der Zehent von Gastern auf.10 Jahre an Waidhofen a. d. Thaya verpachtet.

Aus dieser Zeit stammen auch die ersten schriftlichen Aufzeichnungen von Gastern, die hier im Orte selbst gemacht wurden, während alle bis zu diesem Zeitpunkt geschilderten historischen Tatsachen größtenteils aus klösterlichen und stiftseigenen Aufzeichnungen, Chroniken bzw. Archiven stammen.

Diese ersten überlieferten Angaben entstanden im Jahre 1548 und sind in einem handschriftlich verfassten Buch, das als "Taidingbuch" bezeichnet wird und eine, sehr wertvolle Grundlage für die Heimatforschung darstellt, niedergelegt. Dieses Buch ist leider nicht völlig chronologisch vorhanden und unvollständig geschrieben worden. Die Aufzeichnungen sind vielfach vergilbt und unleserlich mit Tinte geschrieben und schwer zu entziffern. Oft werden mundartliche Ausdrücke verwendet, die heute schwer verständlich sind. Das Taidingbuch ist ein Rechts- bzw. Verordnungs- und Weisungsbuch, also etwa ein Gesetzbuch für die Holden (Untertanen) von Gastern. Es sind hier alle Dienstleistungen der "Garstener" angeführt, ebenso werden Angaben über die Rechte und Pflichten der Bewohner gemacht. Wir finden hier genaue Anordnungen über Knechte, Fleischhauer, Gastwirte, Bäcker, über das Hausrecht sowie Anordnungen über Erbschafts- und Kauf- bzw. Verkaufsgeschäfte. Neben diesen sehr aufschlussreichen und recht interessanten Aufzeichnungen sind auch Eintragungen über die Verpachtungen und den Erlös der Gemeindegründe sowie die Vorgabe der Gemeindejagd, ebenso der jeweilige Antritt der Amtmannschaft (Richteramt) im Taidingbuch enthalten. Die Eintragungen reichen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zurückkommend auf auf Ort selbst ist wohl erwähnenswert, dass am 31. 12. 1722 der Abt Ambros von Garsten das freie Gut Gastern, das dem Stifte zu weit entfernt war und demselben eher Schaden als Nutzen brachte, um 2000 Gulden und Bezahlung aller rückständigen Steuern dem Karl Josef Franz Anton, Reichsgraf von Lamberg-Sprinzenstein verkaufte, der es mit Waidhofen a. d. Thaya vereinigte. Die Pfarrchronik von Gastern ausweist, gab es zwischen 1750 und l776 wiederholt Unstimmigkeiten zwischen den Pfarrern und den Dorfbewohnern wegen der ungenügenden Leistungen der Lebensunterhaltskosten an die Geistlichen. Von argen Missjahren wird uns 1771 und 1772 berichtet, in den die Leute mit ungewöhnlichen Dingen ihren Hunger stillten. Ein arger Hagelschlag vernichtete am 25.6.1844 alle Feldfrucht.

Im Jahre 1784 wurde endlich auch eine Pfarrschule errichtet. Am 18. 9. 1904 erfolgte die Grundsteinlegung der neuen Kirche, und am 6. 8. 1905 die Weihe des Turmkreuzes, womit die Kirche nahezu fertig gestellt war.

Die Entwicklung des Dorfes schritt nun stetig weiter und so konnte im Jahre 1931 das Dorf Gastern zum Markt erhoben werden. 1966 erfolgte die Zusammenlegung mit der Gemeinde Kleinmotten und am 1.1.1972 die Fusionierung mit der Gemeinde Frühwärts.

Bevor nun eine eingehende Betrachtung der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Ortes angestellt wird, sollen auch die für unser Gebiet bedeutsamen historischen Tatsachen nicht außer acht gelassen werden.

Wie uns aus den Analen bekannt ist, gab es für Gastern und die Nachbarorte häufig auch recht traurige Zeiten, von denen nun die Rede sein soll. So litt die Gegend im 13. Jahrhundert schwer unter den Kämpfen zwischen Kaiser Rudolf und dem König Ottokar von Böhmen.

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