Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt

VIII. Bd. - 1907
von Pfarrer Alois Plesser

 

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Beiträge
zur Geschichte der Pfarre Gastern.
Von Pfarrer Alois Plesser 1).

I. Geschichte der Pfarre.

Gastern liegt an einem kleinen Zuflüsse des Schwarzbaches in einer Seehöhe von ungefähr 490 m und gehört zum Dekanate Waidhofen an der Thaya. Die ziemlich ebene Gegend wird im Westen durch den flachen Rücken des Reinberges gegen raue Winde etwas geschützt, so dass hier auch Obst gedeiht. Die Bewohner betreiben außer Feldbau Lein- und Baumwollweberei und Gänsezucht oder ziehen zeitweilig nach Wien oder in Fabriken, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

Im Dorfe Gastern liegt die Pfarrkirche zum heiligen Martin 2). Sie wurde 1904 - 1905 ganz neu erbaut, vorläufig nur das Mittelschiff einer dreiteiligen romanischen Basilika. Die frühere Kirche war von sehr einfacher Bauart; der Turm erhob sich an der Ostseite und bildete sein Erdgeschoss den Altarraum. Daselbst befand sich auch eine Sakramentsnische mit Spitzbogen und Gitter. Das Schiff wurde von einer ungegliederten Halle mit flacher Decke gebildet und war zu klein. Unter demselben zogen sich in einer Tiefe von drei Klaftern sogenannte Erdställe hin, unterirdische Gänge, in denen noch zwei Nischen, fünf Feuerstätten und zwei größere Gemächer zu sehen waren. Sie. sollen in Kriegszeiten als Zufluchtsstätten gedient haben  und wurden vielleicht auch zu Begräbnissen verwendet. Ehemals war die Kirche mit gotischen Gewölben versehen. Die Einrichtung der Kirche war einfach: der einzige Altar enthielt ein Bild des heiligen Martinus von Joseph Reger in Waidhofen, der auch den Kreuzweg malte. Auf dem Turme befanden sich die Uhr und drei Glocken, deren

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1) Mit Benützung des Manuskriptes des verstorbenen Dechants Johann Grübel im Konsistorialarchive St. Pölten.
2) Einige Kirchenrechnungen von 1742 bis 1760 nennen als Patron der Kirche den heiligen Laurentius, doch wird schon 1669 dieselbe ein Gotteshaus s. Martini genannt (Gemeindelade Gastern)

 

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größte und kleinste 1763 von J. G. Scheichel in Znaim gegossen wurden, während die mittlere aus dem Jahre 1519 stammt und angeblich aus der St. Pankrazkapelle in Motten hieher kam 1).

Die Kirche besaß im Jahre 1896 380 fl. freieigentümliche Kapitalien, 490 fl. Stiftungskapitalien, einigen Grund, dem Pfarrer um 84 kr. verpachtet, zwei Kelche mit silbernen Teilen, Monstranze und Ziborium von Messing und die Verwaltung der Donin'schen Stiftung mit 10850 fl.

Das Pfarrpatronat steht dem n.ö. Religionsfonds zu.

Neben der Kirche liegt der Pfarrhof mit Stockwerk und Wirtschaftsgebäuden; dazu gehören zwei Gärten, ein Holzschoppen außerhalb des Dorfes und ein Grundbesitz von 1 Joch 717 Quadratklaftern mit 8 fl. 59 kr. Reinertrag.

Die Pfarrmatriken beginnen mit dem Jahre 1670.

Der Name Gastern stammt vom jetzt aufgehobenen Benediktinerstifte Garsten. bei Steier in Oberösterreich; er bedeutet eigentlich: bei den Garstnern oder den Holden des Klosters Garsten. Der Name bildete sich also erst, nachdem Garsten hier Besitz erhalten hatte, und erscheint zum erstenmal um 1177 als ad Garstenses.

Im Jahre 1112, wahrscheinlich noch vor Gründung der Ortschaft Gastern, erlangte das Stift St. Georgen (später Herzogenburg) in dieser Gegend Zehentrechte, indem ihm Bischof Udalrich von Passau allen Zehent zu Ratgoz (Raabs), wie ihn Bischof Altmann besessen hatte, und von allem, was noch ferner gebaut werden sollte, zuwendete

Zur Grafschaft Raabs gehörte auch das Gebiet der späteren Pfarre Gastern. Kaum waren darum in diesen Wäldern die Axtschläge der Kolonisten erklungen und in den Waldrodungen Dörfer und Felder angelegt worden, so machte St. Georgen auch seine Zehentrechte geltend.

Das Stift errichtete hier zwei Zehentämter, eines in Gastern und eines in Zwettlern. Nach einem im XV. Jahrhunderte niedergeschriebenen Zehentbuch "prima fundaccione 1112" gaben zum

Amte Gerstnaren

vom Dorfe 5 Lehen und 3 Hofstätten,
von Weyssenpach. 4 Höfe und 6 Höfstätten,
Von Otten 3 Lehen und 3 Hofstätten,
von Ruedolffs 5 Lehen und 2 Hofstätten,
von Hadmars in Reinperig aller Grund teils ganzen, teils Drittelzehent; zum

Amte Zwetlarn

vom Dorfe 6 Lehen und 1 Hofstätte,
von Yemslag,

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1) Hosanna in excelsis, Glockenkunde, von Fahrngruber, 1895, S. 55.
2) Archiv für österreichische Geschichtsquellen, 1853, S. 239.

 

 

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von Goetfridts 10 Lehen und ein Neubruch,
von Arnoltz 7 Lehen,
von Gross-Eberhartzs 8 Lehen und 2 Hofstätten,
von Phaffenslag 4 Lehen,
von Mülwach,
von Eysenreichs teils ganzen, teils Drittelzehent 1)

Um 1160 gab Konrad I. Graf von Ratgoz von den Gütern, welche seine Eltern vom Könige erhalten hatten, einen großen Teil eines Waldes am Marienaltare dem Kloster zu Garsten mit Zustimmung seiner Frau und seines Sohnes Konrad II. Abt Hugo nahm diese Schenkung entgegen vor den Zeugen Eggihart, Casso, Timo als Freien und Almar, Eberhard, Otto und Ludovic als Hausgenossen. Abt Otto sah sich jedoch später genötigt,. eine schriftliche und förmliche Schenkungsurkunde ausfertigen zu lassen (solemnem traditonem celebrare), die vom Markgrafen Ottokar, Friedrich dem Sohn des Palatinus Friedrich, Walter und anderen bezeugt wurde 2).

Um 1170 gab der edle Konrad II., Sohn des Konrad von Ratgoz, mit Zustimmung seiner Gemahlin Hildegard einen Wald mit einem Orte der 30 Wohnungen und einen Meierhof umfasste, dem Stifte Garsten. Zeugen: Eberhard, Merbot, Arnold und andere 3).

Auf dem zuerst geschenkte Waldgrund legte Stift Garsten den Ort Münichreit (bei Karlstein) an, während das letztere damals schon bedeutenden Dorf den Namen Gastern erhielt, wie aus der folgenden Urkunde hervorgeht.

Um 1177 übertrugen Markgraf Leopold V. von Österreich und sein Verwandter Graf Konrad von Rakyz alle ihnen zustehenden Vogteirechte über die in (der Grafschaft) Rakiz gelegenen Dörfer Muncheruode, das der Vater des Grafen Konrad dem Stift gegeben hatte, und ad Garstenses, das er selbst dahin geschenkt hatte, demselben Stift; dasselbe solle sich die Schutzvögte für diesen Besitz aus ehrbaren Männern frei wählen, dieselben aber auch wieder entfernen können 4).

1179, 5. April, Rom im Lateran. Papst Alexander bestätigte dem Stift Garsten neben anderem Besitz auch den Wald mit 30 Häusern und einem Meierhofe, den ihm der edle Konrad von Ratkoz gegeben hatte 5). Dasselbe Recht wurde bestätigt 1192 von Herzog Leopold V., am 14. Mai 1274 von König Ottokar, am 2. Februar 1304 in Wien von den österreichischen Herzogen und am Mittwoch vor St. Peter  und Paul (27. Juni) 1453 von König Ladislaus 6).

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1) Archiv für österreichische Geschichtsquellen, 1853, S. 248 - 249.
2) Garstener Codex Traditionum in Kurz, Beiträge, II., S. 510 und 511; Urkundenbuch ob der Enns, I., S. 120.
3) Kurz, Beiträge, II., S. 511.
4) Meiller, Regesten der Babenberger, S. 55; Original in St. Florian; Notizenblatt, 1859, S. 371 .
5) Kurz, Beiträge, II., S. 518; Urkundenbuch ob der Enns, I., S. 126.
6) Topographie von Niederösterreich, III., S. 331; Pritz, Geschichte von Garsten und Gleink, S. 99; Kurz, Beiträge, II., S. 539; Stiftsarchiv St. Florian.

 

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1235 beklagte sich der Abt von Garsten bei Herzog Friedrich über das eigenmächtige Vorgehen der Vögte in Gastern und Münichreit 1).

Gastern bildete nun ein eigenes Klostergut, das mir mit dem Landgerichte nach Raabs und später Dobersberg untertänig war. Dieses Gütchen umfasste im XII. Jahrhunderte angeblich 30 Häuser und einen Meierhof, hundert Jahre später gar nur 11 Häuser mit dem Wirtschaftshofe und einer Mühle bei Altpölla am Kampfluss, die bis 1722 dabei blieb 2).

Um 1261 gehörten die Güter Gastern und Münichreit zum Klosteramt in Thern, später zum Hofmeisteramt im Garstnerhofe zu Krems, wohin die Abgaben geliefert und Verrechnung und Bericht erstattet werden musste 3). Doch hatte dass Stift sich oft zu beklagen über die Vögte und noch mehr ihre Stellvertreter, die bei der weiten Entfernung des Abtes die Holden oft sehr bedrückten, von ihnen mehr einforderten, als ihnen bestimmt war, um sich zu bereichern und eigenmächtig schalteten, bis König Ottokar von Böhmen am 14. Mai 1274 durch einen strengen Befehl diesem Unwesen entgegentrat. Aber auch die Holden brachten dem Stifte oft mehr Schaden als Nutzen, indem sie unter dem Vorwande der Armut mit ihren Giebigkeiten häufig im Rückstande blieben 4).

Den Wirtschaftshof in Gastern, der jetzt in die Häuser Nr.9 bis 11 aufgelöst ist, verpachtete das Stift an ein adeliges Geschlecht, das sich von Gastern nannte und auch von Herzogenburg häufig den Zehent in Pacht nahm. Es werden genannt: Albero von Gersten 1258 und 1266 5), Heinrich Gerstner 1290 und 1300 6); Leutold von Gestnern war 1306 und 1309 Pächter von Zehenten des Stiftes Hörzogenburg 7), ebenso 1317 Konrad von Gestnern, 1322, 1328 und 1336 Leutold von Gestnern, 1323 dessen Sohn Konrad von Thaya (de Tya) und 1338 Konrad der Jüngere von Gestnern, sowie schliesslich 1342 Petrus von Gestnern 8).

1274, 14. Mai, (pridie Idus), Wien, bestätigte König Ottokar auf Bitten des Abtes Friedrich von Garsten das Recht der freien Vogtwahl für seine Untertanen in den Gebieten der Schlösser Ragtz und Litschowe auf den Dörfern Munchruot und ad Gerstenses 9).

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1) Notizenblatt, 1859, S. 371.
2) Pritz, Geschichte von Garsten und Gleink, S. 28; Gemeindelade Gastern.
3) Topographie von Niederösterreich, III., S. 331.
4) Notizenblatt, 1859, S. 369, 372; Pritz, Geschichte von Garsten und Gleink, S. 84; Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner-Orden, 1880, 4. Heft, S. 90.
5) 6) Link, Annal. Claravall., I., S. 355 und 370; I., S. 471 und 530.
7) Locatio decimarum im Stiftsarchiv Herzogenburg.
8) Archiv für österreichische Geschichtsquellen, IX., 1853, S. 253 und Stiftsarchiv Herzogenburg.
9) Notizenblatt. 1859, S. 369; in der angefügten Erläuterung ist Münichreit bei Raabs mit Münichreit am Ostrang verwechselt.

 

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Um 1275 bezog der Landesfürst von der Vogtei in Zwetlaren 12 Mut Hafer und von der Vogtei in Munchrevt 4 Talente und 18 Mut, auch besaß er Güter in Ramperch, Gülten in Egen von 6 Reut und 1 Mühle 1).

1299 ertrug der Zehent des Amtes Gastern dem Stifte Herzogenburg 4 Mut Weizen, 2 Mut Roggen und 2 Mut Hafer 2).

1304, 2. Februar, Wien, bestätigten die Herzoge Rudolf, Friedrich und Leopold von Oesterreich dem Garstener Abt Ulrich III. das Privilegium Leopold V. vom Jahre 1177 betreffs des Besitzes zu Gastern und Münichreit 3).

1308 gab Konrad, Pfarrer von Phaphenslag, demselben Stifte für den Zehent in Gestnern 2 Mut Weizen und 1 Mut Korn und ebensoviel Hafer 4).

Die erste kirchliche Nachricht aus dem Gebiete der Pfarre Gastern stammt aus der Zeit um 1325, wo wir lesen, dass der Vikar von Thaya wöchentlich zweimal in der Kapelle zu Zwetlern Gottesdienst zu halten habe 5).

Ohne Zweifel bildete die große Zersplitterung des weltlichen Besitzes in diesem Gebiete 6) ein Hindernis für die Einrichtung einer einheitlichen Seelsorge. War es ja doch damals üblich, dass bei Pfarrgründungen zumeist die eigenen Untertanen einer Herrschaft berücksichtigt wurden, weshalb auch die Pfarrgrenzen sich nicht nach der Bequemlichkeit der Untertanen, sondern nach den Gutsgebieten richteten.

Nach Grübel's Meinung hätte in Gastern schon im XIII. Jahrhundert eine Pfarre bestanden, zu deren Unterhalt jedes Haus der Dörfer Gastern, Klein-Zwettl, Immenschlag, Weissenbach, Ruders, Klein-Motten und Eggern jährlich einen Gulden dem Pfarrer verabreicht habe. Weil aber alle Dorfschaften in gleicher Weise für den Seelsorger beitrugen, wollten auch alle gleiche Rechte genießen und man erbaute darum fünf Kirchen in den Dörfern Gastern, Klein-Zwettl, Weissenbach, Klein-Motten und Eggern, in welchen der sonn- und festtägliche Gottesdienst nach der sonst in Missionsländern üblichen Art abwechselnd gehalten wurde. In den Kriegszeiten ging diese Pfarre ein und wurde der Nachbarpfarre Thaya zugeteilt. Für seine Anschauung beruft sich Grübel auf das Vorhandensein der genannten Kirchen, auf die Urkunde von 1412, wo gesagt wird, dass zur Kapelle in Gastern auch Dörfer gehören, sowie die Bezeichnung

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1) Notizenblatt, 1855, S. 357 und 359.
2) 4) Stiftsarchiv Herzogenburg.
3) Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner-Orden, 1881, S. 8.
5) Font. rer. austr., III., S. 516.
6) Gastern gehörte dem Stifte Garsten, Zwettlern dem Stifte Zwettl, Weissenbach und Ruders zum Gute Weissenbach, Eggern zur Herrschaft Litschau, Motten zur Herrschaft Illmau, Garolden zur Herrschaft Dobersberg (Schellingshof), Immenschlag und teilweise Frühwärts zur Herrschaft Thaya, der Zehent nach Herzogenburg, einiges dem Landesfürsten u. s. w.

 

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"obere Pfarre" mit begrenztem Gebiete und die Leistungen an die Pfarre Thaya für Abhaltung des Gottesdienstes in diesen Kirchen.

Es könnte jedoch auch angenommen werden, dass dieses Gebiet ursprünglich schon zur alten Pfarre Thaya gehört habe; die Obrigkeiten erbauten jede in ihrem Besitze zum Gebrauch ihrer Holden eine Kirche und ließen dieselbe der weiten Entfernung wegen öfters gegen gewisse Leistungen von der Pfarre Thaya aus mit Gottesdienst versehen.

1328 konnte wegen allgemeiner Kriegsbedrängnis vom Stift Herzogenburg der Zehent nicht eingehoben werden 1).

1336 lehnte Leutold von Gestnern die Pachtung des Zehents ab, weil der König (Johann) von Böhmen das Land besetzt hielt und sehr verwüstete 2).

1369 diente Gestnern zum Gute Thaya, der Grafschaft Litschau 17 ¡, 13 Mut Vogthafer und 60 Hühner. Ähnliche Leistungen hatten auch Egen mit 17 Lehen, Ymmeslag. Zwetler, Yaroten, Munichslag (?) und Güter auf dem Reinperch, sowie Erkenprechez (?) 3).

1375 bestellte das Kloster Garsten als Vogt über das Dorf Münichrawtt in Ragczer Gericht und zu Gerstnaren in Litschawer Gericht Niklas den Pillung 4). Gastern war also mittlerweile von der Grafschaft Raabs an Litschau übergegangen.

1378, 10. März, Wien, versprach der Vogt der Garstner Stiftsholden zu Gastern und Münichreit Niklas der Pillung, Hofmarschall des Herzogs Albrecht, diese Holden von der Robot zu entheben und nicht mehr als 10 Pfund Pfennige und 32 Hühner für seinen Dienst als Vogt zu beanspruchen. Gesiegelt von Niklas dem Pillung, Stephan dem Schekh und Ulrich dem Scharfenberger 5).

1379, St. Katharinentag, 25. November, stellte Thoma, Pfarrer zu Teya, dem Stift Garsten eine Urkunde aus, in der er sich, für sich und seine Nachfolger auf der Pfarre verpflichtete, die Kirche gelegen dacz den Gaerstnern und die Dörfer mit Gottesdienst und Spendung der heiligen Sakramente zu versehen. Gesiegelt vom Pfarrer Thomas, Albert von Puechhaim und dem Markte Teya 6).

1383, Gottesleichnamstag (21. Mai), verzichtete Albrecht von Puchheim, oberster Truchsess in Oesterreich, auf sein vermeintliches Vogtrecht über die Garstner Stiftsholden zu Münichreit und versprach, sich mit der jährlich freiwillig geleisteten Gabe von 21/2 Pfund 10 ¡ Pfennige zu Georgi und 10  zu Michaeli zu

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1) Stiftsarchiv Herzogenburg.
2) Stiftsarchiv Herzogenburg; Archiv für österreichische Geschichtsquellen, IX, S. 254.
3) Notizenblatt, 1853, S. 262 und 263.
4) Urkundenbuch ob der Enns, VIII., S. 748.
5) Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner-Orden, 1881, S. 241.
6) Original nicht vorhanden, aber Anfang, Mitte und Ende der Urkunde angeführt im Notariatsinstrumente von 1412; Urkundenbuch von Garsten in St. Florian.

 

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begnügen. Siegler: Der Aussteller, sein Sohn Pilgrim um sein Diener Ulrich der Hohenwarter 1).

1412, 29. Februar, um 3 Uhr, im zweiten Jahre der Regierung des Papstes Johann XXIII. im Stifte Gaersten stellte Nikolaus Schilling de Ronnberga (?) Newnpurgensis dyocesis, öffentlicher kaiserlicher Notar und geschworener Notar der Stadt Styra (Steyer) eine öffentliche Urkunde ans folgenden Inhaltes: Abt Florian von Garsten und Pfarrer Thomas von Teya ernennen den Pfarrer Stephan Lamp von Guettaw (Gutau im Mühlkreise) zu ihrem Bevollmächtigten, damit er ihren Vertrag vom Jahre 1379 wegen Versehung der Kapelle dacz den Gaerstnern in der Pfarre Teya und der dazugehörigen Dörfer dem Bischof Georg von Passau zur Bestätigung überbringe und so alle Streitigkeiten zwischen ihnen und ihren Nachfolgern in Garsten und in Thaya deswegen vermieden werden. Zeugen Stephan Engel, praebendarius (Pründner), Perthold, scolasticus (Schulmeister) in Garsten und andere 2).

1412, 2. März, Schloss Ebelsberg, bestätigte Bischof Georg, ,von Passau über Bitten des Abtes Florian von Garsten den Vergleich wegen des Gottesdienstes in Gastern 3).
Von nun an bezog der Pfarrer von Thaya die Einkünfte der Kirche zu Gastern ungekränkt; da sie aber sehr unbedeutend und mit der mühevollen Seelsorge und Abhaltung des Gottesdienstes in dem entlegenen Gotteshause in keinem richtigen Verhältnisse waren, führten die Pfarrer mehrmals Klagen darüber. Die Chronik von Garsten meldet: das Dorf Gastern hat auch eine eigene Kapelle, welche die Pfarrkirche Teya als ihre Filiale an sich gezogen hat (sibi vindicavit); denn zwischen ihrem Pfarrer und dem Stifte wurde lange verhandelt, wem die Versehung (administratio) und der Fruchtgenuss der vielleicht damals neuerbauten Kapelle rechtlich gebühre; der Pfarrer von Thaya habe sich beklagt über die geringen Einkünfte, welche ihm die Dorfbewohner für Abhaltung des Gottesdienste entrichteten 4).

Um 1430 verherrten die Hussiten diese Gegend. Der Huschaberg bei Weissenbach führt noch heute von einem Lagerplatze dieses gefürchteten Feindes seinen Namen.

1443, 4. Oktober, Neustadt, bestätigte König Friedrich den Vertrag, wonach das Stift Garsten dem Bernhard Truchsess von Grub eine Mühle bei Karlstein für einen Hof zu Altpölla überließ 5).

1446, 30. Mai, verkaufte Magdalena Tummer, gesessen zu Mödring (bei Horn), einen Weingarten daselbst dem Kloster St. Bernhard mit Bewilligung des Hofmeisters am Garstnerhofe zu Mödring als Burgherrn 6).

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1) Studien und Mitteilungen aus dein Benediktiner-Orden, 1881, S. 241; Abschrift im Reichsfinanzarchive zu Wien, niederösterreichische Herrschaftsakten, M. 17/5. 
2) Urkundenbuch von Garsten zu St. Florian.
3) Studien und Mitteilungen ans denn Benediktiner-Orden, 1881, S. 247; 1881, III., S. 46.
4) Manuskript in der Stiftsbibliothek St. Florian.
6) Landesarchiv in Wien, Nr. 4054.

 

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1453, Mittwoch vor St. Peter und Paulsabend (27. Juni), Wien, bestätigte Ladislaus, König von Ungarn und Herzog von Oesterreich, die Privilegien des Klosters Garsten, darunter die Vogtei dacz den Gersten, das sein Verwandter Konrad von Ragez dem Stifte gegeben habe und zu Münichrewt, welches dessen Vater gespendet habe 1).

1487 erscheint Mathias Lendsch als Pfarrer zu Niderdeya 2). Der Markt Thaya und seine Pfarre wurde also damals auch Niederthaya genannt im Gegensatze zum Gebiete der Pfarre Gastern mit den fünf Kirchen, die als "Oberthayinger Pfarre" bezeichnet wurden 3).

Bei der Kirche in Weissenbach hatte wahrscheinlich die dortige Herrschaft ein kleines Benefizium gestiftet, zu welchem eine Hofstätte und der grosse und kleine Zweidrittelzehent in Weissenbach und Ruders gehörte. Als sich davon kein Benefiziat mehr erhalten konnte, wurde dieses Einkommen dem Pfarrer in Thaya gegen Abhaltung des Gottesdienstes in der dortigen Kirche überlassen. Um 1523 entzog jedoch Jakob Poiger, Ritter und Besitzer von Weissenbach, dem Pfarrer Leonhard Rohrbeck von Thaya (genannt 1521-1532) dieses Benefizium 4).

1495 bildeten Gastern und Münichreit zwei Aemter des Klosters Garsten und gaben ersteres 10 1/2 Pfund 5 Pfennige, letzteres 13 Pfund 3 Schilling 12 Pfennige dahin als Dienst. Aus dem Rechtsbuche oder Banntaiding der Dörfer Gärstnarn und Munichreyt (15. Jahrhundert) geht hervor, dass beide Dörfer vom Hofmeister des Garstnerhofes in Krems 5) verwaltet wurden. Damals waren Bäcker rund Fleischbauer hier und bestanden auch Weingärten, da auf das Abbrechen von Weinbeeren eine Strafe gesetzt war. Das Gebiet von Gärstern reichte an den Reiperg (Reinberg) und die Feldgrenzen von Rudos, Weysnpach, Druglas, Gorott, Friwercz, Zwetlern und Reinbreczt 6).

1526 berechnete Pfarrer Leonhard Rorbeck von Thaya sein Einkommen. Von der "oberen Pfarre" (Gastern) bezog er kleinen und grossen Zehent (letzterer betrug 7 ¡ 10 d), zwei Teile Zehente in Frühwärts. Den Zweidrittelzehent zu Weissenbach und Ruders hatte Jakob Poiger vor drei Jahren an sich gezogen 7). In diesem Jahre zeigten sich die Stiftsholden von Garsten in Gastern und Münichreit ungehorsam 8).

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1)  Original in St. Florian.
2) Stiftsarchiv Herzogenburg.
3) 7) Geschichtliche Beilagen, VII., S. 281; VII., S. 279 und 281.
4) Bericht des Pfarrers Leonhard Seitz vorn Thaya vom Jahre 1615 im bischöflichen Konsistorialarchive in St. Pölten; zu berichtigen Wiedemann, Geschichte der Reformation und Gegenreformation, II., S. 618, wo Inprugger als Entzieher des Benefiziums genannt wird.
5) Erkauft 1476. Kerschbaumer, Geschichte der Stadt Krems, S. 179, 557 und 598.
6) Abgedruckt in Winter, Niederösterreichische Weistümer, II., S. 244-250.
8) Blätter für Landeskunde, 1897, S. 57.

 

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1529 wurde der Türkensteuer wegen das Amt Münichreit von Garsten verkauft 1).

1529 meldete Leonhard Rarbeckh, Kirat im Markte Thaya, unter seinem Einkommen an: den kleinen Zehent in Zbetlen 5 , in Gestnen 4 ¡ und in Otten 60 d. Zu Weissenpach und Ruodolffs hatte ihn der Jakob Peuger eingezogen. Die Pfarre hatte in Gestnen auch.
Holden 2).

1533 verpachtete Herzog Ernst als Verwalter des Hochstiftes Passau der Stadt Waidhofen an der Thaya zwei Teile Passauer Zehnente auf 10 Jahre in den Dörfern Mosbach, an der Thuming bei Waidhofen, in Gerharz, Diebischhofen, Egmaus, Renslers, Gastern, Zwettlern, Ymmerschlag, Göttfrids, Theya, Nieder-Oeberbarz und Ottn 3).

Thomas, vor 1514.

1544 befand sich der Pfarrer Petrus Larenkopf allein auf der Pfarre Tliaya, obschon ein Pfarrer "samt Vierter" sein sollte. Er hielt einen Schulmeister und einen Eremiten, der ihm für ein Mut Getreide die Filialen versah. Als Filialen werden genannt; Klein-Zwettl mit Filialkirche, besass einige Grundstücke, welche die Zechleute verwalteten, Wilhelm Freiherr von Puchheim auf Heidenreichstein aber um 20 Pfund Pfennige verkaufte; ferner von einem Jahrtage 13 d und 6 Immerkühe (gestiftete Kühe), deren Inhaber das nötige Kirchenwachs herzustellen hatten. Weissenbach mit Kirche, die mit pfarrlichen Rechten versehen war, jährlich dreimal Gottesdienst hatte und ausser einem Dienste von 7 ¡ d, den die Zechleute für die Kirche verwendeten, kein Einkommen besass. Das Benefizium mit den Zehenten wird nicht mehr erwähnt. Die Kapelle in Egern wurde von Thaya mit pfarrlichen Rechten versehen und verfügte aber kein Einkommen; den Zehent von 2 Metzen Mohn hatte Hanns Maratzke entzogen und nahm nun der Herr von Creidt auf Litschau ein: ein kleines Teichel hatten die Nachbarn gestiftet und ein Priester Thomas beschüttet (angelegt), reichte für 4 Schock Fischbrut. Die Kirchen in Gastern und Motten werden gar nicht erwähnt, scheinen also von keiner Bedeutung gewesen zu sein 4).

1548 verzeichnete ein Dienst- und Burgrechtbuch die Untertanen zu Görstern, deren Dienste der Amtmann dem Hofmeister des Goestanhofes in Khrembs einzuliefern hatte. Es waren Geldleistungen von 30 Häusern und Ueberländern am Müllechen, Pregartten und einem Teiche im Dorfe. Der Amtmann hatte die Amtwiese und genoss Dienstfreiheit. Nachträge reichen bis 1718. Auch sind Bruchstücke des Banntaidings angefügt, gleichlautend mit dem Texte von 1495 5).

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1) Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner-Orden, 1881, III., S. 61.
2) Landesarchiv zu Wien, Gültbuch, 0. M. B., Nr. 307.
3) Königliches Archiv in München; Passauer Chronik von 1694 und Bericht über die Passau'schen Herrschaften in Oesterreich von 1692.
4) Kodex, weiss Nr. 720, im Haus-, Hof- und Staatsarchive zu Wien.
5) Besitz des Herrn Konsistorialrates August Dimter in Thaya.

 

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1551 bis 1558 war Pfarrer in Thaya Laurenz (Ulrich?) Nägele, der zum Luthertume hinneigte 1).

Nägele trat klaghaft gegen die Brüder Wenzel und Sebastian Poiger und ihren Vetter Georg Poiger (zü Weissenbach) auf wegen Entziehung von Zehenten und Diensten, Weingärten, zweier silberner Kelche und Vorenthaltung des Opfergeldes der oberen Pfarre 2).

1560 wollte Pfarrer Theodor Engl von Thaya (1559-1568) dem Georg Hermann einen Gewaltbrief (Vollmacht) wegen eines streitigen Ueberländes auf dem Frywertz ausstellen 3).

1561 verfassten "die armen Pfarrleute in den sieben Kirchen der oberen Pfarre" eine Beschwerdeschrift gegen Engl von Thaya wegen Anstellung eines Kaplanes, der den Gottesdienst in den oberen Kirchen versehen solle. Dem höheren Gotteshause zu Thaya seien folgende Filialen in der oberen Pfarre einverleibt: Unserer lieben Frau zu Zwetlarn mit den Dörfern Imschlag und Göttfrytz; St. Martin zu Gästern; St. Pangrätzen zu Otten; St. Andrä zu Weissenbaeh; St. Egyd züi Fggern und St. Johann Baptist zu Paygarten. Von alters her sei in Thaya ein Kaplan gehalten worden, der in den "zwo geykhirchen" zu Zwetlern und Gastern die Taufen, Kirchengesang, Predigt, Amt und Begräbnis gehalten habe. Die 13 Dörfer müssen aber nun den Zehent der Stadt Waidhofen reichen 4), weshalb der Pfarrer von Thaya keinen Kaplan mehr halten könne. Die Pfarrzehente zu Paygarten habe der Woytti und Dachsner, die zu Weissenbach der Poiger und die zu Eggern der Moragksi zu Litschau eingezogen 5).

1565, 30. April, Kloster Zwettl, begehrte Abt Martin I. von Zwettl vom Pfarrer Theodor (nicht Georg) von Thaya die Freilassung eines Mannes von Zwetlern, den der Pfarrer gefangen gesetzt hatte, und drohte, den Bauern von Zwetlern aufzutragen, ihm keinen Zehent mehr zu reichen, wenn er den Gottesdienst in der Kapelle nicht fleissiger versehen würde 6).

1567 bis 1571 war Pfarrer in Thaya Isaak List, dem 1568 Ritter Wenzel Peuger von Weissenbach verschiedene Rechte entzog 7).

1571 bis 1590 versah die Pfarre Thaya Leopold Altscheffel 8). Unter den fünf Kirchen des Gebietes der oberen Pfarre scheint bisher Weissenbach insoferne einen Vorrang gehabt zu haben, als an Derselben zeitweilig ein Benefizium bestand, während die anderen Kirchen je nach Wortlaut der geschlossenen Verträge von der Pfarre Thaya versehen wurden.

1574 erfolgte die Errichtung eines Vikariates in Klein-Zwettl laut folgender Urkunde.

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1) 7) 8) Wiedemann, I. c., II., S. 618; II., S.618 und erzbischöfliches Konsistorialarchiv in Wien; II., S. 618.
2) 3) Geschichtliche Beilagen, VII., S. 281; VI., S. 450, Anmerkung 2.
4) Vergleiche Urkunde von 1533.
5) Geschichtliche Beilagen. VII, S. 268-269; Kremserzeitung vom 14. Jänner 1894; Konsistorialarchiv St. Pölten, Faszikel Thaya.
6) Link, Annal. Zwetl, II., S. 457.

 

 

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1574, 29. April, Propstei Zwettl. Wegen Aufnahme eines Vikares für die obere Pfarre der seinen Wohnsitz in Zwettlern haben sollte, wurde folgender Beschluss gefasst: Vermerckung der bewilligung vnnd beschluss, so zwischen dem Ehrwirdigen vnnd Geistlichen Herrn Leopolden Alttschöffel, Pharherrn zu Thaia, an einen vnd denen vntherthanen vnnd Pharleutten in der Obern Phar anders theils wegen auffnemmung. vnd vnnderhaltung eines Caplans vor dem Ehrwirdigenn vnnd Hochgelertten Herrn Johann Zenonian, beeder Rechten Docktor, Bropsten zu Zwettel vund Dochanten daselbst, gehanndelt vnd beschlossen wordenn.

Erstliechen haben die Pharrleütt einem Caplan ein behausung umb Ir aigen gelt zu kauffen, welchs sie allbereitt schon gethan haben, vnnd ligt, daselb Hauss zu Zwettlern im Dorff, solche behausung sambt der Zugehörinng solle der Caplan aigner Personn bewohnen vnnd als lanng er bey ihnen ist, nutzen vnnd gebrauchen, doch das der dem Grundtherrn denn gruendtdiennst vnnd Steür selbsten zu gewönliclier Zeit reicht, auch die behausung souil müglich stifflich erhaltte.

Zum anndern haben sie die Pfarrleutt bewilligt, von einem jeden ganntzen Lehen ein Vierttel vnd von einem halben Lehen anderthalb Achtel, vnnd von einer Hoffstatt ein Achtel Korn iedes Jarr auf Martini zu geben vnd zu raichen.

Fürs dritte, haben sie auch bewilligt, dass der Caplan in der Fasten die Samlung, wie zuuor beschehen, ersuchen solle, so wöllen sie Ime vber das vorbewilligt traydt von einem jeden Hauss nach seinem vermügen, auch nach seinem des Caplans verhallten Habern mitteylen.

Zum Viertten vnnd Letzten haben sie bewilligt vnd sich erbotten, alle Pfarliche gerechtigkeit, wie vor alter her gebreüchig gewest, zu rechter vnnd gewönnlicher Zeit ohn wiederredt willig zuzustellen vnnd zu reichen.

Auf solich Ihr bewilligung hatt sich Herr Leopoldt Pfarherr zu Theia bewilligt, Inen einen Catolischen Caplan dahin zustellen, der doch Ime Herrn Leopolden gefellig vnnd der Pharmennig angenem sey, vnd damit sich derselbe Caplan desto besser vnnd leichter erhalten möge, will Ime der Pfarherr den Zehent am Fruewicz sampt einem Acker vnnd wiesen (welches sonnsten zu der Phar Theia gehörig) zu Fechsen. vnnd genüssen bewilligt haben. Doch solle gedachter Herr Leopoldt alls Lehenherr der Obern Pfarrehn den Caplan aufzunemen, vnnd abzuseczen ohne der Pfarmennig einige Irrung vnnd eintrag vollmechtigen gewalt haben.

Diese bewilligung ist allein dahin zuverstehn, das solcbe allein einem Caplan, der darbey in der erkhaufften behausung zu Zwetlern bey den Pfarleütten wohnen solle, bewilligt sey. Zu Vrkhund seindt zwen gleichlauttender brieff mit des Ehrwirdigen Ilerrn Leopolden, Pfarher zu Theia, vnd mit der Thoma Laydtlern zu Zwetlern, Giligen Pissung von Gestern, Anndre Geltdinger von Zwetlern vnd Colman Lucas von Innerschlag als von deren dörfer gesandten vnd an stadt

 

 

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deren Pfarkinder dieser verwilligung gewaltthaber Pettschafften verfertigt. Beschehen auf der Bropstey Zwettel, den 29. tag Apprilis des 74igst. Jars 1).

1575, 23. Juni, musste der Pfarrer von Thaya bereits ermahnt werden, dem Vikar in Zeidlarn den Zehent (zu Frühwärts) nicht zu nehmen 2).

Um 1676 entzog Maraxi auf Litschau der Pfarre Thaya einen Hof zu Eggern mit Grund und Boden 3).

Um 1584 hatte das Stift Garsten in Niederösterreich folgende Holden: zu Alten-Pölla 1, Gaistan (Gastern) 31, Nondorf 1, Ober-Tern U. M. B. 9 und Kiebliz 2, sowie zu Puldtendorff (bei St. Pölten) 1  4).

Christoph Tuball, Vikar, 1590.

1590 bemerkten die Bisitatoren über Zwettlern: Christophorus Tuball, so sonsten Catholisch, versieht 5 Filiall, hatt concupinam vnd Communicanten sub Vtraque 250, kan trefflich woll Jauchzen vnd greinen. An trinken mangelt In nichts 5).

1591, 11. Jänner, bat der Propst von Eisgarn, ihm das Dort Steyrergärsten gegen Bezahlung aller Dienste und Anlagen zu überlassen 6).

Die Pfarre Thaya, welche schon 1582 Andreas Eberdingus als Vikar des Pfarrers in Verwaltung nahm, wurde um 1600 von Georg Scultetus und bis 1608 von Wilto Wiltonis, sowie 1608-1691 von Leonhard Seitz versehen 7).

1597 schlossen sich Klein-Zwettl und Immenschllag dem Bauernaufstande an 8).

Von König Rudolf II. (bis 1608) befindet sich in der Gemeindelade die Abschrift einer Handfeste.

1611 stellte der Poiger an der Kapelle zu Weissenbach einen lutheriischen Prediger an 9).

1614, 1. August, Wien, trug der Offizial dem Poyger zu Weissenbach auf, den Prädikanten, den er auf der "Pfarre Weissenbach" anstellen wolle und der schon zwei Probepredigten gehalten habe, zu entlassen, da diese Kirche eine Filiale der Pfarre Teya und
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1) Original auf Papier mit fünf aufgedruckten Petschaften, beschädigt, im Konsistorialarchive St. Pölten.
2) Wiedemann, l. c., II., S. 618.
3) Beschwerde des Pfarrers Leonhard Seitz vom fahre 1615 im Konsistorialarchive in St. Pölten.
4) Schlossarchiv Ottenstein.
5) Geschichtliche Beilage, I., S. 191.
6) Statthaltereiarchiv in Wien, C, Karton 81. Geweint ist wahrscheinlich Gastern. 
7) Konsistorialarchiv in Wien; Pfarrarchiv Waidhofen.
8) Link, Annal. Zwetl, II., S. 513.
9) Konsistorialarchiv in Wien.

 

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dem Bischofe mit Vogtei und Lehenschaft unterworfen sei; auch den Zehent gross und klein von den zwei Aigen Weissenbach und Ruders, welchen Jakob Poyger gewaltsam an sich gezogen habe, dem Pfarrer in Thaya zurückzustellen 1).

1615 beschwerte sich Pfarrer Leonhard Seitz von Thaya beim Konsistorium: Jakob Poiger habe seiner Pfarre vor 94 Jahren den Zehent zu Weissenbach und Ruders entzogen, vor 4 Jahren die Kapelle S. Andreae et Bartholomaei zu Weissenbach mit einem lutherischen Prediger besetzt und dieselbe sei jetzt durch Kriegsvolk verwüstet worden; Maraxi habe vor 39 Jahren einen Hof zu Eggern an sich gebracht und ein Herr von Puchheim zu Heidenreichstein habe das St. Katharinenbenefizium in Thaya, dessen Benefiziat ehemals die oberen 6 Filialen (Gastern, Zwetlern, Weissenbach, Motten, Eggern und Peigarten) versehen habe, der Pfarre weggenommen. Die Soldaten haben die Kirchen in Weissenbach und Gastern verwüstet, aus letzterer Kelche, Paramente und den Taufkessel geraubt, die Kirche in Zwetlarn in Brand gesteckt, in Eggern ein Messgewand und einen Kelch geraubt und die Kirche in Otten geplündert und zerstört 2).

1616, 4. Mai, Wien, wiederholte der Offizial seinen Befehl wegen Abschaffung des Prädikanten und Uebergabe der Filiale Weissenbach an die Pfarre Thaya zur Abhaltung der katholischen Gottesdienstes, da der Poiger sich um den ersten Befehl wenig gekümmert und sogar das Gerücht verbreitet habe, der Bischof und die Landstände selbst hätten die Anstellung des Prädikanten angeordnet 3).

1619 wurden auch die "drei geistlichen Dörfer, so bey Heinrichstein liegen",  von den Kaiserlichen verwüstet 4). Darunter ist wahrscheinlich Gaatern. Zwettlern und das unter die Propstei Eisgarn gehörige Seyfried gemeint.

1621 berichtet Pfarrer Leonhard Seitz von Thaya, dass Wenzel Poiger zu Weissenbach einen Friedhof gebaut habe, auf welchem die Leichen seiner Untertanen begraben werden mussten, was bisher in Gastern gegen Entrichtung der Stola an die Pfarre Thaya geschehen war. Poiger zwinge auch seine Untertanen, beim Prädikanten daselbst zu beichten und zu kommunizieren 5).

Vor 1628 schloss Johann Freiberr von Montrichier,  Herr zu . . . . (unleserlich), Moron, Schampeigneulle und Weissenbach, kaiserlicher Rat und Oberstlieutenant, fürstlich lothringischer Kämmerer und bestellter Oberst über tausend Pferde, einen gutwilligen, aber unwidersprechlichen Vergleich mit dem Pfarrer Johann Meislinger von Deia 6) wegen Uebergabe der Pfarrmenig zu Weissenbach und in den

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1) 3) Konsistorialarchiv St. Pölten.
2) Konsistorialarchiv St. Pölten; Geschichtliche Beilagen, VII., S. 287.
4) Rauppach,  Evangelisches Oesterreich, III., S. 393.
5) Geschichtliche Beilagen, VII., S. 288.
6) Fehlt in Geschichtliche Beilagen, VII., S. 288.

 

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Dörfern Gastern, Otten, Himelschlag 1), Zwetel und Egern. Da der Pfarrer von Thaya "nit albereith Mitl hat", wie vorher  einen Kaplan zu Zwetel zur Verrichtung des katholischen Gottesdienstes und Versehung der Seelsorge in den Dörfern zu halten, solle er selbst die obere Pfarre versehen und dafür beziehen: von jedem Hause der Pfarre 1 fl. in quatemberlichen Raten zu je 15 kr.; von jedem Dorfe zwei Klafter Holz zu geben und zu führen 2); von jedem Dorfe einen halben Tag zu Thaya im Pfarrhofe Kornschneiden; von Zwetel, Gastern, Himelschlag und Otten auch zwei Teile kleinen Zehent. Den Gottesdienst solle er in folgender Weise halten: an Sonntagen gleich oft zu Weissenbach, Gastern und Zwetel, an Feiertagen dort, wo der letzte Sonnttagsgottesdienst gehalten wurde; am Ostertag zu Zwetel, am Pfingsttag zu Gastern und am Weihnachtstag zu Weissenbach; am Ostertag nachmittags sollen von Gästern, Zwettl und Weissenbach Prozessionen nach Otten geführt und daselbst auch eine Predigt gehalten werden. Als Stola wurde dem Pfarrer festgesetzt: von einer Kindstaufe 15 kr., Leiche unter 5 Jahren 15 kr., Leiche zwischen 5 und 10 Jahren 30 kr., Leiche zwischen 10 und 20 Jahren 45 kr., Leiche über 20 Jahren 1 fl., wegen Gesang und Leichenpredigt noch eine besondere Vergütung, Hochzeit 1 fl.3).

1630 verweigerten in der Pfarre Theya die zwei Dörfer Otten unter Illmau und Rueders unter Weissenbach die Rückkehr katholischen Kirche 4).

1634 betrug die Pfundgeldtaxe des Abtes von Garsten für Besitzungen 0. M. B. 32 Gulden 6 Schillinge 14 1/2 Pfennig und 45 Hausgulden. Auch erscheint der Pfarrer zu Eggern mit 2 Gulden 7 Schillingen und 5 Pfennigen 5). Hier wird demnach Eggern als Hauptort des Vikariates bezeichnet.

1636, 30. November, schrieb Sigmund Thruckenmüller von Milburckh als Gutsbesitzer von Weissenbach an den Abt Anton Spindler von Garsten als Besitzer der Kirche und des Dorfes Gastern wegen Errichtung eines eigenen Vikariates in der oberen Pfarre, da die Besorgung der Seelsorge von Thaya aus für Geistliche und Volk gleich beschwerlich sei; die Leute, welche bei zwei Meilen in die Kirche zu gehen haben, seien bereit, den ehemals von jedem Hause gegebenen Gulden, der wegen vorgegangenen Krieges und Ruind der Güter eine Zeit lang nicht geleistet worden war, wieder dazu beizutragen.

1637, 24. Februar, gab Abt Anton von Garsten dazu die Einwilligung für seine Untertanen in "Garsten", für den Fall, als auch der Passauer Generalvikar damit einverstanden sei 6).

1640 beginnen die Matriken von Thaya, welche die Taufen der Pfarre Gästern verzeichnen, während Trauungen und Leichen bei der Filialkirche selbst angemerkt wurden 7).

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1) Immenschlag
2) Dieser Punkt ist ausgestrichen.
3) Abschrift oder Entwurf ohne Schluss im Konsistorialarchive St. Pölten.
4) 7) Geschichtliche Beilagen, I., S. 205; VII., S. 269.
5) Monatsblatt des Vereines für Landeskunde, 1905, S. 212, 227.
6) Pfarrarchiv und Gemeindelade in Gastern.

 

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1641, im März, hausten Soldaten in dieser Gegend sehr übel, raubten Vieh und Habe, äscherten die Häuser ein und marterten und erschlugen die Leute. Auf selbe Zeit oder aber auf 1645 bezieht sich ein zweiter Bericht ohne Datum, der meldet, die zur Pfarre Thaya gehörigen Filialen Zwetlern, Egern, Otten und Gastern seien durch Kriegsvolk gräulich verwüstet, Kelche, Messgewänder und Taufbecken verschleppt und sogar die Glocken geschmolzen worden 1).

1642 erfolgte die Errichtung eines Vikariates mit dein Sitze in Gastern, weil dieser Ort am günstigsten gelegen erschien.

1642, 31. Jänner, Wien. Das Konsistorium bewilligte die Anstellung eines Kaplanes in der obern Theyinger Ofarrer 2).

1642, 26. Februar, Schloss Weißenbach, wurde folgender Stiftbrief des Pfarrvikariates in Gastern angefertigt:

Dieweillen mir gessambte Pfarrkhindern der Obern Theyingerischen Pfarr, alss Weissenbach, Rudolphs, Garstern, Zwettlern, Himmelschlag, Eggern vnnd Motten zu mehrerer Ehr Gottes vnd Hayl vnnsserer Seelen, auch aufferbauung der lieben Jugendt vndt forthpflanzung Christ: Thuhenden vill Jahr hero ein herzliches verlangen gehabt, dass mir mechten ainen aignen Seelsorger oder Vicarium in vnnserer Obern Pfarr haben, vnd bekbommen; alss haben wür auf vnnser vnterthenges vndt gehorsambliches Bitten von dem Hochwürdigen, Wohl, Edl vndt Hochgelehrten Herrn Herrn Joanne Bartholomaeo Koboldt SS. Theologiae Doctore, Weichbischffen vndt Officiali, vndt dessen zuegethonnen Hochwürdigen Consistoriio die genedige verwilligung erlangt, dass vnnss alberaith ein ordentlicher Priester vnd Seelsorger zugeschickht worden, dessen mir vnnss zum allerhöchsten mit freylichen Herzen bedanckhen, wollen auch solche grosse gnadt mit vnnsern armen gebett zu dero langwirigen Regierung, Gesundtheit, aller deren prosperitet zu Seel vndt Leib die Zeit vnnsers Lebens mit sambt vnnseren Khindern vnuergesslich ersezen.

Dannenher haben wir vnnss zu fortsezung dieses Gott wohlgefelligen Werkhs in gegenwarth vndt Guethäussen des Ehrwürdigen Wohlgelehrten vndt Geistlichen Herrn Patre Syluano Hunger, der Zeit Pfarrern zu Theya, wie ess in einem vndt andern gehalten worden soll, doch alles auf Ratification Hochwohlgedachten Herrn Herrn Offlicialis vndt dessen Hochwürdigen Consistory, heüt vnden gesezten Dato verglichen vndt vereiniget, wie hernach zusehen.

Erstlieben werden in den drey Khirchen Weissenbach, Garstern vudt Zwetlern, wie vor alters beschehen, alle Sonn- vndt Feyrtag vmbgewechslet die Gottsdienst alss Heyl. Meess vndt Predig (ausser wo etwan dass Patrocinium an bemelten Khirchen einfiel) ordentlich gehalten werden, in den zwo übrigen Khirchen, alss Eggern vndt Motten wirdt der Gottsdienst, wan dass Patrocinium alda einfelt ebenmessig celebrirt vndt begangen werden, vndt absonderlich zu Motten ahm Heyl. Ostertag nachmittag soll ein Predig gehalten werden.

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1) Erzbischöfliches Konsistorialarchiv in Wien
2) Konsistorialarchiv St. Pölten

 

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Im andern soll zu österlichen Zeit in jedem Dorff, wo ein Khirchen ist, zu dess Seelsorgers gelegenheit nadt Andeittung dess Beichtens von Orth u Orth dass Beichthören vndt nachmahlen die Heyl. Communion angestellt werden.

Viertens wan Vnnser Lieben Frauentag einfalt, soll der Gottsdienst so offt zu Weissenbach, alss Zwetlern, weil solche zwo Khirchen in honorem B. M. V. gestifft, celebrirt werden.

Fünfftens wau Hochzeiten einfallen, sollen sie copulirt werden, wo selbig Son- oder Feyrteg der Gottsdienst gehalten wirdt. Die Khindtstauffen aber sollen beschehen, wo der Seelsorger wohnt.

Volgt auch, wie vndt wass gestalt der Herr Vicarius vnder,halten wirdt werden.

Erstlich ausser Eggern, weillen alda wenig Gottsdienst beschehen, jedes Hauss, dern ain hundert zwölff sein, jährlichen ain Gulden, Eggern aber, deren sibenczehen, jedes fünff vndt vierczig Khr. bringt zusamben jährlichen ainhundert vier vnd zwaynczig Gulden, die sollen ihme monatlich geraicht werden.

Item noch darzue ausser Eggern jährlichen von jedem Hauss ain Ellen härbess gahrn, die Weissenbacher aber werden sich jährlich gegen einen Seelsorger mit einem Haar einstellen.

Dan so gibt der Herr von Weissenbach zu besserer Vnderhaltung eines Geistlichen jährlichen zehen Emer Wein, wie er wachst, vndt fünffczehen Mezen Khorn, vndt solches quatemberlich, darumben, weillen die Vnderthonen aniezo hart betrangt, vndt an dem Heyll der Seelen nichts verabsaumbt werden soll, dass ist zuuerstehen, so lang er lebt vndt Weissenbach besiczen wirdt. Alssdann werden die gesambten Pfarrkhinder solches zu geben verobligirt vndt schuldig sein.

Verrer dass Dorff Garstern wirdt jährlichen zum Hauss, wo die Seelsorger wohnen, lieffern zehen Claffter Holz, Zwetlern sieben Claffter vndt Himmelschlag drey Claffter, zusamben zwaynczig Claffter, wo aber diss nit genueg, so seindt sie schuldig mehrers zu lieffern.

Dass Hauss dess Seelsorgers oder Vicary soll aufgebauet werden zu Garstern (weilen ess in der mit vndt dass gelegennste Orth ist) vndt von allerhandt Anlagen priuilegirt vndt befreydt sein, auch von der ganzen Pfarrmennig bey beyrlichen Ehren gehalten werden.

Schliesslichen wegen der Stohl halber haben sich beede Herrn Geistliche, alss Herr Pfarrer zu Theya vndt Herr Vicarius auf den vierten Pfenning alss von einen Gulden fünffzehen khreüzer guetwillig mit einander verglichen vndt solches quatemberlich gegen fürweisung, wass einkhommen in der Stohl, verraithen. Bescheben ihm Schloss zu Weissenbach, den 26. February Anno 1642.

Auf deren N. N. der Obern Theyingerischen Pfarrmening eingeraichten verrern gehorsambes Bitten ist von dem Venerabili Consistorio vndern Dato Aylfften Aprilis sechs hundert zway vndt vierzig lauth Prothocolls erfolgten Rathschlags vorstehender Vergleich der Zeit acceptirt, mit dem hiefürgetruckhten khleinen Officialat-Ambts Insigl, wie auch dess Hochwürdigen Herrn Vice-Officialis vndt

 

 

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dess Herrn Notary Officy Handtvnidterschtrifften ratificirt, confirmirt vndt bestattiget worden. Wien, im festlichen Passauer Hoff bey Vnnser Lieben Frauen auf der Stiegen. Den 12. Monatstag Aprilis, Anno 642 wie obstehet.

Franciscus Bellasius, J. V. D. Prot. Aplicus.
Decanus Pillich. & V. Offlis Passau. m. p.

Fr. Sylvanus Hunger,             Joachim Hampely,
      Parochus in Theya m. p.                  Passav. Notarius Dr. m. p.

Sig. Truckhemiller,
v. Milburg zum Weissenbach m. p. 1)

Vom Stolaerträgnisse  bezog also der Pfarrer von Thaya den vierten Teil. Der Wechsel des Gottesdienstes bei den drei Kirchen Gastern, Zwettlern und Weissenbach, die Einsegnung der Leichen bei den Friedhöfen der Filialen Zwettlern, Weissenbach und Eggern und die Abhaltung eigener Osterbeichttage verursachte dem Seelsorger viele Mühen und Beschwerden. Heutzutage besteht davon noch die Abhaltung des Gottesdienstes in Weissenbach und Zwettlern an jedem dritten Sonntag und der Friedhof in Zwettlern (der in Weissenbach wurde aufgelassen).

Der erste Vikar war

Jakob Lauer, 1642 -1647.

Um 1614 zu Unlangen in Schwaben geboren, hatte er in Wien Philosophie studiert und zu Passau von Kaspar Strödele auf den Tischtitel des Alumnates die Priesterweihe empfangen. Als Seelsorger wirkte er zuerst in Linz und darauf als würkhlicher Pfarrer in Gastern 2).

1643, 26. Juli, gab er dem visitierenden Dechante von Gmünd noch Folgendes an: er habe 550 Pfarrkinder, alle katholisch; bei der Pfarre befinde sich kein Untertan, eine jährliche Stola 20 fl., sonstiges Einkommen von 125 fl., 1 Mut Korn und 10 Eimer Wein. Es seien auch vier Kapellen vorhanden, Weissenbach zum heiligen Andreas, Eggern zum heiligen Meinhard, Motten zum heiligen Pangratius und Zwettlern zur heiligen Anna, die abwechselnd versehen werden. Die weltlichen Besitzungen gehören zumeist nach Steyergarsten, Zwettl, Pernegg und Herrn Truggenmüller. Er habe von der Pfarre keine Leistungen zu geben; Patron sei der Bischof; Schulden sind nicht vorhanden. Auch wird bei der Pfarre Thaya bemerkt, dass Benefizien freiwillig auf Gastern überlassen worden seien 3).

1644 bestand auch eine Schule und erlegte die Gemeinde Gastern bei der Stiftsherrschaft Garsten 30 fl. als Schulgehilfen-

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1) Originalpergament mit einem Siegel in Blechkapsel anhängend im Konsistorialarchive St. Pölten.
2) 3) Geschichtliche Beilagen, I., S. 215; I., S. 216 und 218.

 

 

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gebühr 1). Weil später die Gemeinden diese Beiträge verweigerten und im Pfarrstiftbriefe dafür nicht vorgesorgt war, blieb Gastern durch fast 130 Jahre ohne Lehrer, Organisten und Kirchendiener, worüber sich die Pfarrer öfters bitter beklagten.

1645, 10. Dezember, trug der kaiserliche Oberquartierkommissär Propst Heinrich von Eisgarn dem Dorfe Gastern bedeutende Lieferungen nach Waidhofen auf 2). In diesem Jahr wurde die Gegend wahrscheinlich auch von den Schweden heimgesucht.

Jakob Lauer berichtete, dass seine 500 Pfarrkinder in Gastern sämtlich katholisch seien 3).

1647, 2. November, Thaya. Pfarrer Gobelinus Joepserius von Thaya 4) präsentierte dem Offiziale für sein Vikariat in Gastern, welches durch Abtreten des Jakob Mayr 5) erledigt war.

Adam Schale, 1647-1650,

der nur kurze Zeit verblieb 6).

1650, 23. März, erhielt der Dechant von Altpölla den Auftrag, über Klagen gegen den Pfarrer von Gastern Untersuchung zu pflegen 7). Darauf blieb das Vikariat eine Zeit lang unbesetzt und wurde von Dobersberg aus versehen.

1652 führt ein Verzeichnis an: Dobersberg mit den Filialen Khautzen und Garsten und 1502 Seelen, worunter 10 Unkatholische waren: Pfarrer Ambros Stuckh 8).

1654 spendete die Pfarre Gastern 3 fl. für die Franziskaner in Jerusalem 9).

1655 musste zu den Feldzügen in Ungarn sogar jeder Inwohner 1 fl. und jeder Dienstbote den zehnten Teil seines Arbeitslohnes beitragen 10).

1655 verkaufte das Stift Garsten seine sechs Untertanen in Mödring (bei Horn) dem Grafen Ferdinand Sigmund Kurz zu Horn um 1000 fl. 11).

1662 hatten die Ortsbewohner den nach Böhmen marschierenden Kriegsvölkern beschwerliche Vorspannen nach entfernten Orten zu leisten 12).

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1) 2) 10) 12) Gemeindelade Gastern.
3) Erzbischöfliches Konsistorialarchiv Wien.
4) Ist in Geschichtliche Beilagen, VII., S. 289, einzusetzen,
5) Offenbar mit dem vorigen Lauer identisch, wiewohl Grübel zwei Vikare unterscheiden will.
6) 7) Konsistorialarchiv St. Pölten.
8) Burger, Altenburg, S. 259; ähnlich auch Hippolytus, 1859, S. 352.
9) Wiedemann, Geschichte der Reformation und Gegenreformation, II., S. 517.
11) Schlossarchiv Ottenstein, Nr. 1426. Diese Güter zu Mödring erhielt Garsten vor 1190 von dem Ministerialen des Herzogs von Steyer, Hermann von Moderich, der, selbst in das Kloster eintrat. (Urkundenbuch ob der Enns, I., S. 189).

 

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1662, 1. Juli, Schloss Weissenbach, erklären die Pfarrkinder zu Weissenbach, am Reinberg, Rudoltz, Gästern, Zwedtlern, Himelschlag, Eggern und Modten in der Pfarre Deia: Sigmund Druckenmiiller habe als Oberpfarrkind sich im Reverso von 1642 für Lebenszeit verpflichtet, dem Vikare in Gastern jährlich einen halben Mut Korn und 10 Eimer Wein beizutragen; nach seinem Tode hätten die Pfarrleute diese Leistung nicht, wie es bestimmt war, selbst über übernommen, sondern widerrechtlich der Herrschaft Weissenbach aufbürden wollen, weshalb eine Zeit lang kein Geistlicher gewesen sei. Um nun einen solchen wieder zu erhalten, seien sie bereit, jährlich einen halben Mut Korn und 10 Reichstaler für den Wein zu geben; wenn sie jedoch von Thaya aus versehen werden, sollten sie ausser der Stola nichts zu geben schuldig sein. Gesiegelt vom Offizial und Notar, von Heinrich Sigmund von Issem und den Vertretern der drei Dörfer Gästern, Zwettlern und Weissenbach 1).

1662, 5. Juli, gab darauf das Konsistorium in Wien seine Einwilligung zur Anstellung eines Vikares in Gastern 2).

Derselbe hiess

Gregor Augustin Eichlbrenner, 1663 -1664.

1663, 29. September, Weissenbach. Heinrich Sigmund edler Herr von Issem, führte Klage beim Konsistorium über diesen Pfarrer von Gastern, dass er in seiner Abwesenheit seine Frau schimpflich beleidiget habe, mit Abfall vom Glauben drohe und Aergernis gebe. Er setzte ihn sogar ins Gefängnis, worauf am 12. Oktober der Offizial dem Dechante von Altpölla auftrug, ihn in seine Verwahrung zu nehmen und die Klagepunkte zu untersuchen 3).

1664, 12. Februar. Richter und Rat der Stadt Waidhofen an der Thaya berichten als Ergebnis der Zeugenaussagen in dieser Sache Folgendes: Am 8. September 1663, als der grösste Alarm wegen des tartarischen und türkischen Einfalles war und man die Feinde jeden Augenblick erwartete, habe die Frau von Issem ihre Sachen nach Laudstein bringen lassen; da sei der Pfarrer Eichlbrenner im grössten Zorn ins Schloss Weissenbach gekommen und habe ungestüm die rückständigen drei Metzen Korn verlangt und Injurien und Lärm gemacht; einen Toten habe er fünf Tage unbeerdigt gelassen. Der Offizial zitierte den Provisor P. Gregor Augustin Eichlbrenner für den 18. April in den Dechanthof nach Stain, er entschuldigte sich jedoch mit Krankheit, an der er seit der in Waldkirchen dem verstorbenen Pfarrer gehaltenen Leichenpredigt leide 4).

l664, 16. August, Wien, Das Konsistorium berichtete dem Pfarrer in Thaya, dass der Vikar von Gaistern seines Vikariates entsetzt sei und dasselbe bis 28. September abtreten müsse; er möge als Patron einen tauglichen Priester präsentieren. Auch dem Herrn

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1) 2) 3) 4) Konsistorialarchiv St. Pölten

 

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von Issem, der seine Beschwerde betrieb, teilte das Konsistorium mit, dass der Vikar mit einem mündlichen Verweise und Entsetzung der Pfarre bestraft worden sei 1).

1664, 6. Oktober, Markt Thaya. Pfarrer Jobann Georg Cröner berichtete dem Konsistorium dass der Vikar bei der Tagsatzung am 1. Oktober in Gastern nicht erschienen, sondern, nachdem er Kirche und Sakristei versperrt hatte, fortgegangen sei 2).

Nun folgte

Johann Franz Gutfreund, 1665 - 1680.

Gutfreund war in Salzburg geboren und hatte sich 1664 zum Antritte der Pfarre Poekhing 15 fl. ausgeliehen, dieselbe aber nicht angetreten, sondern Gastern übernommen 3).

1666 verfasste Pfarrvikar Johann Franz Bonamikus 4) eine Stolaordnung, in welcher für eine Hochzeit zwei Hühner und 1 fl. 30 kr. angegeben sind 5).

1667. 1. März, Weissenbach am Reinberg. Dominik Rudolf Truckhemüller von Mühlburg auf Weissenbach und Schandachen verpflichtete sich, nach dem Beispiele seines Vaters für Lebenszeit gleichfalls zum Unterhalte des Vikars in Gastern jährlich 10 Metzen Korn und für den Wein 3 fl. in vierteljährlichen Raten zu leisten, wofür der Gottesdienst in Weissenbach und die übrigen Leistungen des Vikars nach Herkommen beobachtet werden sollen 6).

1670, 3. Juni, liess Pfarrer Bonamikus von Gästern vom Abte Johann Bernhard im Stifte Zwettl eine Glocke zu Ehren des heiligen Johann Evangelist weihen 7).

1672 berichtete Dechant, Johann Baptist Ferchel von Raabs über die Pfarre Gastern: Präsentiert Johann Christoph Zoller, Pfarrer von Thaya. Provisor Franz Bonamikis, Weltpriester. Die Kirche zum heiligen Martin und Laurenz war bei gutem Bau. Der Tabernakel neben dem Altare in die Mauer eingebrochen (Sakramentshäuschen), war so feucht, dass die Hostien in acht Tagen schon an einander klebten, weshalb die Anschaffung eines neuen Tabernakels höchst notwendig befunden wurde. Drei Altäre, ein Kelch und ein Ziborium von Kupfer. Die Kirche besass 120 fl., aber keine Stiftung. Die Pfarre umfasste 125 Häuser, wovon jedes dem Provisor jährlich 1 fl. gab, nur in Eggern reichte jedes 45 kr. Die Herrschaft Weissenbach gab 10 Metzen Korn und 3 fl. für Wein. Gegen den Pfarrer wurde keine Klage vorgebracht 8).

1672- 1674 lagen in dieser Gegend Heisler'sche Reiter 9).

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1) 2) 3) 5) 6) Konsistorialarchiv St. Pölten
4) So latinisierte Gutfreund seinen Namen.
7) Kalenderanmerkungen im Stifte Zwettl.
8) Visitationsbericht im Dekanatsarchive Raabs, S. 43.
9) Gemeindelade Gastern.

 

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1680- 1682 wurden in Gastern keine Pfarrmatriken geführt und die Seelsorge wahrscheinlichi von einer benachbarten Pfarre versehen. 1683 beginnen die Einschreibungen wieder, jedoch ohne Angabe des Seelsorgers 1).

1683, 5. Jänner, weihte Abt Kaspar im Stifte Zwettl zwei zu Znaim gegossene Glocken für Gastern 2). Im Dorfe waren kaiserliche Truppen einquartiert 3).

Johann Heinrich Herz, 1685

Er nennt sich 1685 den ersten investierten und installierten Pfarrer zu Gastern und war 1688 auf der Pfarre Puch 4).

Auf ihn folgte

Matthäus Adam Walter, 1686-1687,

Magister der freien Künste und Philosophie 5).

1686 bezog eine Abteilung des Graf Palffy'schen Regimentes hier Winterquartiere 6).

Matthäus Walter kam als Vikar nach Neukirchen 7). In Gastern folgte ihm am 5. April 1687

Klaudius Werter, 1687-1688.

1688, 30. Juni, wurde dem Konsistorium eine Beschwerde des Dominik Rudolf Truckhemüller von Mühlburg auf Weissenbach überreicht, des Inhaltes: der Administrator Klaudius Werter zu Gästern habe dieses Vikariat im vorigen Jahre angetreten und sein Deputat stets erhalten, aber den Gottesdienst zu Weissenbach geschmälert, daselbst nur selten eine Predigt und erst einmal eine Christenlehre gehalten, am Dreifaltigkeitstag das Opfer der fremden Kirchfahrer, das 40 bis 50 kr. ertrage, zu sich nehmen wollen, obwohl schon seit mehr, als 46 Jahren die Kirche dieses Geld ruhig eingenommen habe. Für entzogenen Gottesdienst und Opfergeld möge dem Administrator eine Zahlung von 30 fl. an die Kirche Weissenbach auferlegt werden 8).

1688, 1. Juli, Gastern. Klaudius Werter berichtete, dass er im Vikariate Gastern eine ruinierte Kreuzsäule habe neu aufsetzen lassen 9).

1688, 6. August, Gastern. Pfarrer Klaudius Werter schrieb an das Konsistorium: er habe der Vorladung für den 14. Juli nicht nachkommen kennen, weil er bei der grossen Hitze und den schrecklichen Gewittern keine Fahrgelegenheit nach Wien gefunden habe,

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1) 5) Pfarrarchiv Gastern.
2) Stiftsarchiv Zwettl.
3) 6) Gemeindelade Gastern.
4) Pfarrarchiv Gastern; Konsistorialarchiv St. Pölten.
7) 8) 9) St. Pölten.

 

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wegen Armut sich keinen eigenen Wagen aufnehmen könne, er auch nicht wisse, wer ihn verklagt habe und die Reiseunkosten zahlen würde 1).

1688, 6. August, Gastern, gab Vikar Klaudius Werter dein Offiziale folgende Gründe an, warum das Vikariat Gastern totaliter zugrunde gehe:

  1. Der Herr Truckhmiller solle von der Herrschaft Weissenbaeb jährlich 10 Eimer Wein oder 10 Reichsthaler geben, leiste aber nur 3 fl.
  2. Statt der 15 Metzen Korn gebe er nur 10 Metzen.
  3.  Von den 18 Häusern in Weissenbach habe der Vikar von jedem vierteljährlich 17 kr., seien aber 6 Häuser öde. 
  4. Vom Altare nehme der Truckhmiller das Opfer weg.
  5. Die Schlossbewohner entrichten nicht einmal den Beichtkreuzer, sondern gehen auswärts zur heiligen Osterbeicht.
  6. Der Truckhmiller geniese den Zehent vom Gotteshaus  St. Bartholomäus, den früher der Bischof von Passau genossen habe.
  7. Er lege keine Kirchenrechnung, ziehe das Vermögen an sich und lasse die Friedhofmauer zugrunde geben.
  8. Graf Herberstein habe das Dorf Motten zu St. Pongrazen vollständig ausgerottet, die Untertanen in andere Dörfer gebracht und dadurch den Vikar um die 17 kr. alle Vierteljahr voll jedem Hause verkürzt.
  9. Eggern sei durch die Feuersbrunst ruiniert. 
  10. Schon seit über 46 Jahren sei kein Schulmeister hier und müsse der Vikar alles verrichten.
  11. Er habe keine Furche Acker zum Anbauen, kein Körndel Zehent, müsse alles kaufen und könne nicht einmal eine Kuh oder Geiss füttern.
  12. In den fünf Gotteshäusern Gastern zum heiligen Martin, Zwettlern zum heiligen Jakob, Motten zum heiligen Pankraz, Weissenbach zum heiligen Bartholomäus und Eggern zum heiligen Aegydius müsse der Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen umgewechselt werden.
  13. Der Vikar habe von 82 Häusern vierteljährlich je 17 kr. einzunehmen, nämlich in, Gastern von 30, Zwettlern 30, Immenschlag 15, Ruediss 7 Häusern; da die Stola nicht der Rede wert sei, müsse er damit sein Auskommen finden 2).

1688, 1. September, Wien, wurde Pfarrer Klaudius Werter unter Androhung des Arrestes zum zweitenmale für den 15. September vor das Konsistorium gerufen, widersprach jedoch bei der Verhandlung einigen Klagepunkten des Rudolf Truckmüller bestimmt, während er andere teilweise zugab, worauf das Konsistorium. den Dechant Johann Simon Prandtner von Raabs mit Untersuchung der Sache betraute 3).

1688, 3. Dezember. Dechant Johann Simon Prandther erstattete über seine Untersuchung Bericht. Der Truckmüller könne nicht 30 fl.

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1) 2) 3) Konsistorialarchiv St. Pölten.

 

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Schadenersatz beanspruchen, da an einem Tage nur 4-5 Groschen Opfer eingehen, doch gehöre dasselbe seit jeher der Kapelle in Weissenbach; der Vikar habe am Fronleichnamstage dem Gutsbesitzer zum Trotze die Prozession verweigert. Zur Leistung des Weingeldes sei der Druckmüller nicht verpflichtet, weil sein Vater dies nur für seine Lebzeiten auf sich genommen habe; die sechs öden Häuser wolle er bald bestiften und den entgehenden Betrag dem Vikare unterdessen anderwärts ersetzen; das Beichthören im Schlosse habe der Vikar selbst verweigert; die Kirchenrechnung werde nicht gelegt, doch sei die Kirche ausser der Friedhofsmauer in gutem Baustande; wegen des verödeten Dorfes Motten habe der Hauptmann versprochen, beim Grafen Herberstein um anderweitigen Ersatz dieses Entganges für den Vikar anzusuchen; das abgebrannte Eggern gebe von jedem Hause mit Weingeld 1 fl. 2 kr. Der sehr notwendige Schulmeister müsste von den Pfarrleuten erhalten werden; die Bauern versprechen dem Vikare, wenn er gute Nachbarschaft halte, Fütter für ein Pferd zu liefern. Sein Einkommen betrage: an Geld 120 fl., Weingeld 15 fl., Stola bei 50 fl., Haar von vier Dörfern 30 Pfund, Beichtgarn von drei Dörfern 75 Ellen, Holz nach Bedarf, Küchenspeise könne er bei den Bauern ansetzen; versprochen seien für ein Pferd 15 Metzen Hafer und Heu; fast täglich eine Messe für 18 kr. Man habe sich auch über den Vikar beschwert, dass er auf einen Bauern geschossen und ihn verwundet habe, an Wochentagen nur selten Messe lese und sich dem Trunke ergebe; in der Seelsorge habe man keine Klage gegen ihn. Am selben Tage wurde eine Zitationsurkunde an den Vikar Klaudius Werter für den 19. Jänner 1689 ausgefertigt 1).

1688, 17. Dezember Wien. Das Konsistorium schrieb an Dominik Rudolf Truckjemiller wegen Leistung der 1642 und 1667 versprochenen Deputate, Ersatz des Geldbetrages an den Vikar in Gastern für sechs öde Häuser in Weissenbach und Verwaltung des Kirchenvermögens daselbst; an den Grafen Herberstein wegen Verödung der sechs Häuser in Motten, Errichtung eines Schäferhofes und Ersatz des dadurch entfallenen Deputates von jährlich 7 fl. 42 kr.; auch an den Abt von Steyer-Garsten wegen Anstellung eines Schullehrers in Garsten und seiner Besoldung durch die Pfarrleute 2).

1689, 12. Jänner, rechtfertigte sich Dominik Rudolf Truckemiller und sagte unter anderen: er habe für die Kirche in Weissenbach vieles getan, sie neu eindecken, renovieren, pflastern, mit neuem Altare, Kirchenfahne, Stühlen, Messkleidern u. a. versehen lassen und wolle auch aus gutem Willen eine neue Sakristei und Friedhofmauer herstellen lassen; auch setzte er die Beschlagnahme der Sachen des Vikares in Gastern durch, da dieser ihm Geld schuldete. Am 14. Jänner berichtete Graf Ferdinand Ernst von Herberstein: Motten habe ehemals bei 20 Häuser gehabt, sei dann bis auf 6 Häuser verödet, und auch diese Untertanen hätten ihn wegen fast. alljährlichen Erfrierens des Getreide um Uebersiedlung auf einen anderen Ort gebeten, worauf er den Schäferhof errichtet habe; er sei bereit, das begehrte Deputat zu

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1) 2) Konsistorialarchiv St. Pölten

 

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ersetzen. Am 28. Jänner schrieb Abt Anselm von Garsten, er wolle gerne zur Anstellung eines Schulmeisters in Gastern mithelfen und habe seinem Verwalter um Bericht darüber geschrieben, da auch andere Untertanen dabei interessiert seien 1).

1689, im Mai, befand sich Klaudius Werter in Haft und bat wiederholt und dringend um Freilassung; er habe schon, so sagt er, vor einem halben Jahre das Vikariat resigniert, aber das Konsistorium habe die Resignation nicht angenommen und ihm befohlen, nach Gastern zu gehen, was er nicht getan 2).

Schon seit 28. Dezember 16S8 war in Gastern als Administrator und dann Pfarrer 3)

Johann Kaspar Hofer von Hof, 1680 - 1696

1689 lag hier ungarisches, mit Ochsen bespanntes Fuhrwerk und 1690 am 12. Mai wurde vom Landgerichte Dobersberg verordnet, dass eine zu Gastern erhenkt gefundene Person durch den Freimann abgenommen und verbrannt worden solle 4).

1693 meldet der Dechant über die Pfarre Gastern: Präsentiert der Bischof von Passau (richtig: der Pfarrer von Thaya). Administrator oder Provisor der Weltpriester Balthasar Kaspar Hofer. Die Kirche hatte einen Tabernakel auf dem neuen Hochaltare, auch einen neuen Turm. Von den 125 Häusern der Pfarre waren 27 öde, wodurch die Einkünfte des Vikars geschmälert wurden. Die Herrschaft Weissenbach wollte das an die Pfarre zu leistende Deputat von 15 Metzen Korn und 10 Eimer Wein oder für letzteren 15 fl. an die Pfarrleute überwälzen. Bei den fünf Kirchen war früher der Gottesdienst abwechselnd gehalten worden. Der Provisor hielt ihn aber wegen hohen Alters bei üblem Wetter zuhause, worüber die entfernten Dorfbewohner sich beklagten 5).

1695, 17. November, Gastern. Pfarrer Kaspar Hofer berechnete das Pfarreinkommen: an Geld 102 fl. 80 kr., Weingeld 10 fl., Haar und Garn auf vier Stücke Leinwand, Stola über 40 fl.; die Köchin bekomme 10 fl. Besoldung. Der Truckemiller halte seit drei Jahren jährlich vom Deputat 3 3/4 Metzen Korn zurück, gebe schlechtes Korn, das er als 70jähriger Mann nicht geniessen könne und nur 3 fl. Weingeld, so dass seit 7 Jahren bei 200 fl. ausständig seien 6).

1694 wurde der Hofwirt in Weissenbach als Lutheraner erfunden 7).

1696, 26. März, Thaya. Pfarrer Petrus Konrad Lenhardi präsentierte auf die Pfarre Gastern nach Johann Kaspar Hofer's Abtreten 8)

Johann Adam Piemont,1696-1700.

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1) 2) 6) 8) Konsistorialarchiv St. Pölten.
3) Pfarrarchiv Gastern.
4) Gemeindelade Gastern.
5) Visitationsbericht im Dekanatsarchive Raabs, S. 70 - 72.
7) Wiedemann, a. a. O., V., S. 176.

 

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1696, 13. November, schreibt der Pfarrer Joseph Schmid, den der Abt von Zwettl nicht auf der Pfarre Waldenstein belassen wollte, dass er wegen des ihm angetragenen Benefiziums in Gastern erfahren habe, es sei kein Aequivalent für Waldenstein und bestehen dort noch mehr Streitigkeiten 1).

1700, 29. August. Thaya. Pfarrer Petrus Konrad Lenhardi von Thaya präsentierte für das Vikariat Gastern nach Abgang des Piemont den

Urban Velikaina, 1700- 1703.

Velikaina erhielt die Pfarre Brand am Loschberg, auf welche ihn Leopold Graf von Lamberg in Rom am 17. November 1703 präsentiert hatte. Doch wurde er derselben 1711 entsetzt 2).

1704, 26. Jänner, legte Velikaina die Pfarre zurück, weil besonders Klein-Zwettl die Abreichung der Giebigkeiten verweigerte 3).

1704, 16. Februar übergab der Vikar Urban Velikaina seine Resignation dem Konsistorium, weil die Verpflichtungen für 17 Häuser in Eggern und 112 Häusern in den anderer Dörfern nicht gereicht und das höchst notwendige Einkommen bedeutend geschmälert werde. Am 20. Februar 1704 verordnete das Konsistorium, dass das Vikariat unbesetzt bleibe (es wurde der Pfarre Thaya zugeteilt), bis die Gemeinden die versprochenen Leistungen wieder geben 4).

1794, 25. Juli, Schloss Weissenbach im Gastingerischen Vikariat. Dominik Rudolf Truckhemüller von Müllburg verpflichtete sich, auch ferner als Inhaber des Gutes Weissenbach für den Vikar in Gastern zu leisten, was 1642 und 1667 für diese Herrschaft, und die beiden Dörfer Ruedes und Weissenbach mit 29 Häusern bestimmt wurde, obwohl einige Häuser öde lagen; Gastern versprach Leistungen für 30 Häuser, Zwethlarn ebenfalls, Immenschlag für 15 Häuser; die übrigen 8 Häuser seien im Dorfe Motten gelegen gewesen und verödet bis auf den der Herrschaft Dobersberg gehörigen Meierhof.

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1) Stiftsarchiv Zwettl.
2) Konsistorialarchiv St. Pölten. - Hier finden sich noch folgende in Geschichtlichen Beilagen, IV., S. 539 nicht berücksichtigte Präsentationen auf die Pfarre Brand. nach dem Tode des Wolfgang Guntz für Johann Anton von Greiffenbach (von Leopold Joseph Grafen Lamberg in Wien 5. März 1687 ausgefertigt); nach seiner Resignation für Ignaz Walderer, bisher Provisor in Ottenschlag und Waldhausen (vom obigen Grafen Lambert auf Schloss Ottenstein, 12. September 1688); nach dessen Tod für Johann Gottlieb Mennhardt (vom Grafen Lamberg in Wien, 16. Dezember 1689); nach Resignation des Provisors P. Dominik Kerndl für Georg Pecher (vom Grafen Lamberg in Regensburg, 24. Jänner 1695); nach dessen Resignation für Johann Ignaz Zeller (vom Grafen Lamberg in Regensburg. 14. Juni 1698); nach dessen Verzicht für Urban Velikaina, Pfarrvikar in Gastern 1703, nach dessen Absetzung für Christian Seeler (von Karl Joseph Grafen von Lamberg in Wien, 20. Juli 1711) und nach dessen Resignation für Gottfried Joseph Lorentz, gewesten Pfarrvikar in Ulmerfelden (von Karl Joseph Grafen von Lamberg in Wien, 8. März 1732).
3) Konsistorialarchiv St. Pölten und Pfarrarchiv Gastern.
4) Konsistorialarchiv St. Pölten.

 

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wovon der Vikar 3 fl. und zu Ostern einen Anteil am Opfer der dortigen Filiale geniesse; Eggern versprach, für 17 Häuser zu zahlen. Wenn neue Häuser gebaut würden, solle auch dafür der gleiche Betrag entrichtet und auch sonst beiderseits die Verpflichtungen eingehalten werden. Gesiegelt vom Truckemüller und den Vertretern der fünf Dörfer 1).

1704, 23. August., übernahm die Pfarre

Euthelius Friedrich Deith, 1704 - 1715,

päpstlicher Missionär 2). Er war von Essen in Deutschland gebürtig.

1708 berichtete der Dechant Johann Ernst von Jamaigne in Alt-Pölla über Gastern: Pfarrer Euthelius Friedrich Dieth war gut studiert und von gutem Lebenswandel, auch ein guter Prediger und einer grösseren Kanzel würdig. In Gastern hielt er jeden dritten Sonntag Gottesdienst, sonst in einer der vier anderen Kirchen. Hier war kein Schulmeister. Die Kirche war im Presbyterium gewölbt, im Schiffe flach gedeckt, hatte vier Altäre und zwei Glocken auf dem Turme 3).

1711. 21. Jänner, Kloster Garsten, wurde das Amt Gastern bei Böhmisch-Waidhofen auf 3641 fl. geschätzt. Dazu gehörten damals 31 Holden, darunter zwei Hofe und eine Mühle. Die Kauf- und Todfallgelder waren seit 1679 abgeschafft 4).

1712 meldete Dechant Jamaigne: Vikar Dieth habe sehr wenig Einkommen, aber sehr: viel Arbeit, da er fünf Kirchen versehen müsse. An Wochentagen lese er zuweilen Messe, wenn es für eine der Kirchen begehrt werde. Aus Mangel an Einkünften sei kein Schulmeister oder Organist vorhanden, weshalb der Gottesdienst ohne Musik und die Jugend ohne Unterricht sei. Die grössere Glocke auf dem hölzernen Turme war vor zwei Jahren beim Läuten zersprungen und durch eine neue ersetzt worden 5).

1713, im Sommer, starben eine Person in Immenschlag und vier in Ruders an der Pest 6).

1715, 18. April, segnete Pfarrer Dieth das Zeitliche 7). Am 27. April 1715 wurde er in der Kirche zu Thaya beigesetzt, wo noch sein Grabstein vorhanden ist 8).

1715, 26. April, Thaya. Pfarrer Johann Georg Hariz von Thaya präsentierte nach Dieth's Tode auf das Pfarrvikariat Gastern

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1) Konsistorialarchiv St. Pölten
2) Pfarrarchiv Gastern.
3) 5) Visitationsberichte im Dekanatsarchive Raabs, S. 16 - 18; S. 26 - 28.
4) Kodex 16 ins Schlüsselbergerarchive des Landesarchive zu Linz, V. Band. 
6) Pfarrmatriken.
7) Sterbebuch der Pfarre.
8) Geschichtliche Beilagen, VII., S. 277.

 

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Anton Andreas Schwarz, 1715

der von 1711 bis 1715 Kooperator in Alt-Pölla gewesen 1). Er übersiedelte schon nach einigen Monaten auf eine bessere Pfründe.

1715, 1. November, Thaya. Pfarrer Johann Georg Hariz von Thaya präsentierte nach des Vikars Schwarz Beförderung für das Vikariat Gastern

Franz Neunteufel, 1715-1729.

Er war Magister der Philosophie und freien Künste an der Universität Olmütz und Vikar in Heidenreichstein; ehemals auch sechs Jahre Kooperator in Eisgarn 2).

1718 berichtete der Vizedechant Johann Jakob Hölzl von Vitis. Der Vikar Franz Neunteuffl in Gastern stamme aus Mähren, sei in Wien ordiniert und einer Beförderung sehr zu empfehlen. Die Pfarrkinder seien 1717 in Waidhofen gefirmt worden. Schulmeister sei nicht vorhanden 3).

1722, 31. Dezember, verkaufte Abt Ambros von Garsten das freie Gut Gastern, das dem Stifte zu weit entlegen war und denselben eher einen Schaden als Nutzen brachte, um 2000 fl. und Bezahlung der rückständigen Steuern dem Karl Joseph Franz Anton Reichsgrafen von Lamberg-Sprinzenstein, der es mit der Herrschaft Waidhofen vereinigte. Dazu gehörte noch damals die Mühle bei Alt-Pölla am Kamp, die als "Gut Alt-Pölla" um 1442 zum Stifte Garsten erworben worden war 4).

1722 brannten in Gastern zwei Häuser ab 5)

1727 wird ein Jahr der Teuerung genannt, weil der Metzen Korn auf 2 fl. und darüber stieg 6).

1729, 7. Oktober, Thaya. Pfarrer Franz Wolff von Thaya präsentierte auf die Pfarre Gastern, die durch Beförderung des Ignaz Neundeuffl erledigt war, den Weitpriester

Johann Ignaz Remp, 1729-1740.

1733 14. April, visitierte Dechant Bernardin Hölzl von Alt-Pölla die Pfarre Gastern. Sie war die schlechteste Pfarre der Diözese und hatte fünf Kirchen. Vikar Ignaz Remp war 50 Jahre alt, in Krain geboren, vom Wiener Bischofe von Rumel ordiniert und durch Tausch auf diese Pfarre gekommen. Er war strenge in der Einforderung der Stola, da er dieselbe benötigte und sonst von den
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1) Konsistorialarchiv St. Pölten; Geschichtliche Beilagen, IV., S. 445.
2) Konsistorialarchiv St. Polten; Pfarrarchiv Gastern.
3) Visitationsbericht im Dekanatsarchive Raabs, S. 15 - 17.
4) Pritz, Garsten und Gleink, 8. 84; Gemeindelade Gastern; Geschichtliche Beilagen, IV., S. 397
5) Gemeindelade Gastern.
6) Pfarrmatriken.

 

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ungebildeten und harten Köpfen nichts bekommen hätte. Kein Schulmeister oder Messner. Der Vizedechant von Waidhofen hatte zur Zeit des Vikars Neunteuffl, damals parochus Senensis, 180 fl. auf eine Messe in jedem Monate gewidmet, da aber vom Gelde nichts bekannt war, unterblieb auch die Messe und sollte Neunteuffl zur Rechenschaft verhalten werden 1).

1737, 10. Juli wurde vom Konsistorium Pfarrer Remp aufgefordert zu berichten, ob ihm Beichtkreuzer durch Gewohnheit oder durch Vertrag zugehören 2).

1740 übersiedelte Remp auf die Pfarre Kühnering und erhielt im Jänner 1740 hier zum Nachfolger 3)

Joseph Braun, 1740 - 1745.

1741 war das Dorf mit zahlreichen Truppen belegt und zudem ein solcher Misswachs, dass die Bauern Korn und Hafer auswärts entlehnen mussten 4).

1743, 26. April, Wien, bewilligte das Konsistorium über Antrag des Provisors Joseph Braun auf der Pfarre Gastern, dass eine Messenstiftung auf die Oktav des heiligen Johann Nepomuk errichtet werde für die Wohltäter zu dem schon lange ersehnten Pfarrhofbau in Gastern und besonders für Nikolaus Hartmann, Bestandinhaber von Heidenreichstein, der aus purem Mitleid dazu 200 fl. beigetragen hatte. Die Stiftung kam jedoch nicht zustande 5).

1745. April und Mai, hielt Joseph Mayerhofer, Jesuit aus Teltsch, Mission ab, wahrscheinlich um die letzten Spuren des Luthertumes auszurotten 6). Das Dorf hatte schwere Vorspannlasten zu tragen 7).


1745, 16. Oktober, kam dem Konsistorium die Präsentation zu für

Anton Maconigg, 1745 - 1746

bisher Kooperator in Böhmischkrut, ausgefertigt vom Pfarrer Friedrich Fritz in Thaya für das Pfarrvikariat Gastern, das durch Beförderung des Joseph Braun auf die Pfarre Kühnering erledigt war 8).

1746, im März, übernahm die Pfarre

Anton Franz Hofmann, 1746 - 1749.

1749, 22. April, Thaya. Pfarrer Friedrich Fritz von Thaya. präsentierte dem Bischofe für die Pfarre Gastern, die durch Beförderung des Anton Hofmann erledigt war, den
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1) Visitationsbericht im Dekanatsarchive Raabs, S. 50 - 53.
2) 5) 8) Konsistorialarchiv St. Pölten
3) 6) Pfarrarchiv Gastern.
4) 7) Gemeindelade Gastern.

 

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Johann Leopold Mayr, 1749 - 1776,

der hier wieder längere Zeit verblieb 1).

1751 musste Gastern Strafgelder zahlen "wegen abgängiger Spatzenköpfe". In dieser Zeit wurde nämlich nach dem Vorbilde Preussens auch in Oesterreich eine Sperlingsverfolgung, eingeleitet und angeordnet, dass jeder Hausbesitzer jährlich drei Sperlingsköpfe oder für für den  abgehenden. einen Kreuzer abliefern musste. In Marmaros in Ungarn bestand die Sperlingskopfsteuer noch 1841 2).

1754, 4. Mai, Gasterm, beschreibt Pfarrer Johann Leopold Mayr die Pfarre Gastern bei Pöhmisch Waydhofen folgendermassen: die selbe, werde von einem einzigen Weitpriester versehen, der in einem schlechten Pfarrhofe wohnen müsse; das Patronat stehe dem Passauer Domkapitel, das Präsentationsrecht dem Pfarrer in Thaya zu; die Pfarrkinder und vier Filialen erhalten den Pfarrer, der kümmerlich leben müsse, die Filiale Weissenbach gehöre zur Herrschaft Heidenreichstein, Eggern zu Litschau, Zwettlern nach Stift, Zwettl und Motten zur Herrschaft Illmau; zwei seien eine halbe Stunde, Motten eine Stunde, Eggern gar zwei Stunden entfernt. Diese habe zur Pfarre Eisgarn nur dreiviertel Stunden, die anderen liegen der Mutterpfarre näher, als fremden Pfarren. Bei dieser Pfarre sei leider Gott niemals ein Schulmeister, noch Messner angestellt gewesen, da der Pfarrer selbst nur kümmerlich auskomme, die Pfarrleute den Pfarrer erhalten müssen und die Herrschaften nichts beitragen wollen; so müssten die Kinder ausser Predigt und Christenlehre ohne Unterricht und Erziehung aufwachsen, oft fehle es auch an Ministranten und die Kirche könne kaum das nötige Wachs aufbringen. Das Einkommen des Pfarre wurde berechnet mit: Sammlung von 20 Pfund Haar und 30 Pfund Beichtgarn, wert 12 fl. 50 kr., Geld von 7 Dörfern 150 fl., 20 Klafter Holz = 15 fl., 15 Metzen Korn = 15 fl., Stola mit Neutaufen zu Ostern und Pfingsten, Kopulationen und Begräbnissen, jedoch ohne Amt und Libera, weil keine Orgel und kein Schulmeister vorhanden war, Vorsegnen und Bitten 71 fl. 10 kr., Summe 264 fl. Ausgaben: auf Kost 200 fl., Lohn für zwei Dienstboten 23 fl., anderes 30 kr 2).

1757 weigerten sich die Gemeinden Gastern, Klein-Zwettl und Immenschlag, das kontraktmässige Brennholz zu liefern und die Reparatur am Pfarrhofe vorzunehmen 3).

1758, 15. Dezember, berichtete Pfarrer Mayr: die Pfarrkirche in Gastern habe bei den Pfarrkindern 200 fl. um 10 fl. jährliche Interessen liegen 4).

1759 beantragte der Dechant: wenn Eggern  und die Kuefstein'schen Waldhütten nach Litschau umgepfarrt würden,

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1) Pfarrarchiv Gastern; Konsistorialarchiv St. Pölten.
2) Theaterzeitung, von 1841, Nr. 103.
3) Pfarrarchiv Gastern.
4) Konsistorialarchiv St. Pölten,

 

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sollten dafür Wüssmäder und Reinberger Waldhütten von Heidenreichstein hieher gegeben werden 1).

1762 meldte Pfarrer Mayr: bei seinen) fünf Kircjem seien weder Stiftungen, noch Bruderschaften vorhanden; die Kirche in Gastern besitze 225 fl. Kapitalien und nur jeden dritten Sonntag 6 bis 8 kr. Sammelgeld, wovon er die notwendigen Reparaturen undd Anschaffungen besorgen wolle, da schon bei 60 Jahre nichts wehr aufgewendet worden sei. Von den Filialen Eggern und Motten habe er noch keine Kirchenrechnung zu sehen bekommen, von Weissenbach die letzte vor 14 Jahren; diese Kirche schulde der Pfarrkirche etwa 20 fl. Beisteuer, auch Zwettlern sei damit im Rückstande 2).

1762, 8. Mai, Schloss Litschau, schloss Johann Franz Graf von Fünfkirchen, Administrator der gräflichen Kuefstein'schen Herrschaft Litschau, als Vertreter des untertänigen Dorfes Eggern mit Pfarrer .Leopold Mayr von Gastern auf Vermittlung des Vizedechants Joseph Wayeck, Pfarrers in Dobersberg, folgenden Vergleich: die Dorfbewohner von Eggern sollen die Rechte von Angehörigen der Pfarre Gastern geniessen, ihre Kinder dorthin zur Taufe bringen, weil dort allein der Taufstein der Pfarre sich befinde; wenn sie in Winterszeit bei Schneeverwehungen die Kinder in Eisgarn oder Heidenreichstein taufen lassen, sollen sie doch das eingeführte Taufgeld nach Gastern entrichten; die Kopulationen sollen an Sonn- und Feiertagen in der Kirche, wo Gottesdienst gehalten wird, an Wochentagen aber in Gastern stattfinden und die Verstorbenen des Dorfes auf dem Friedhofe zu Eggern gegen die gebräuchliche Stola und ohne Reisevergütung vom Pfarrer beerdigt worden. Derselbe könne auch die Osterkommunikanten beschreiben, Beichtzettel nebst Beichtkreuzern und von jedem Hause zwei Eier abfordern lassen und habe jedes Quartal eine Rate des üblichen Geldbeitrages von jährlich 13 fl. 30 kr. zu empfangen. Dafür müsse er Gottesdienst in ihrer Kirche halten: am Osterdienstag auf Meinung der Dorfgemeinde gegen ein Stipendium von 30 kr.; am Sonntag vor Christi Himmelfahrt mit Predigt und Messe, wofür die Gemeinde auf Essen und Trinken 30 kr. und als Stipendium 30 kr. (wenn sie auch die Messe aufopfern lassen will) entrichten wolle; am Pfingstdienstag mit Umgang um die Felder und Messe für die Gemeinde gegen 1 fl. 30 kr. Entlohnung; am Aegydiustage mit Messe für die Gemeinde gegen 30 kr.; am Sonntag nach Aegydiustag mit Predigt und Messe für die Gemeinde gegen 30 kr. auf Bewirtung und 30 kr. für die Messe und l fl. für die Mühe, wogegen der Pfarrer vom Opfergeld nichts zu fordern habe. Zur sehr notwendigen Pfarrhofreparatur in Gastern versprach Eggern auf einmal 5 fl. 24 kr. und von nun an jährlich auf Michaeli als Bauschilling 27 kr. beizutragen, wogegen dieses Dorf von aller Robot beim Pfarrhofbaue frei gehalten werden solle. Unterschrieben von den Parteien, dem Pfarrer Friedrich Fritz von Thaya als Patron der Pfarre Gastern und bestätigt vom Konsistorium in Wien, 28. Mai 1762 3).

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1) Konsistorialarchiv St. Pölten, Dekanatsakten.
2) 3) Konsistorialarchiv St. Pölten.

 

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1765 meldete Dechant Johann Adam Lehrbaum von Waidhofen über Gastern: Der Pfarrer Leopold Mayr war aus Waizendorff in Oesterreich, 62 Jahre alt, ordiniert von Anton Grafen von Lamberg, Weihbischofen in Tuln, auf den Titel der Gräfin von Schallenberg zum Gute Teinzendorff und erlangte diese Pfarre im Tauschwege, war installiert, aber nicht eingeführt. Trug im Winter der Kälte wegen capillitium fictum ausser der Messe, war zur applicatio pro populo nicht verhalten, da er die Kongrua nicht erreichte. Die Jugend war schlecht unterrichtet, da die Leute viel auswärts giengen und kein Schulmeister vorhanden war. Konnte darum auch die Aspersio solemnis nicht anstimmen, sondern betete die weniger feierliche mit dem Volke. Friedhöfe bestanden in Gastern, Zwettlarn, Weissenbach und Eggern. Die Kirche in Gastern war kürzlich restauriert worden und mit vier schönen Altären eingerichtet. Paramente waren in Gastern, Zwettlarn und Motten genügend, in Weissenbach und Eggern zu wenig. Auch der Pfarrhof war ausgebessert 1).

1771, 11. August. Pfarrer Johann Leopold Mayr berichtete über die Kircheninventare; in Gastern waren vorhanden: 1 kupferne Monstranze, 1 silberner Kelch (bis 1787 kam ein silberner Kelch und 100 fl. Kapitalien dazu), ein Ziborium, ein kupfernes Reliquiarium des heiligen Martinus, Bischof, 11 Messkleider; die Filiale Zwettl besass: 1 kupferne Monstanze und Kelch und 6 Messkleider; Weissenbach 1 kupferne Monstranze, 1 silbernen Kelch und 5 Messkleider, Eggern 1 kupferne Monstranze, 3 kupferne Kelche und 3 Messkleider; S. Ponkraz 2) 1 silbernen Kelch und 1 Messkleid 3).

1771 und 1772 waren solche Missjahre, dass die Leute mit ungewöhnlichen Dingen sich den Hunger stillten 4).

1776, 4. April, Thaya. Pfarrer Joseph Mungenast von Thaya präsentierte auf die Pfarre Gastern, welche Leopold Mayr (wegen Erblindung) resigniert hatte

Anton Lampl, 1776-1780.

Dieser war 1770 Kooperator in Litschau, darauf seit 1774 in Gastern gewesen und hatte seinen blinden Vorgänger zu erhalten 5).

1778, 1. Oktober. Pfarrer Anton Lampl berechnete sein Einkommen folgendermassen: Gastern mit 30 Häusern, Klein-Zwettl mit 30, Immenschlag mit 15, Ruedess mit 11, Weissenbach mit 18, Eggern mit 18 Häusern, Amt Litschauer Reinberg mit 50 und Amt Wissmaden mit 6 Häusern, die nichts beitragen, zahlten 144 fl. 42 kr.,

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1) Visitationsbericht im Dekanatsarchive Raabs, S. 30 - 32
2) 1787 in Mottenhöfen genannt und noch mit Inventar versehen.
3) Konsistorialarchiv St. Pölten.
4) Gemeindelade Gastern.
5) Konsistorialarchiv St. Pölten; Pfarrarchiv Gastern und Litschau.

 

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gaben 20 Klafter Holz, 15 Metzen Korn, 37 1/2 Pfund Gespunst und einigen Haar. Bei der Pfarre bestand keine Stiftmesse, kein Schulmeister, keine Orgel und war der halb erblindete, alte, resignierte Pfarrer zu erhalten 1).

1780, 24 Februar, machte Pfarrer Lampl sein Testament: er wolle im Friedhofe begraben worden und setze die Kirche in Gastern zur Erbin ein. Von seinen Büchern sollen die schädlichen verbrannt, die guten als Bibliothek bei der Pfarre verwaltet werden. Zwei Bilder, in tela pictae (gewebt?), die Geburt Christi und den Gekreuzigten vorstellend, sollen in der Kirche angebracht werden. Für ihn sind 100 Messen zu lesen und der Kirche 100 fl. auszufolgen 2).

1780, 26. Februar, starb Pfarrer Lampl, erst 38 Jahre alt 3).

1780, 21. März Thaya. Pfarrer Joseph Mungenast von Thaya präsentierte dem Bischofe von Passau auf die Pfarre Gastern nach Lampl's Tode

Lorenz Göschl, 1780 - 1806.

Er war in Schrems geboren, 1780 Pfarrer in Gastern, 1806 in Kautzen, 1809 in Puch, wo er am 17. Mai 1819 starb 4).

1781, 25. August. Pfarrer Göschel berichtete: die Kirche in Gastern habe eine Wiese im Werte von 22 fl., eigentümliche Kapitalien 94 fl.; die Pfarre ertrage Stola 50 fl., von den Gemeinden Geld 145 fl., Deputate im Werte von 56 fl. 6 kr., Messtipendien 30 fl.; die Pfarfkinder leisten diese Beiträge nur mit Mühe und um einen Seelsorger zu haben; er müsse einen 79jährigen, stockblinden Resignanten erhalten und. eine ausgedehnte Pfarre mit vier Filialen ohne Kooperator und Schulmeister versehen. Die Filiale St. Jakob zu Klein-Zwettln habe einen Wald im Werte von 50 fl. und Kapitalien 163 fl. 28 kr., Einkommen 10 fl. u. 32 kr., Ausgaben 10 fl. 25 kr.; die St. Andreaskirche zu Weissenbach besitze kein Vermögen; ihr Einkommen vom Ausläuten der Leichen und Opfergelde betrage 2 fl., die Ausgaben belaufen sich auf 4 fl. 24 kr., das Fehlende trage die Herrschaft Heidenreichstein bei 5).

1782, 2. Juli, befreite der resignierte 81jährige, erblindete Pfarrer Johann Leopold Mayr durch seinen Tod den Nachfolger von den Kosten der Erhaltung 6).

1782. 30. November, Gastern. Pfarrer Göschl meldete: den Zehent in der Pfarre Gastern geniesse Stift Herzogenburg und Graf

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1) 5) Konsistorialarchiv St. Pölten.
2) Abhandlungsakten im Pfarrarchive 
3) Waidhofen Konsistorialarchiv St. Pölten; Pfarrarchiv Gastern.
4) Konsistorialarchiv St. Pölten; Jubiläumskatalog, S. 172.
6) Pfarrarchiv Gastern.

 

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von Schönborn, er müsse trotz der mühevoller Seelsorge nur von Almosen leben, das die Pfarrkinder kontraktmässig leisten und auf 201 fl. 22 kr. angeschlagen werde, wogegen er 75 fl. 30 kr. notwendige Auslagen habe; man möge darum "ein gnädiges Einsehen machen" 1).

1782 zählte die Pfarre 1001 Osterkommunikanten und 64 Nichtkommunikanten. Die Pfarre enthielt das Dorf Gastern mit Pfarrkirche, die Dörfer Klein-Zwettl, Weissenbach, Mottenhöfen und Eggern mit je einer Kirche und die Ortschaften Immenschlag, Rueders, Wissmaden und Reinberg-Litschauer Waldhütten, welche 301 Familien und 1289 Seelen beherbergten. Weissenbach ersuchte damals um einen eigenen Seelsorger; da es nur eine halbe Stunde von Gastern entfernt war und 174 Seelen, das dahin einzupfarrende Motteni 46 Seele zählte, wurde das Ansuchen abgelehnt 2).

1783 berichtete der Pfarrer, dass in seiner Pfarre keine Stiftung bestehe und er über das Vermögen der Kapelle in Motten keine Nachricht geben könne, weil dasselbe von der Herrschaft Dobersberg ,ohne Beiziehung des Pfarrers verwaltet werde 3).

1783, 15. Februar, trat Simon Dangl ein Stück seines Hausgartens an den Pfarrhof ab 4).

1783, 21. September, kam Garolden mit 174 Seelen vom Vikariate Kautzen nach Gastern 5).

1784, 15. Februar, wurde Eggern mit Reinberg von Gastern abgetrennt und zur neuen Lokalie Eggern gegeben. Das Vikariat Gastern gelangte nun auch zur Selbständigkeit unter dem Patronate der Pfarre Thaya und erhielt als Ersatz für die abgetrennten Ortschaften und zur Vollmachung der Kongrua aus dem Religionsfonde 50 fl., sowie gegen Uebernahme von 51 Stiftmessen noch 80 fl. Die Filiale Motten wurde gesperrt und in Gastern ein unbedeutendes Pfarrarmeninstitut gegründet 6).

1784 wurde endlich auch eine Pfarrschule erbaut 7).

1785, 23. Juni. Pfarrer Göschel berechnete sein Einkommen also: nach Auspfarrung von Eggern und Litschauer Reinberg sei ihm geblieben. Geldbettag 115 fl. 46 kr.,. 20 Klafter Holz, 15 Metzen Korn, Flachs und gesponnener Haar 37 1/2 Pfunde. Flachs 30 Pfunde, Religionsfondsbeitrag für die zwei entgangenen Gemeinden 50 fl., für 51 Stiftmessen 80 fl. Summe 300 fl .8).

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1) 3) 8) Konsistorialarchiv St. Pölten.
2) Pfarrarchiv Waidhofen.
4) Gemeindelade
5) 7) Pfarrarchiv Gastern
6) Pfarrarchiv Gastern; Konsistorialarchiv St. Pölten.

 

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1787 wurde der Friedhof um die Kirche vor das Dorf hinaus verlegt 1).

1788, 4. September, ordnete ein Hofdekret die Übergabe des Patronates der Pfarre Gastern von der Pfarre Thaya an den Religionsfond an und ein Regierungsdekret zeigte dies am 18. September dem Kreisamte und dieses am 29. September dem Konsistorium an. Der Pfarrer von Thaya hatte nämlich das Patronatsrecht zurückgelegt, weil die grossen Baulichkeiten an Schule und Pfarrhof sehr bedeutende Geldopfer verlangt hätten. Zum Schulbaue waren ihm am 30. Juni 524 fl. 36 kr. Baubeitrag bewilligt worden, deren Auszahlung nun rückgängig wurde 2).

1794 wurde an Stelle des alten baufälligen Pfarrhofes auf Kosten des Religionsfondes ein nettes, einstöckiges Pfarrhaus erbaut 3).

1806, 5. Juli, Wien. Die n.-ö. Regierung präsentierte nach Lorenz Göschl's Beförderung auf die Pfarre Kautzen den bisherigen Provisor

Johann Georg Mechtler, 1806 - 1824.

Dieser war 10. April 1759 in Horn geboren, empfieng 1781 als Kandidat des Minoritenklosters zu Zissersdorf die minderen Weihen, wurde 1788 Priester und Kooperator in Heidenreichstein, 1798 Administrator in Stockern, 1806 Pfarrer in Gastern, brachte die letzten Lebensjahre in Geisteszerrüttung zu und starb 19. März 1824 4).

1807, im November. Pfarrer Mechtler meldete: der Pfarrhof in Gastern habe ein Stockwerk und der Pfarrer sei nach Regierungsdekret von 1802 auch von kleinen Reparaturen frei. Die Kirche Gastern habe eine unechte Monstranze und Ziborium, vier silberne Kelche, auf dem Hochaltar ein Bild des heiligen Martin, einen Seitenaltar, Statuen der Heiligen Leonhard und Anna; 100 fl. Kapitalien; an Gründen ein halbes Achtel Joch Acker und ein halbes Tagwerk Wiese in der Hütterin, beide dem Pfarrer in Bestand verlassen, auf dein Türme Glocken mit 3 und 1 Zentner und 60 Pfunden Gewicht, aber keine Uhr. Die Kirche in Weissenbach: eine unechte Monstranze, auf dem Hochaltare Statue des heiligen Bartholomäus, einen Seitenaltar, Turmglocken mit 80 und 50 Pfunden. Die Kirche Klein-Zwettl: eine unechte Monstranze, halbsilbernen Kelch, 610 fl. Kapitalien, auf dem Hochaltare ein Bild des heiligen Sebastian, zwei Seitenaltäre, Glocken mit 2 und 1 Zentner 5).

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1) 3) Pfarrarchiv Gastern.
2) Konsistorialarchiv St. Pölten; Pfarrarchiv Gastern; darnach zu berichtigen Kerschbaumer, Geschichte der Diözese St. Pölten, II., S. 56.
4) Konsistorialarchiv St. Pölten; Pfarrarchiv Gastern; Jubiläumskatalog, S. 189.
5) Konsistorialarchiv St. Pölten.

 

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1808, 9. Juli, wurde durch Hofdekret die Kongrua der Pfarre Gastern mit 600 fl. bestimmt und darum der Religionsfondsbeitrag auf 303 fl. 54 kr. erhöht. Der Pfarrer suchte die Gottesdienstordnung in den Filialen zugunsten der Pfarrkirche zu beschränken, worauf die Gemeinde Klein-Zwettl die Giebigkeiten verweigerte und sich sogar auf einen Auftrag ihrer Herrschaft berief 1).

1809, 8. August, rückte nach geschlossenem Waffenstillstande eine Kompagnie Chasseur vom 26. Regimente unter dem Kapitän Ludwig Corso hier eine und verblieb bis 19. August. Am 21. August kamen Chasseur vom 10. Regimente, die am 24. August früh schleunigst abmarschierten und noch am selbst Tage durch Soldaten mit dem Kapitän Kamil Barziga ersatzt wurden, die bis 9. September verblieben. Aber auch noch am 18. Oktober trafen unvermutet Infanteristen und nach ihnen am 2. November Husaren ein, die am 5. November durch eine Abteilung unter Kapitän Fontan verstärkt wurden und erst am 5. und 15. Dezember abzogen. Alle diese Truppen stellten grosse Forderungen, verlangten die beste Verpflegung und Lieferungen an Leinwand, Leder, Tuch und Geld. Die im November angekommenen Truppen hatte überdies eine sehr schlechte Disziplin; Offiziere wie Gemeine waren Tag und Nacht berauscht, verübten Exzesse aller Art und drangen oft wie Wüteriche auf die armen Leute ein. Das Dorf Gastern allein gab im Jahre 1809 für Verpflegung der feindlichen Truppen 18.966 fl. aus. Ausserdem mussten die Dorfbewohner mit der ganzen Gegend am 22. September 1809 alle Pferde, selbst blinde und lahme bei schwerer Strafe nach Krems stellen und Hafer und Heu dahin liefern 2).

1816 war eine Missernte 3).

1824, 23. Juli, Wien. Die n.-ö. Regierung präsentierte nach Georg. Mechtler's Tode auf die Pfarre Gastern

Johann Kreuz, 1824 1837,

und forderte zugleich das Konsistorium auf, demselben vor der Investitur mitzuteilen, dass der Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen wechselweise in Gastern, Weissenbach und Klein-Zwettl abzuhalten sei, damit er nicht später deswegen Beschwerung führe 4).

Kreuz war 1781 zu Fulneck in Mähren geboren, zum Priester geweiht 1804, Kooperator in Arbesbach, 1807 in Lengenfold, 1812 in Kirchberg an der Pielach, 1814 Pfarrer in Mittelberg, 1824 in Gastern, 1837 in Stössing, 1853 Pension in Feldsberg U. M. B. und starb am. 29. März 1861 5).

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1) Konsistorialarchiv St. Pölten; Pfarrarchiv Gastern.
2) Pfarrarchiv und Gemeindelade Gastern.
3) Gemeindelade Gastern.
4) Konsistorialarchiv St. Pölten.
5) Jubiläumskatalog, S. 53.

 

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1824 wird als Pfarrgrund angeführt: ein Achtel Ackerl zum Krautsetzen, von der Gemeinde, zum Genusse überlassen, an der Landstrasse Nr. 1 gelegen, ein Obstgarten von 200 Klaftern um die Kirche, ein kleiner Küchengarten von 20 Klaftern vor dem Pfarrhofe 1).

1837, 5. März, Wien. Die n.-ö. Regierung präsentierte nach Beförderung des Pfarrers Johann Kreuz für Gastern

Johann Grübel, 1837 - 1858.

Er war 1802 zu Trumau U. W. W. geboren, wurde 1824 Priester und Kooperator in Sindelburg, 1827 in Traismauer, war 1827 bis 1832 Provisor in Hollenburg, Anzbach, Johannsberg, Kapelln, Ollern und Traismauer, wurde 1833 Pfarrer in Schiltern, 1837 in Gastern, 1858 in Neulengbach, 1859 Konsistorialrat und Dechant, 1872 Pfarrer in Siegbartskirchen; 1874 erhielt er das goldene Vordienstkreuz mit der Krone und starb am 24. April 1883 2).

1839 ward die Pfarrkirche auf Kosten der Gemeinde mit einem Kreuzwege, gemalt von Michael Reger in Waidhofen, und neuem Tabernakel versehen 3).

1846, 11. November, war grosses Hagelwetter.

1842 wurde um fast zwei Klafter verlängert, eine neue Orgel mit acht Registern beigeschafft, die Kanzel neu staffiert und die Kirche auf Kosten der Gemeinde gefärbelt. Beim Erweiterungsbaue entdeckte man steinerne Spitzbögenstücke unter dem Kirchenpflaster, aus denen geschlossen werden kann, dass die Kirche einmal gewölbt und mit Steinmetzarbeiten geschmückt war, dann aber, wie Spuren zeigten, durch Feuer zerstört wurde.

1844, 25. Juni, gieng wieder ein starkes Hagelwetter nieder.

1844 vollendete Pfarrer Grübel den ersten Teil seines sehr verdienstvollen Werkes "Beschreibung und Geschichte des Dekanates Waidhofen an der Thaya". Aufgefordert vom Propste Achaz Freiherrn von Stiebar zu Eisgarn hatte er schon im Jahre 1840 begonnen, mit staunenswertem Fleisse in nahen und fernen Archiven Materiale für die Geschichte dieses Dekanates zu sammeln und überall anzuklopfen, wo auch nur der geringste Erfolg zu hoffen war. Die verhältnismässig kurze, aber gründliche, durch Quellenangabe gestützte und dabei frische, anziehende Verarbeitung des reichen Materiales zeigt von grosser Geschicklichkeit und Hingebung für die unternommene Sache.

Leider war es dem eifrigen Arbeiter auf dem Felde der Lokalgeschichte nicht gegönnt, die Früchte seiner Arbeit, die nach ihrer Publikation in jener Zeit seinen Namen weit bekannt gemacht und
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1) Konsistorialarchiv St. Pölten
2) Ueber seine geschichtlichen und pastoralen Publikationen siehe Erdinger, Bibliographie des Klerus der Diözese St. Pölten, 2. Auflage, S. 96-98. 
3) Pfarrarchiv.

 

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auch für derartige Arbeiten fördernd und anregend gewirkt haben werde, selbst und ganz zu geniessen. Nach siebenjähriger, stiller, aber angestrengter Tätigkeit hatte er bis 1847 den ersten Teil ganz und vom zweiten Teile Heidenreichstein, Thaya, Vitis, Gastern, Eggern und Haugschlag fertig gestellt. Doch die Aufbringung eines Verlegers machte Schwierigkeiten. Auf J. Chmel's Verwendung bin erklärte sich Ignaz Klang in Wien bereit, diese Arbeit, freilich ohne Honorar und in Buchform (nicht wie Grübel plante, in Heften) als Fortsetzung der Stelzhammer'schen "Topographie des Erzherzogtums Oesterreich", als der zweiten Abteilung IV. und des ganzen Werkes XIX. Band in zwei Teilen zu veröffentlichen. Das Manuskript wurde auch dem niederösterreichischen Zentral-Bücherrevisionsamte zur Zensur vorgelegt und sollte dem Diözesanbischofe Anton Buchmayer gewidmet werden. Einige historische Notizen über das Luthertum und die Aufführung der kaiserlichen Soldtruppen im dreissigjährigen Kriege erregten jedoch Missfallen, weshalb die Veröffentlichung des Werkes unterblieb. Bischof Fessler wollte dasselbe herausgeben, doch kam es nicht dazu. In späterer Zeit benutzte man das Manuskript, das nach den Umwälzungen des Jahres 1848 eine gründliche Umgestaltung hätte erfahren müssen, für mehrere Publikationen, es wurde manigfach ausgeliehen, dadurch teilweise sogar verstreut und durch neuere Forschungen überholt. Der erste Band enthielt eine allgemeine Einleitung über das Dekanat und die Geschichte von Eisgarn, Waidhofen und Litschau, der zweite Band die übrigen Orte des Dekanates, manche freilich nur spärlich behandelt und wurde nicht vollendet. Beigegeben waren auch Abschriften von Urkunden. Der grösste Teil dieser Arbeit mit dem gesammelten Materiale befindet sich im Konsistorialarchive zu St. Pölten. Jedenfalls verdient Grübel unter den Geschichtsforschern des Waldviertels einen ehrenvollen Platz.

1847 wurde Georg Litschauer, von Gastern gebürtig, zum Priester geweiht; er starb als Dechant und Pfarrer zu Kapelln am 10. Juli 1890.

1850. Erhöhung der Kongruaergänzung, des Pfarrers auf jährlich 402 fl. 39 3/4 kr. K.-M., worauf im nächsten Jahre auch ein Kooperator nach Gastern kam 1).

1851 wurde Andreas Datler aus Klein-Motten zum Priester geweiht. Er gieng als Pfarrer von Haunoldstein in Pension und lebt in Baden.

1853 war Volksmission durch Jesuiten 2).

1858, 12. Juli, Wien. Die k. k. Statthalterei präsentierte

Joseph Stundner, 1858 -1872.

Dieser war 1810 zu Wolfenstein bei Exenbach geboren, 1835 ordiniert, Kooperator in Waldenstein, 1842 in Eaabs, 1844 Pfarrer

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1) Konsistorialarchiv St. Pölten.
2) Pfarrgedenkbach Puch.

 

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in Puch, 1858 in Gastern, 1872 in Heidenreichstein, Konsistorialrat, nahm 1889 die Pension und liess sich in Waidhofen an der Thaya nieder.

1858 wurde zur Erhaltung des Kooperators vom Religionsfonde ein Beitrag von 250 fl. K.-M. bewilligt 1).

1859 konnte durch Sammlung eine Turmuhr um 480 fl. von Böck in Neupölla angekauft werden 2).

1860 wurde der Pfarrhof mit Ziegeln gedeckt und die Orgel repariert 3).

1862 erhielt das Pfarrarmeninstitut aus dem Nachlasse des Feldbischofes Johann Michael Leonhard 500 fl. K.-M. 4).

1870 erfolgte die Anweisung einer jährlichen Unterstützung der Kirche mit 97 fl. 42 1/2  kr. aus dem Religionsfonde 5).

1871 übergab der Pfarrer das Armeninstitut mit 800 fl. an die Gemeinden 6).

Der in Gastern geborne Joseph Dimmel wurde in diesem Jahre Priester und starb am 24. Februar 1889 als Pfarrer von Gottsdorf.

1873, 29. September, wurde von der k. k. Statthalterei präsentiert und am 19. November installiert

Pius Schönbauer, 1873 -1887.

Dieser war 1860 zu Oberhaid Böhmen geboren, 1864 ordiniert, Kooperator in Langegg, 1867 in Waldenstein, 1870 in Sindelburg, 1872 Provisor in Haidershofen, 1873 Pfarrer in Gastern, 1887 in Ober-Grünbach, wurde 1905 Konsistorialrat und starb 4. April 1905.

1876, 20. August, starb in Wien Ludwig Donin, Kurpriester bei St. Stephan, von Kautzen gebürtig, bekannt durch seine zahlreichen Volksschriften religiösen Inhaltes 7). Er vermachte zur Pfarre Gastern 6000 fl. Bankaktien (und zur Pfarre Kautzen 12.000 fl. Bankaktien). Davon sollen 100 fl. jährlich für arme Schulkinder auf Bücher, Kleider und Verteilung des Goffine verwendet worden, 100 fl. für zwei arme katholische Mädchen, um Nähen, Stricken und Kochen zu lernen und wenn sie eine vernünftige Ehe eingeben, sollen sie noch vier Jahre je 50 fl. erhalten; 200 fl. zur Verteilung unter hilflose Kranke jeder Konfession in der Pfarre in kleineren Beträgen, zum Beispiel an Altersschwache, Ausnehmer, Sieche, Unheilbare oder Krebsleidende; ferner 100 fl. für zwei Studierende à 50 fl. aus der Pfarre Gastern, die Beruf zum Priesterstande zeigen mit Berücksichtigung der Verwandten des Stifters. Die Stiftung solle vom Pfarrer, dessen Ausspruch massgebend sei und von dem Gemeindevorstande verwaltet werden. Am 16. April 1879 wurde der Stiftbrief errichtet und bemerkt, dass die einzelnen Gaben bei Verminderung des Erträgnisses herabgesetzt und die Stipendien, wenn sich keine Studierenden aus der

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1) 4) 5) Konsistorialarchiv St. Pölten.
2) 3) 6) Pfarrarchiv
7) Vergleiche Ludwig Donin, eine Lebensskizze, Wien, St. Norbertusdruckerei.

 

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Pfarre finden, für die Stiftung fruchtbar gemacht werden sollen. 1883 konnte um den Erlös für die verkauften Wertpapiere eine Obligation von 10.850 fl. erworben werden. Am 1. November 1885 erfolgte die Bestätigung durch die k. k. Statthalterei.

1878 und 1881 kam die Ablösung der Deputate von den Gemeinden zu Stande. Die gesamte Pfarrgemeinde leistete bis dahin zur Pfarre jährlich 54 fl. 42 kr. an Geld, 17 1/4 Metzen. Korn, 20 Klafter weiches Brennholz, 39 Pfund Flachs und 38 Pfund Garn im Gesamtwerte von 119 fl. 1/2 kr. Unter mannigfachen Schwierigkeiten waren bis 1895 an Ablösungsgeldern 5850 fl. in Obligationen eingezahlt, während manche Ratenzahlungen noch ausstanden 1).

1881 wurde die Anstellung und Besoldung eines Messners beschlossen, nachdem bisher die Bauern abwechselnd diesen Dienst seit dessen Trennung vom Schuldienste versehen hatten 2).

1886 spendeten Wohltäter eine Lampe aus Chinasilber.

1887, 21. April, Wien, präsentierte die k. k. Statthalterei auf die Religionsfondspfarre Gastern

Ludwig Herzberger, 1887-1895,

der die Pfarre am 12. Mai antrat.

Er war 1844 in Stein geboren, 1867 ordiniert, dann Kooperator in Gföhl, 1868 in Neuhofen, 1872 in Böhmkirchen, 1874 in Spitz, 1877 in Hürm, 1978 in Göstling, Provisor in Mendling und Heidenreichstein, 1879 Pfarrer in Eggern, 1887 in Gastern, wo er am .5. August 1895 starb.

1894 brannten durch Blitzschlag vier Häuser ab.

1895 wurde Rudolf Braith von Frühwärts zum Priester geweiht. Er ist Pfarrer in Reibers.

1895, 10. Dezember, erhielt durch Investitur diese Pfarre Gastern

Johann Matula, seit 1895.

Dieser ist 1852 zu Drholetz, Pparre Freiberg in Mähren, geboren, 1882 ordiniert, war dann Kooperator in Martinsberg, auch Provisor, 1884 Kooperator in Gmünd, 1885 in Weitra, 1888 Pfarrer in Griesbach, 1895 in Gastern.

1896 wurde die grosse Glocke von Gössner in Simmering im Gewichte von 350 Kilogramm umgegossen.

1896, 27. September, weihte der Propst von Eisgarn den erweiterten Friedhof.

1898, 17. bis 27. April. Volksmission durch Redemptoristen. 

1900 wurde Florian Kainz von Garolden zum Priester geweiht.

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1) 2) Pfarrarchiv.

 

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1902, 5.Juli, wurde bei der Offertverhandlung der Bau einer neuen Pfarrkirche in Gastern dem Baumeister Anton Krejci in Horn übergeben. Die alte Pfarrkirche sollte ganz demoliert und an ihrer Stelle vorläufig das Mittelschiff einer einfachen, dreischiffigen Kirche mit Kassetendecke samt Turm und Sakristei aufgeführt werden. Der n.-ö. Religionsfond wollte dazu die Kosten, welche etwa 66.000 K. ausmachen worden, bestreiten, doch auch die Gemeinde dazu 8000 K, die Hand- und Zugrobot leisten und die innere Einrichtung herstellen, auch die Ausführung der Seitenschiffe auf bessere Zeiten verschoben werden 1). Die Kirche sollte um 10 Meter länger und 1 Meter schmäler werden als der alte Bau und wurde 1904 mit dem Baue begonnen und der Gottesdienst während des Baues in der Pfarrhofscheuer abgehalten.

1904, 24. Juli, Weihe eines schönen Bildes Maria Himmelfahrt, das der Werkführer Joseph Stoidl von Peigarten zur Erlangung seiner Gesundheit für diese Kirche gespendet hatte. Beim Abbrechen der Kirche fand man in deren Mitte eine Steinplatte, unter welcher eine 3 Meter tiefe, 2 1/2 Meter weite, ausgemauerte Gruft sich befand. Auch vor dem Hochaltare wurde eine Gruft mit einem Sarge, wahrscheinlich von einem Priester herstammend, entdeckt. Ebenso kamen einige alte Medaillen und eine Münze von Kaiser Leopold I. (1694) zum Vorscheine. Der Grund zum Neubau wurde zwei Meter und beim Turme vier Meter tief gelegt. Bauleiter war der k. k. Baurat Richard Jordan in Wien und Bauunternehmer Anton Krejci.

1904, 18. September, Grundsteinlegung für die neue Kirche durch Dechant Leopold Gstettner. Der Stein stammt vom Oelberge in Jerusalem, wurde von Baurat Richard Jordan gespendet und samt einer Urkunde in einen steinernen Behälter eingeschlossen.

1905, 6. August. Weihe des Turmkreuzes durch den Ortspfarrer. Der Bau von Kirche und Turm war nahezu vollendet.

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Reihenfolge
der bekannten Pfarrer von Gastern 2).

Nr. Name Erscheint
von bis

1

Thomas, Vikar in Eggern vor 1544

2

Tuball Christoph, Vikar in Zwettlern 1590 -
3 Lauer Jakob, Vikar in Gastern 1642 1647
4 Schale Adam, Vikar in Gastern 1647 1650

______________

1) Kremserzeitung vom 12. Juli 1902.
2) Ueber die Pfarrer von Thaya, welche bis 1642 auch Gastern versah; vergleiche Geschichtliche Beilagen, VII., S. 297.

 

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Nr. Name Erscheint
von bis

5

Stuckh Ambros, Pfarrer in Dobersberg 1652 -

6

Eichlbrenner Gregor Augustin, Vikar 1663 1664
7 Gutfreund Johann Franz 1665 1680
8 Herz Johann Heinrich 1685 -
9 Walter Matthäus Adam 1686 1687
10 Werter Klaudius 1687 1688
11 Hofer von Hof Johann Kaspar 1689 1696
12 Piemont Johann Adam 1696 1700
13 Velikaina Urban 1700 1703
14 Dieth Euthelius Friedrich 1704 1715
15 Schwarz Anton Andreas 1715 -
16 Neunteufel Franz 1715 1729
17 Remp Johann Ignaz 1729 1740
18 Braun Joseph 1740 1745
19 Maconigg Anton 1745 1746
20 Hofmann Anton Franz 1746 1749
21 Mayr Johann Leopold 1749 1776
22 Lampl Anton 1776 1780
23 Göschl Lorenz, seit 1784 erster Pfarrer 1780 1806
24 Mechtler Johann Georg 1806 1824
25 Kreuz Johann 1827 1837
26 Grübel Johann 1837 1858
27 Stundner Joseph 1858 1872
28 Schönbauer Pius 1873 1887
29 Herzberger Ludwig 1887 1895
30 Matula Johann 1895 -
 

Kooperatoren und Provisoren.

Nr. Name Erscheint
von bis

1

Saule Martin, Pfarrer in Pfaffenschlag 1700 -

2

Joseph Anton 1745 -
3 Lampl Anton 1774 1776
4 Mechtler Johann Georg, Provisor 1806 -
5 Pappenscheller Joseph 1851 1856
6 Nurscher Franz 1856 1858
7 Pruckner Anton, Provisor 1858 -
8 Büschinger Gallus 1858 1861
9 Welich Kaspar 1861 1862
10 Drabek Johann 1862 1864
11 Nöster Johann 1864 1871

 

 

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Nr. Name Erscheint
von bis

12

Müller Johann 1871 1872

13

Kohlgruber Franz, auch Provisor 1872 1874
14 Rauscher Karl 1874 1876
15 Müllner Johann 1876 1878
16 Glanz Joseph 1885 1886
17 Kraus Joseph 1886 1887
18 Kurzreiter Johann, Provisor 1887 -
19 Huber Alois 1890 1891
20 Hahn Leopold 1891 1892
21 Sielipp Leopold, auch Provisor 1892 1896
22 Widhalm Florian 1896 1899
23 Binder Joseph 1899 1901
24 Kroissmayr Ferdinand 1901 1902
25 Brunbauer Ferdinand 1902 1904
26 Schön Johann 1904 -

II. Eingepfarrte Ortschaften.

Das Pfarrgebiet von Gastern, ein welliges Hügelland mit kleinen Bachgräben, erstreckt sich über folgende Ortsgemeinden:

  1. von der Gemeinde Klein Göpfritz das Gebiet von Frühwärts mit etwa 4 Quadratkilometer Fläche, 60 Häusern und 351 Bewohnern;
  2. die Gemeinde Gastern mit den Dörfern Gastern, Garolden, Immenschlag, Wiesmahden und Klein-Zwettl, enthält 14.41 Quadratkilometer, 178 Häuser und 1064 Bewohner;
  3. die Gemeinde Klein-Motten mit diesem Dorfe, Ruders und Weissenbach, zählt 8.43 Quadratkilometer, 126 Häuser und 812 Bewohner.

Die gesamte Pfarre umfasst also fast 27 Quadratkilometer, 364 Häuser und 2227 Einwohner.

1. Gastern

Dieses Dorf liegt um die Pfarrkirche in einer, flachen Talmulde und geniesst freien Ausblick in die Umgegend. Es pflegt ziemlichen Obstbau und hat ein eigenes Postamt. Seit einigen Jahren führen gute Bezirksstrassen gegen Eggern, Kautzen, Dobersberg und Waidhofen. Dazu gehören die Holz- und die Schandelmühle. Das Dorf zählte 1642 bereits 30 Häuser, 1795 nur um 2 Häuser mehr, ist aber seither um etwa 14 Häuser vergrössert worden 1).
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1) Topographie, von Niederösterreich, III., S. 330.

 

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Hier besteht eine dreiklassige Volksschule. Im Jahre 1644 wurde bereits ein Lehrer von den Gemeinden besoldet, bald aber die Schule aufgelassen, weil im Stiftbriefe der Pfarre dafür nicht gesorgt worden war, die Gemeinde ohnedies den Pfarrer erhalten musste und die Herrschaften auf einen Beitrag sich nicht einliessen. So blieb unglaublicher Weise die Pfarre Gastern durch etwa 130 Jahre ohne Schullehrer und Messner, worüber sich die Pfarrer mehrmals beklagten. .Auch das 1688 vom Konsistorium an den Abt von Garsten gerichtete Schreiben in dieser Sache hatte keinen Erfolg, weil die verschiedenen Herrschaften sich nicht einigen konnten. Nach Errichtung der selbstständigen Pfarre 1784 wurde auch der Schulbau begonnen und 1788 vollendet. 1824 erhielt die Schule ein Stockwerk. 1865 übergab der Pfarrer das Schulpatronat der Gemeinde 1). Der seit 1832 hier tätige Lehrer Johann Quereser bezog 1869 als Lehrer 362 fl. 80 kr., als Messner 225 fl. 90 kr., von der Gemeinde 42 fl. und hatte 254 Wochen- und 96 Sonntagsschüler aus neun Ortschaften zu unterrichten 2).

2. Frühwärts

mit der Ziegelhütte in der Stockackerried liegt an einem Bächlein.

Es gilt als eine sehr alte Ansiedlung, die von einem Friedbert oder Friedbrecht benannt ist und bereits unter den 1112 zum Stifte St. Georgen gebieten Zehenten als Frubrechtz genannt wird 3). Zum Amte Thaya erscheint es als Fridbrechtz, Friedbretz und Friberkch noch bis 1353 und gab von sechs Bauernhäusern den Zehent zum Stifte Herzogenburg, verödete aber später vollständig und blieb also bei 500 Jahre 4).

1560 und 1574 finden wir in Frywertz oder Fruewicz Ueberländer, die zur Pfarre Thaya Zehente reichten 5).

1631 war Fridtbrechtss ein oedts Dorff des Gutes Thaya 6)

Erst 1834 erstanden daselbst wieder die ersten Häuser, die1838 nach Gastern eingepfarrt wurden und 1840 auf 19 Nummern ungewachsen waren 7).

Die Betkapelle mit Glocke datiert von 1841 und die einklassige Filialschule von 1875.

1879 wurde ein Steinkreuz gegen Eggmanns aufgestellt, 1880 brannten sieben Häuser und 1892 und 1895 je ein Haus ab 8).

3. Garolden.

Liegt am Weissbach, der mit dem Schwarz- und Hammerschmiedbache vereinigt, dem Taxenbache zueilt.

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1) 8) Pfarrarchiv
2) Heger, Lehrerschematismus
3) Archiv für österreichische Geschichte IX., S. 249.
4) Stiftsarchiv Herzogenburg.
5) Pfarrgeschichte.
6) Schlossarchiv Ottenstein, Nr. 1471.
7) Pfarrarchiv; Topographie von Niederösterreich, III., S. 229.

 

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Das Dorf besitzt eine ältere, gemauerte Betkapelle, mit Turm und gehörte ehemals zu dem mit Dobersberg vereinigten Schellinghofe. Der Name soll vom keltischen Worte garald = Halde oder Abhang gekommen sein, könnte jedoch auch vom Personennamen Gerold abgeleitet werden. Die Sage bezeichnet den Ort als einen ehemaligen Markt. Schon 1122 erhielt das Stift St. Georgen in Gorolten Zehentrechte, welche den ganzen Zehen von sieben Lehen umfasste und 1348 an Heinrich Truglinger verpachtet waren 1). 1369 erscheint ein Garoten neben Gestnern auch zur Herrschaft Thaya dienstbar 2).

1445, 30. Juli, bewilligte Kaiser Friedrich IV. dem Georg von Puchheim, dass er seiner Hausfrau Elsbet von Neuhaus mit ihrer Heimsteuer auf die österreichischen Lehen Markt Dobratsperg und die Dörfer Erkchengers, Teuffenpach, Trugleins, Rugers (Riegers), Presberg (Plessberg), Gorolten, Hohenaich (Hohenau) und Sletor verweisen dürfe 3).

Um 1584 besass Siegmund von Puchheim auf Dobersberg in Garoldten 26 Holden 4).

1783 kam das Dorf, welches 1795 bereits 37 Häuser zählte, zur Pfarre Gastern 5).

1878 wurde ein Steinkreuz gegen Gastern und 1892 solche gegen Frühwärts und Klein Gerharts errichtet.

4. Immenschlag.

Liegt in einer kleinen Talsenkung. Es soll seinen Namen von den Bienen oder Immen haben, deren Kultur einst hier sowie in Reinhöfen eifrig betrieben worden sein mag 6).

Um 1112 kamen in Yemslag Zehente an das Stift St. Georgen, die 1351 der Ritter Johann Weizzenpach pachtete 7). Das Dorf wurde durch einen Herrn von Kuenring-Seefeld an das Stift Pernegg gegeben 8).

1369 erscheint Ymmeslag unter den Besitzungen der Herrschaft Thaya 9).

Pernegg besass 1521 in Imenslag 16 Holden, Dienste vom Gemeindewalde und die Jagd 10).

1574 wird es Innerschlag genannt, 1628 gar Himelschlag, ein Beweis, mit welcher Willkür oft Eigennamen umgeändert wurden.

1597 erhoben sich die Bauern von Immenschlag gegen den Propst von Pernegg. Sie klagten wegen der Beisteuer von 3 fl. zu Raab, die man nun jährlich voll ihnen einfordere 11).

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1) 7) Archiv für österreichische Geschichte, IX., S. 250 und 258; IX., S. 248 und 254. 
2) 9) Notizenblatt, 1853, S. 263; 1853, S. 262.
3) Lichnowsky, Geschichte, des Hauses Habsburg, VI., Reg. Nr. 1048.
4) Schlossarchiv Ottenstein.
5) Topographie von Niederösterreich, III., S. 310.
6) 10) Blätter für Landeskunde, 1872, S. 131; 1899, S. 176, 186 und 205.
8) Stiftsarchiv in Geras.
11) Linck, Annal. Zwetl., II., S. 513 und Blätter für Landeskunde, 1897, S. 78.

 

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1643 brannten 3 Häuser ab; 1646 zahlte das Dorf Schanzgeld an die Herrschaft Pernegg 1). 1688 hatte es 15 Häuser 2).

1692, 14. April, vertauschte Propst Franz und der Konvent zu Pernegg dieses Dorf an Leopold Joseph Reichsgrafen von Lamberg zu Waidhofen und Drosendorf gegen 16 zur Herrschaft Drosendorf gehörige Untertanen im Markte Pernegg 3).

1740 lag ein Teil des Regimentes Wolfenbüttel hier, 1751 zahlten 15 Häuser 15 kr. für rückständige Sperlingsköpfe zur Herrschaft Waidhofen, 1758 wurden Proviantwägen nach Krems und Wien gestellt 4).

1884 brannte durch nächtlichen Blitzschlag ein Haus ab.

5. Klein-Motten mit der öden St. Pankrazkapelle.

Liegt in einer Talfurche am Reinberge. Im Gebiete des Dorfes bestehen zwei kleine herrschaftliche Teiche.

Dieses Dorf ist von einem Otto benannt und hiess ehemals Otten. Schon seit 1112 besass das Stift St. Georgen im Dorfe Otten Zehenrechte, die sich später auf 3 Lehen und 3 Hofstätten erstreckten 5). Sonst gehörte Otten unter die Herrschaft Illmau, mit welcher es 1671 an Dobersberg kam.

Schon 1468 wurde mit dem Schlosse Ylmaw auch Kautzen, zum Otten, Gerhartleins und Engelprechts von Hartneid von Puchheim dem Andre Gockendorfer verkauft 6).

Um 1584 besassen die Brüder Paris, Hannibal und Hektor von Sonderndorf auf Illmau zu Motten 17 Untertanen 7).

1630 scheint Otten als lutherischer Ort 8).

1642 bestand Motten aus 8 Häuser; früher soll es bei 20 Häuser gezählt haben, die in den Kriegen bis auf 6 verödeten. Graf Ferdinand Ernst von Herberstein siedelte auch diese Untertanen, die sich über das fast alljährliche Erfrieren des Getreides beklagten, in anderen Orten an und errichtete statt des ganz verödeten Dorfes einen herrschaftlichen Schäferhof, worüber sich der Vikar von Gastern 1688 beklagte 9). Dieser Hof bestand auch 1704, wurde später in, zwei und dann in mehrere Bauernhäuser aufgelöst, die 1784 und noch zu Anfang des folgenden Jahrhundertes Mottenhöfe genannt wurden 10).

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1) 4) Gemeindelade.
2) 9) Konsistorialarchiv St. Pölten.
3) Schlossarchiv Waidhofen.
5) Archiv für österreichische Geschichte, IX., S. 248.
6) Reichsfinanzarchiv -in Wien, niederösterteichische Herrschaftsakten, 1/10 Abschrift.
7) Schlossarchiv Ottenstein.
8) Geschichtliche Beilagen, I., S. 205.
10) Pfarrarchiv Gastern.

 

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Auf einer freie Anhöhe neben dem Dorfe (595 Meter) stand ehemals die alte Filialkirche zum heiligen Pankraz, die fast spurlos verschwunden ist 1). Wann dieselbe erbaut wurde, ist nicht bekannt. Eine jetzt in Gastern befindliche Glocke derselben trägt die Jahreszahl 1519. Die Kirche St. Pankraz, nach welcher manchmal auch das Dorf "St. Pankraz" genannt wurde (so in der Karte des Erzherzogtumes Oesterreich von L. Schmidt, 1807), war eine von den fünf Kirchen des Vikariates Gastern und ein besuchter Wallfahrtsort, in welchem besonders am Ostersonntage nachmittags unter Zuströmmen zahlreicher Prozessionen eine "Ostermärchenpredigt" gehalten wurde 2). Schon 1628 kamen zu dieser Feier auch Prozessionen von Gastern, Zwettl und Weissenbach. 1641 oder 1645 wurde die Kirche von Soldaten verwüstet und 1642 bestimmt, dass hier Gottesdienst am Patroziniumstage und Predigt am Ostertage nachmittags gehalten werden solle 3).

1672 hatte laut Dekanatsvisitationsbericht die Kapelle zum heiligen Pankraz ausser dem Dorfe Motten in der Pfarre Gastern zwei Altäre und Paramente und wurde darin am Feste des heiligen Pankraz und des heiligen Blasius Gottesdienst gehalten. Stiftungen bestanden nicht.

1693 war Gottesdienst zur Kirchweihe und am Ostermontage fand wurde nun an beiden Tagen nachmittags eine Predigt mit Vesper gehalten, wozu die Paramente von Gastern ausgeliehen wurden. Die Kirche war bei mittlerem Baue. Die gleiche Gottesdienstordnung bestand 1708, wo der Gottesdienst am Sonntag nach St. Pankraz und Ostermontag gefeiert wurde.

1733 hatte die Kapelle bei 800 fl., welche von Leopold von Herberstein auf Illmau zurückbehalten wurden.

1765 war die Kirche in jüngster Zeit renoviert worden und fand der Gottesdienst am Feste des heiligen Pankraz und Ostersonntage in Gegenwart vieler Menschen statt, weshalb von diesem Jahre an wieder eine heilige Messe und zu Ostern nachmittags die Oster-Mährl-Predigt gehalten wurde. Das Vermögen der Kapelle in der Verwaltung des Herberstein'schen Gutes Illmau wurde auf l500 fl. geschätzt 4).

Die Kirche soll durch Spenden der Wallfahrer ein Vermögen von 6000 fl. in Silbermünzen gesammelt haben, das die Herrschaft Dobersberg verwaltete. Sie besass einen silbernen Kelch, wurde aber 1785 gesperrt und ihr Vermögen von der Herrschaft zur Dotierung eines Lokalkaplanes in Reibers verwendet. Die Glocke von 1519 kam angeblich nach Gastern, eine andere von 1682 nach Kautzen und das Gebäude geriet um 1810 nach und nach in Verfall 5).

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1) Vergleiche Blätter Vereines für Landeskunde, 1901, S. 309--310.
2) 5) Pfarrarchiv Gastern.
3) Konsistorialarchive in Wien und St. Pölten.
4) Visitationsberichte im Dekanatsarchive Raabs von den betreffenden Jahren, S. 43, 72, 18, 52 und 82.

 

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Im Dorfe Motten wurde 1872 ein steinernes Kreuz errichtet, 1882 brannten sechs Häuser ab, 1891 erfolgte die Erbauung einer Kapelle mit Gebetsglocke, 1893 die Anschaffung einer zweiten Glocke und 1895 die Errichtung einer Schule, als Expositur von Ruders.

Zu Motten gehören auch einige zerstreute Häuser am Reinberge, nämlich die Rotten in Grünau, wo man 1858 eine Betkapelle erbaute, in der Alm (Alpe) und in der Steinwand.

6. Ruders.

Liegt in einer Einsenkung am Fusse des Reinberges. Es ist benannt nach einem Rudolf erscheint im Verzeichnisse der 1112 zum Stifte St. Georgen gewidmeten Zehentholden als Ruedolffs mit fünf Lehen und zwei Hofstätten 1). Sonst gehörte das Dorf zur Herrschaft Weissenbach und gab den Zweidrittelzehent zum Benefizium in Weissenbach, das 1521 die Herrschaft an sich zog.

Um 1584 hatte Wenzel Peuger von Weissenbach in Rudess 11 Holden 2).

Im dreissigjährigen Kriege verödeten einige Häuser, deren Gründe zu einem neuerrichteten herrschaftlichen Meierhofe gezogen wurden. 1688 zählte Ruediss sieben Häuser; auch der Meierhof wurde später wieder in mehrere Häuser zerteilt. Die Kapelle scheint um 1799 erbaut worden zu sein, da ihre Glocke am 25. Juli dieses Jahres vom Bischof in Budweis geweiht wurde. Die Volksschule entstand um 1878 3).

Im Gebiete von Ruders liegen der Stock- und Feldteich und die Häusergruppe von Harmes. Diese Ansiedlung, von einem Hadmar benannt, erscheint unter den seit 1112 nach Stift St. Georgen zehentpflichtigen Güterm als Hadmars in Reinperig 4); es verödete jedoch später und kamen die Gründe als Ueberländer zu Ruders. Erst im 18. Jahrhunderte wurden auch dort wieder Häuser gebaut 5).

7. Weissenbach mit Filialkirche und Schloss.

Dieses Dorf liegt in der Ebene am Fusse des als Reinberg bezeichneten Höhenrückens und wird vom Altbach durchflossen; zum Unterschiede von einigen gleichnamigen Orten wird es Weissenbach am Reinberge oder am Heidenreichsteinerwalde genannt.

Seit 1112 gaben in Weyssenpach einige Häuser Zehente zum Stifte St. Georgen, nämlich vier Höfe und sechs Hofstätten 6). Sonst gehörte das Dorf zur Herrschaft Weissenbach und kam mit derselben an Heidenreichstein. 1619 wurden zu "Weisbach bey Ilmau", 18 Dampierische Freibeuter von den erbitterten Landbewohnern, die

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1) 4) 6) Archiv für österreichische Geschichte, IX., S. 248.
2) Schlossarchiv Ottenstein.
3) 5) Pfarrarchiv.

 

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sie ärger, als die Feinde bedrängten, erschlagen 1). 1642 hatten Weissenbach und Ruders zusammen nur 29 Häuser; 1688 waren von den hier bestehenden 18 Häusern noch 6 öde; erst nach Auflösung des herrschaftlichen Schlosses und Meierhofes wurden neue Wirtschafts- und Kleinhäuser gebaut. In älteren Zeilen hatte auch ein Brauhaus mit Hopfengarten bestanden. Die Volksschule besteht seit 1892. Einige Bedeutung erlangte dieses Dorf durch seine Filialkirche und sein nun verödetes Schloss.

a) Filialkirche zum heiligen Andreas.

In der Mitte des Dorfes liegt auf ebenen Platze, dem ehemaligen Friedhofe, die altertümliche Kirche, ein grauer Steinbau aus Quadern ohne Strebepfeiler und mit hölzernem Türmchen. Die spitzbogigen Fenster enthalten jetzt vermauertes Fischblasenmasswerk und in denselben ist ein steinerner horizontaler Sturz angebracht, der den Spitzbogen vom unteren Teile des Fensters abtrennt. Das Presbyterium ist niedriger, als das Schiff. Letzteres zeigt im Innern zweiteilige Anlage mit zwei achteckigen Pfeilern in der Mitte. Die schönen Netzgewölbe im Presbyterium ruhen auf runden Halbsäulen, im Schiffe auf stärkeren achteckigen halben Wandpfeilern. Die drei Altäre weisen das Wappen der Truckmüller von Müllbürg auf. Der Hochaltar enthält eine Statue des heiligen Bartholomäus 2), der rechte Seitenaltar weist ein Gemälde des heiligen Antonius von Padua und folgende Inschrift auf: Ex voto et in honorem S. Antonii de Padva. 1687 posv. An den Ecken sieht man zwei Wappen, darunter das Truckmüller'sche und zwei Monogramme. Hier befinden sich auch eine Marienstatue und zwei alte, in Kupfer getriebene Bilder, den leidenden Heiland und die Schmerzensmutter darstellend. Der linke Seitenaltar enthält den Schrein eines alten Flügelaltares, der geöffnet 11 Dezimeter hoch und 14 Dezimeter breit ist und trotz der feuchten Wand noch guterhaltene schöne Gemälde aufweist. Aussen sind der heilige Karl Borromäus und Franz Seraphikus abgebildet. Die Innenseiten der Flügel zeigen den heiligen Matthäus mit Hellebarde, Evangelium und weisser Mütze und die heilige Elisabeth, welche mit Brot auf einem Teller und Becher einen knieenden Bettler labt. Der Schrein selbst stellt die Krönung Mariens durch Gott Vater und Sohn dar, während der heilige Geist als Taube auf Goldgrund über ihrem Haupte schwebt. Unten sind die Wappen des Sigmund Truckmüller und seiner Gemahlin, geborene Haunoldin, zu sehen, die um 1659 auf diesem viel älteren Altare angebracht wurden; ebenso ein nicht entziffertes Monogramm. Das Truckmüller'sche Wappen weicht hier stets etwas von dem bei

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1) Baupach, Evangelisches Oesterreich, III., s. 393.
2) Ein Bericht von 1615 führt die beiden Apostel Andreas und Bartholomäus als Patrone der Kirche an, ein Schriftstück von 1771 nennt nur den heiligen Andreas; auch heute gilt Andreas allein als Schutzherr. (Konsistorialarchiv in Wien).

 

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Wissgrill, Schauplatz, II., S. 294, beschriebenen ab 1). Auch befinden sich in der Kirche drei hölzerne Grabtafeln, von denen eine bereits unkenntlich geworden ist und die zweite die Grablegung Christi und folgende Inschrift enthält: Allhie ligt Begraben der Wohledle Gestrenge Herr Sigmund Trukhenmiller von Müllpurgk zu Weissenbach auf Schöndachen, Röm. Kay. Mai, Hoff Kellermaister vndt Perkhoff Verwalter zu Gumpoltskirchen sambt mit seiner Ehegemaehllinn, geborne Haunoldin, erzaigten zwei Söhnen vndt drei Töchtern, welcher den 9. Januari 1653 seines Alters 55 Jahr in Gott Sellig entschlaffen, dem Gott genedig sein wolle. Amen. 1659. Non mervi, vt norerer, sed gvia vixi, debvi. In den beiden Ecken finden sich die gleichen Wappen, wie am Flügelaltare. Die dritte Tafel stellt eine von Engelsköpfen umgebene, in den Wolken schwebende Mutter mit zwei Kindlein im Schosse dar, unterhalb zwei eingefäschte Kinder und ein knieendes Mädchen und zwei Knaben. Diese Darstellung repräsentiert die obengenannten fünf Kinder des Sigmund Truckenmüller und ihre Mutter. Inschrift: Ex Sinu Domini Sigismundi Truckmiller de Millburgo, Domini in Weissenbach, patris sui dilectissimi, pie decesserunt Filioli duo Georgius Andres et Jonas Christianus una cum sorroribus nomine Juliana Rosina, Isabella Mariana et Anna Sophia, quibus Ter Maximus ... (unleserlich) 1653. - Die niedrige Kanzel ist gemauert; die Orgel mit vier Registern wurde vom Herrschaftsbesitzer in Dobersberg als Patron 1843 von der Pfarrkirche Brand bei Heidenreichstein angekauft, der Friedhof um die Kirche 1787 aufgelassen und die Leichen von da an in Gastern beerdigt. Auf dem Turme befinden sich zwei Glocken, gegossen von Adalbert Perner in Budweis 1832 und David Wesnitzer in Wien 1636 2). Sonst ist noch ein Kelch mit silbernem Oberteile und eine Monstranze, aber kein Vermögen vorhanden.

Diese Kirche ist eine von den fünf Vikariatskirchen und wird in derselben noch heute jeden dritten Sonntag Gottesdienst gehalten. In den ältesten Zeiten scheint sie sogar den Vorrang behauptet zu haben, da sie am Sitze einer Herrschaft lag und mit Zehenten zu Weissenbach und Ruders bestiftet war, auch zeitweilig einen Benefiziaten besass. Diese Stiftung wurde dann dem Pfarrer in Thaya für Verrichtung des Gottesdienstes überlassen und 1521 von der Herrschaft Weissenbach eingezogen. 1544 war diese Kirche noch mit pfarrlichen Rechten versehen, hatte jährlich dreimal Gottesdienst und ausser einem Dienste von 7 ¡ kein Vermögen. Von 1611 bis 1616 hielt der Gutsbesitzer auf der "Pfarre Weissenbach" einen lutherischen Prediger.

Um 1628 und ebenso 1642 wurde bestimmt, dass in Weissenbach jeder dritte Pfarrgottesdienst gehalten werde, auch öfters an Marienfesttagen, weil die Kirche zu Ehren Mariens gestiftet sei.

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1) Vergleiche Monatsblatt des Altertumsvereines, 1895, S. 172. Mitteilungen des Altertumsvereines, 1891, S. 180, mit Abbildung des Fenstermasswerkes und Grundriss. Mitteilungen der Zentralkommission für Kunst und historische Denkmale, XXVII., S. 105.
2) Vergleiche Monatsblatt, 1895, S. 172 und 173; Fahrngruber, Hosanna, S. 55.

 

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1672 erscheint im Dekanatsvisitationsbericht die Pfarre Weissenbach, präsentiert Johann Christoph Zoller, Pfarrer in Thaya, Provisor Franz Bonamikus (in Gastern). Die Kirche zu Ehren der heiligen Apostel Bartholomäus und Andreas war Filiale von Gastern, bei gutem Bau, kein Taufwasser und kein Allerheiligstes, ein Altar, ein silberner Kelch, eine silberne Monstranze, welche die Herrschaft gekauft hatte und verwahrte, ein neuer Baldachin, zwei Glocken und Paramente. Gottesdienst an jedem dritten Sonntage, Matriken in Gastern. Kein Kirchenbesitz und keine Stiftung. Sammelgeld jährlich 5 fl. Der Provisor erhielt von 17 Häusern je 1 fl. und 4 h Weingeld. Von einem Pfarrhofe war nichts bekannt. Aehnlich lautet der Bericht von 1693, wo Weissenbach als Filiale auf Gastern bezeichnet wird.

1708 war hier ausser dem Gottesdienste an jedem dritten Sonntage noch viermal im Jahre Kirchweihe zum Nutzen der herrschaftlichen Taverne und bestand ein eigener Friedhof. Ebenso 1733.

1765 war die Kirche klein, dürftig, besonders in den Paramenten, hatte drei Altäre und wollte man von der Filiale keinen Beitrag zu den gemeinsamen Pfarrauslagen (für heilige Oele, Direktorium u. a.) geben, weshalb der Pfarrer einigemale den gebräuchlichen Gottesdienst verweigerte 1).

Im Jahre 1689 sagt Dominik Rudolf Truckenmiller, er habe die Kirche neu eindecken, renovieren, pflastern und mit neuem Altare, Kirchenfahnen, Stülen und Messkleidern versehen lassen und wolle auch eine neue Sakristei und Friedhofmauer herstellen 2).

Zur Erneuerung des schadhaften Kirchendaches und Glockenstules wurden 1901 Sammlungen eingeleitet und die Kirche 1. Mai 1904 nach Vollendung der Renovation von Dechant Gstettner geweiht.

b) Schloss und ehemalige Herrschaft.

Dieses Schloss stand einst auf einer kleinen Anhöhe am oberen Ende des Dorfes. Heute sind davon nur mehr zwei Trakte vorhanden, die von zwei Bauerafamilien bewohnt sind, während der dritte Trakt als Scheuer dient, ein Teil eingefallen ist und in Schutt und Trümmern liegt.

Nach der Abbildung in Vischer's Topographie von 1672 war dieses Schloss einst eine stattliche Veste. Die Fronte sah gegen Abend, die zwei Flügel nach Süden und Norden. In der Mitte des Schlosses erhob sich ein hoher spitzer Turm, aussen lief eine feste Mauer mit Schießscharten herum, unter dem Schlossfelsen befand sich ein Teich und der Meierhof.

Zur ehemaligen Herrschaft gehörten die Gemeinden Weissenbach, Ruders, später auch Steinbach, Pertholz, Langegg und Untertanen
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1) Visitationsberichte im Dekanatsarchive Raabs, von den betreffenden Jahren, S. 44, 73, 18, 52 und 31.
2) Konsistorialarchiv in Wien und St. Pölten. Klosterratsarchiv.

 

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zu Triglas mit 106 Bauern-, 35 Kleinhäusern und 65 Ueberländergrundholden. Das Landgericht wurde jedoch über die beiden ersten Dörfer von Dobersberg, übger die andern von Heidenreichstein ausgeübt. Dazu gehörten auch 12 Teiche mit 76 Joch Fläche, Waldungen, Gründe, Jagd und Giebigkeiten. Diese Herrschaft wurde seit 1787 von Heidenreichstein aus verwaltet, jedoch nicht mit derselben Herrschaft vereinigt, weil Heidenreichstein ein Fideikommiss, Weissenbach aber freier Besitz ist.

Die Herrschaft Weissenbach lag ursprünglich im Gebiete der Grafschaft Raabs, von welcher das hiesige Landgericht an Dobersberg überging. Frühzeitig scheint hier ein ritterliches Geschlecht ansässig gewesen zu sein, das sich nach diesem Sitze benannte.

1142 tritt Hetel von Wizenbach als Zeuge des Markgrafen Ottokar VII. von Steier auf, als derselbe dem Kloster Garsten einen Wald in der Riedmarch schenkte; ebenso als Zeuge des Königs Konrad III., da er dem nämlichen Kloster 40 Untertanen in derselben March übergab 1),. Schon von Weiskern 2) wird er hieher bezogen und wahrscheinlich nicht mit Unrecht, weil Garsten auch bei Weissenbaeb begütert war und der Name Hertel in diesem Geschlechte auch später vorkommt.

Zwischen 1151 und 1161 bezeugte Hetel von Wizenbach die Uebergabe das Pfarrzehentes von Gaflenz an das Kloster Garsten durch Bischof Konrad von Passati 3).

1178 bezeugte Pilgerim von Wisenbach die Bestätigung der Güter des Stiftes Gleink durch Bischof Otto II. von Bamberg 4).

Nun lassen uns unsere Quellen bei diesem Geschlechte durch 170 Jahre vollständig im Stiche.

1344 kaufte Alber von Puchheim die Dörfer Gottfriedschlag und Weissenbach und einen Teil des Losberger Waldes 5).

1345, St. Michaelstag (29. September), beurkunden Weickhart der Weissenbeckh und Peter der Tressidler, sie hätten das Haus (Schloss) Karlstein von Fridtlein von Karlstein gekauft und dazu auch einen Drittelzehent in Anspruch genommen. Nachdem aber die Umsassen ausgesagt hätten, dass derselbe Zehent nicht zu Karlstein gehöre, verzichten sie darauf zu Gunsten des Ortolf von Toppel, Chorherrn zu Passau und Pfarrers zu Ragcs (Baabs). Siegler die beiden Aussteller und Heinrich von Meysam (?) 6).

1351 pachtete Johann Weizzenpach, Ritter, den Zehent in Ymmenslag.

1352 pachtete Hartlin von Weizzenpach den Zehent des ganzen Dorfes Gastern 7).

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1) Kurz, Beiträge, II; Hoheneck, II, Vorbericht, S. 4 und 5.
2) Topographie, II., S. 282,
3) 4) Kurz, Beiträge, II.; III., S. 318,
5) Adler, 1887, S. 139.
6) Nach einer Abschrift des Schlossarchives Raabs in Seelhammer's Urkundenbuch der Pfarre Raabs von 1830, S. 1 bis 2, Manuskript im Pfarrarchive Raabs. 
7) Stiftsarchiv Herzogenburg.

 

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1363, 21. Oktober, wurden die Brüder Gottfried und Niklas die Weyzzenbekh durch Stephan von Maissau mit dem halben Hause zu Sigharcz belehnt 1).

1366 verkaufte Hertel der Weizenpech von Weizzenpach Georg dem Gefeller eine Gülte von einem Lehen zu Vlrichslag (bei Waidhofen) auf dem obern Lenspach 2).

1369 bekannten Hans der Hauser zu Ilmau und Hertel der Weissenpeeli, dass sie Daviden dem Juden zu Eggenburg 164 Pfund Pfennige schuldig seien, wofür ihn ersterer mit des Lehensherrn Albero von Puchaim Hand die halbe Feste Ilmau mit Zugehör zu Dorf und zu Feld verpfändete 3).

1369 sendete Ulrich Weissenbekh die Grammetwiese bei Waidhofen dem Herzoge Albrecht III. auf, der sie am 24. August dem dortigen Bürger Friedrich Fuchs und seinen Erben zur Stiftung eines Jahrtages in der Pfarrkirche zu Waidhofen verlieh 4).

1375 sendeten Niklas der Weyzzenbekh und sein Vetter Bernhard dem Herzoge Albrecht III. ein Holz am Georgenberge 5) "auf dem Etzels" auf und verkauften es Pillung dem Aelteren von St. Gilgenberg 6).

1376, 7. April, übergab Härtel der Weyzzenpekch, seine Frau Anna und sein Sohn Wolfgang mit Zustimmung des Lehensherrn Neiz von Kuenring, Herrn zu Seefeld, seinem Eidam Friedrich dem Löchler zur Morgengabe seiner eigenen Tochter Margret den Hof zu Teuffenpach in Pölinger Pfarre 7).

1376, Montag vor Gottsleichnamstag (9. Juni), verkaufte Wolfger der Streun von Schwarzenau 6 Pfunde weniger 1/2 Helbling Gülte zu Taurass im Pölinger Gerichte 8) um 90 Pfunde dem Hertlein dem Weissenpecken. Dieser verkaufte dieselbe um die gleiche Summe am Montag vor Pfingsten (11. Mai) 1377 dem Herrn Stephan von Gotlach 9).

1376, St. Luzientag (13. Dezember). Hertel der Weyzzenpekch schenkte dem Stifte Altenburg 76 Pfennige Gülten und Zehente zu Ulrichschlag 10).

1380 verkaufte Hertel der Weyssenbeck sein Schloss Weissenbach dem Albero III. von Puchheim zu Litschau und Heidenreichstein und quittierte den empfangenen Kaufschilling 11).

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1) 3) Gregor Gruber, Urkundensammlung bei den P. P. Piaristen der Josephstadt in Wien.
2) Font. rer. austr., XXI., S. 252.
4) Stadtarchiv Waidhofen an der Thaya; Grübel's Manuskript.
5) Georgenberg bei Scheideldorf oder wahrscheinlicher St. Georgen bei Grossau.
Blätter für Landeskunde, 1900. S. 477.
6) Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg, II., Reg. Nr. 1210.
7) Tiefenbach bei Altpölla. Landesarchiv in Wien, Nr. 4519.
8) Thaures bei Franzen.
9) Landesarchiv in Wien, Nr. 918 und 944.
10) Stiftsarchiv AItenburg; Burger, Altenburg, S. 47.
11) Oberösterreichisches Landesarchiv in Linz, Puchheimiana Mspt., tit. 15.

 

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1380 verpflichtete sich Hertel der Weissenböck zu einen jährlichen Dienst von 50 Pfund Pfennigen wegen eines Lehengutes, das er von Albero von Puchheim überkommen hatte 1). Sollte er vielleicht Weissenbach nach dem Verkaufe als Afterlehen gegen diesen Dienst genossen haben?

Um 1380 belehnte Herzog Albrecht III. von Oesterreich den Hertel den Weissenpekch mit der Feste Newndorff (Nondorf an der Wild) und Gülten daselbst, einem Hofe zu Wolfharcz und Gülten im Waidhofner Gerichte 2).

Um 1380 erhielt vom selben Herzoge Paul der Wisenpekch die Belohnung mit Zehenten zu dem Göczleins und dem öden Hofe Rotter im Waidhofner Landgerichte, auch Gülten im Meyrenser Gerichte 3).

1381, St. Pankrazentag (12. Mai). Erhart von Alacht und seine Frau Agnes verkauften die lehenbare Halbmühle, die ihnen Albrecht von Oesterreich zu Lehen gegeben hatte, mit seiner Zustimmung dem Inprucker und seinen Erben um 8 Pfund Pfennige. Erhart von Alacht soll auf Weissenbach oder Schandachen gesessen sein 4).

1383 wird noch ein Wolfgang und Johann der Weissenpechk gelesen 5).

Vor 1384 gab Albero der Aeltere von Puchheim dem Simon Teindorffer zu Lehen die Feste Weissenpach und das Dorf dabei auch das Dorf Rudolffs, ausgenommen des Eysenreicher Hof, und Gülten auf dem Kukans und auf dein Hadmars 6).

Wie lange die Puchheim im Besitze von Weissenbach verblieben und wem sie es zu Lehen gaben, ist nicht bekannt, da die Quellen für die folgende Periode ganz versiegen.

1521, am Montag nach St. Martin (17. November), erschien auf dem Landtage in Wien als Besitzer von Weissenbach Jakob Peuger von Puige auf der Ritterbank 7). Er zog das Benefizium der Kirche in Weissenbach an die Herrschaft und scheint kinderlos gestorben zu sein (nach 1535).

Weissenbach und Reitzenschlag gingen darauf an die Söhne seines Bruders, namens Hans, Niklas, Christoph und Georg mit dem Rechte der Vererbung auf Töchter über. Um 1540 wurden sie belohnt mit diesen beiden Gütern und der Spinpelwehr auf dem Geughatsch in dem Reinperkh, welche von dem Herrn von Puchheim an Kaiser Friedrich gefallen, und weiland Wazlawen Peuger übergeben worden war 8).
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1) Oberösterreichisches Landesarchiv in Linz, Index script. antiqu. fam. Puchem. f. 9. 
2) 3) 6) Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, Kodex, blau, Nr. 530, S. 35; Nr. 530, S. 39; blau, Nr. 359.
4) Reichsfinanzarchiv in Wien, Lit. W., Faszikel 6.
5) Font. rer. austr., XXI., S. 272.
7) Wissgrill's Manuskript im n.-ö. Landesarchive in Wien.
8) Reichsfinanzarchiv in Wien.

 

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1544 genoss Georg Peuger als Herr auf Weissenbach auch das eingezogene Benefizium 1).

Um 1558 folgte Wenzel Peuger der Jüngere. Derselbe gab am 20. April 1558 die Gülten an auf dem Gute und in dem Dorfe Weyssenpach und Ruedolffs von 36 Untertanen, 5 Teichen, Mohndienst zur Bereitung vom Oel- und Getreidezehent 2).

Er kaufte 1577 von Haus Grebl oder Greuel das Gut Schandachen, das nun längere Zeit bei Weissenbach verblieb und hatte 1578 Streitigkeiten mit Anna von Puchheim auf Heidenreichstein wegen der Grenzen am Reinberge, des Gehölzes Litschau 3) und einiger Wiesen im Litschauer Gebiete 4).

Um 1584 hatte Wenzeslaus Peuger auf seinem Gute Weissenbach folgende 41 Holden: zu Drigless 1, Weisenbach 14, Ruders 11, Schöndachen 5) 15 6).

1609, 11. September, bewilligten die Landstände die Umschreibung der Gülte des Gutes Weissenbach von der Witwe des Adam Abel Peuger, Frau Susanna Peuger als Gerhabin im Namen ihrer Tochter Benigna und ihrem Beistande Melchior Khrueger von Eysenreichs auf den Käufer Hans Wenzel Peuger 7).

1609 stand Johann Wenzel Peuger wegen dieses Gutes an der Gülte, nachdem er am 1. Mai 1608 die Feste Pyra 8) zu Gunsten des Raimund Strauben von Ober-Sebern auf Thiernthal und seiner Gemahlin Elisabeth, geborne Radlbrunner, aufgesandt hatte 9).

1611 stellte er hier einen lutherischen Prediger an und am 24. Jänner 1618 belangte ihn Wolf Adam Freiherr von Puchheim zu Heidenreichstein bei der Landesstelle wegen eines strittigen Gehölzes; er behaupte, dieses Holz gehöre seit Menschengedenken zu Weissenbach, führe trotz des 1612 aufgestellten Pönfalles von 600 Dukaten eigenmächtig Holz daraus weg und habe den aufgestellten Förster mit dem Tode bedroht. Der Kläger drohte, diese Streitigkeiten, wenn sie nicht bald beigelegt wenden, selbst mit der Klinge abtun zu wollen 10).

Um 1615 wurde die Kapelle zu Weissenbach vom Kriegsvolke verwüstet, damals oder 1619 auch das Schloss samt Meierhof, Schäferei, Bräuhaus, Scheuer und dem aus 23 Häusern bestehenden Dorfe durch Soldaten bis auf 2 Häuser eingeäschert. Johann Wenzel Peuger scheint auf Seite der böhmischen Rebellen gestanden zu sein
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1) Pfarrgeschichte.
2) 7) Landesarchiv in Wien, Gültbuch.
3) Bei Klein-Litschau in der Pfarre Eggern.
4) Erzbischöfliches Konsistorialarchiv in Wien; Wissgrill, Manuskript; Reichsfinanzarchiv in Wien; Adler, 1890, S. 197.
5) Schandachen bei Litschau.
6) Schlossarchiv Ottenstein.
8) Pfarre Japons.
9) Landesarchiv in Wien, Gültbuch; Schlossarchiv Drosendorf.
10) Reichsfinanzarchiv in Wien.

 

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und kamen darum damals diese Güter, die man einziehen wollte, durch kaiserliche Kommissäre zur Schätzung. Der Steinhaufen, der vom ehemaligen Schlosse übrig war, wurde auf 500 fl. angeschlagen, das Bräuhaus mit Hopfengarten auf 1000 fl. Zu diesem Gute gehörten auch Dorf Ruedes mit 10 nicht abgebrannten Häusern, Dorf Schantach, eine Sägemühle, die Ortschaften Mitter-Reypach ( ? ), Nieder-Edlitz mit Schäferhofe, ein Haus zu Zlabings und ein kleines Gut in Mähren, welch letztere künftig in diesem Lande zu "apprehendieren sein" sollen. Das Kirchlein sprach man, um die Wiedereinführung des lutherischen Gottesdienstes zu verhindern, dem Landesfürsten zu 1).

1618, 30. Juli, Sumerein 2), verkaufte Hans Albrecht Artstetter von Artstetten auf Sumerein das freieigene Dorf Nieder-Edlitz in Rapser Pfarre mit dem Paryfridt im Dorfe und Dorffmühle und Priemühle dem Hans Wenzel Peuger von Reizenschlag auf Weissenbach am Reinberg. Gesiegelt vom Verkäufer und den Zeugen Kaspar Artstetter von Artstetten zu Fisteritz und Wolf Heinrich Peuger von Reizenschlag zu Weissenbach 3).

1622 verkaufte Hans Wenzel Peuger, der vielleicht in Betreff der Konfiskation begnadigt wurde, die Güter Weissenbach und Schandachen an Johann Ernst Freiberrn von Montrichier, Herren zu Monu, Champinel und Nonueur, kaiserlichen Obersten und Kämmerer, zu dessen Gunsten er sie am 4. Oktober 1622 in Wien aufsandte 4).

1628 erwarb durch Kauf vom vorigen Weissenbach und Schöndachen der Bestandinhaber der Brückenmaut in Stein, Alexander Thrukhenmiller (auch Truckmüller, Druckmüller) von Müllpurgk, der 1630 mit 42 Häusern und 29 Pfund 7 ¡ 16 d an die Gülte geschrieben wurde 5).
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1) Reichsfinanzarchiv in Wien.
2) St. Marein bei Horn.
3) Originalpergament mit einem Siegel (die zwei andern fehlen) im Schlossarchive Waidhofen. Dieses Dorf Nieder-Edlitz mit Paryfridt und den beiden Mühlen verkauften am 1. September 1643 in Nieder-Edlitz die vier Brüder Georg Ernst, Gottfried, Friedrich Wilhelm und Hans Christoph Poyger von Reitzenschlag ihrem Bruder Johann Ferdinand Poyger. Siegler die vier Verkäufer, Wenzel Bernhard Poyger auf Weinern, Schrembs und Libnitz, Ernst Günther Römer von Burgschleinitz auf Pfaffenschlag (bei Raabs) und Mathias von Wildthaimb zu Prun. Originalpergament mit sieben Siegeln im Schlossarchive Waidhofen.
4) N.-ö. Landesarchiv, Gültbuch; Adler, 1872, S, 170.
5) Fischerberg's Manuskript im n.-ö. Landesarchive, Gültbuch. - Ein Leonhard Truckenmüller erscheint schon 1482 als Bürger zu Gmünd und kaufte am 28. Juli dieses Jahres von Stephan Hinckh Zehente bei Schrems, die von Wilhelm von Puchheim lehenbar waren. König Maximilian I. belehnte ihn am Montag vor Kreuzerhöhung (12. September) 1496 mit zwei Teilen Zehenten zu Conraths (Kainraths) in der Waidhofner Herrschaft. Er starb 1517, worauf seine Testamentsvollstrecker am Dienstag nach St. Laurenzi (11. August) zwei Teile Zehent zu Ottenschlag in Glockhnizer Pfarre (Ottenschlag bei Süssenbach) dem Hans Strobl und Zehente und zwei Holden in Oberneundorff (Ober-Nondorf bei Waldbausen am Loschberg) dem Wolfgang Zopf überliessen. (Landesarchiv in Wien, Nr. 4819, 3412, 3589 und 3591). Alexander Truckhenmüller erhielt von Kaiser Mathias in Wien am 15. Jänner 1612 einen Wappenbrief und von Kaiser Ferdinand im Schlosse Prag am 12. Jäuner 1628 ein Adelsdiplom (Abschrift im Landesarchive in Wien, Gültbuch bei Weissenbach).

 

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1635 25. September, überliessen die Witwe Sophia und die Kinder des Alexander Truckhenmüller das Gut Weissenbach seinem Sohne Simon (Sigmund) Truckhenmüller gegen Auszahlung von 12.000 fl.1). Dieser wurde am 15. Mai 1638 von Kaiser Ferdinand für sich und seine Brüder Max, Mathias und Andreas und am 30. August 1639 in Wien vom selben Kaiser für sich allein belehnt mit der Feste Weissenbach und dem Dorfe dabei, auch dem Dorfe und Hofe zu Rudolph, Lehen der Herrschaft Litschau, die von den Puchheim an Kaiser Friedrich gekommen war 2).

1635 bis 1653 war im Besitze dieses Gutes Sigmund Truckhenmiller von Mihlpurgk, der die Errichtung des Vikariates in Gastern durchsetzte und am 9. Jänner 1653 im Alter von 55 Jahren starb 3).

1655, 5. Mai, Weissenbach, meldete die Witwe Dorothea Druckhenmüller an, dass auf ihrem Gute Weissenbach von 42 Häusern 14 öde lagen 4).

1658, 16. September, Wien, belehnte Kaiser Leopold den Dominik Truckhenmüller für sich und seine zwei Brüder Franziskus und Maximilian Tobias Truckhenmüller mit dem Gute Weissenbach 5). Von 1662 bis 1664 verwaltete das Gut Heinrich Sigmund von Isem 6).

1667, 10. November, Schloss Weissenbach, verabredete die Witwe des Sigmund Truckhenmüller von Mühlburg und ihre Kinder einen Verkauf dieses Gutes an ihren ältesten Sohn Dominik Rudolf Truckhenmüller, wonach ihm Weissenbach und Schandach mit Brauhaus, Mühle, Zehent, Taz, 24 Rindern, 100 Schafen u. a. um 12.000 fl. überlassen worden sollten 7).

Er wurde am 22. Jänner 1691 unter die neuen Geschlechter des Ritterstandes in Niederösterreich aufgenommene 8).

Dominik Rudolf Truckhenmüller war verehelicht mit Anna Franziska Theresia, gebornen Gräfin Maradas und erhielt folgende Kinder: 1687 Rebekka Theresia, gestorben am 13. Oktober 1705; 1690 Johann Adam, 1701 Adam Konstantin Gottlieb und 1703 Franziska Josepha Antonia Charlotte, die alle hier geboren wurden. Dominik Rudolf Truckhenmüller selbst starb am 12. Juni 1706. Seine Witwe bewohnte das Schloss Weissenbach, obwohl es verkauft war, noch zwei Jahre und verehelichte sich am 14. Februar 1708 mit Franz Ferdinand Konrad Freiherrn von Gastenfels, Herrn zu Horgheim und Nordbeim in Gegenwart der Zeugen Johann Karl Woidi von Hibowitz zu Taxen, Johann Karl Sedlitz von Neukirche auf Eisenreichs und Maximilian Ludwig von Grünberg auf Pfaffenschlag 9).

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1) 2) 4) 5) Landesarchiv in Wien, Gültbuch.
3) Gemeindelade Gastern und Grabtafel in der Kirche zu Weissenbach. Schweickhardt's Darstellung von Niederösterreich, O. M. B., VI., S. 35 - 37 und Fischerberg's Manuskript im n.-ö. Landesarchive vermengen hier die Besitzer dieses Gutes mit denen von Weissenbach bei Höhenberg.
6) Konsistorialarchiv St. Pölten.
7) Abschrift im Landesarchive in Wien, Gültbuch.
8) Wissgrill, Schauplatz, II., S. 294.
9) Pfarrmatriken in Gastern.

 

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1706 verkaufte Karl von Gatterburg als Vormund der Truckhmüller'schen Kinder das Gut Weissenbach an Philipp Jakob Ritter von Unkhrechtsberg 1). Er empfieng am 14. September 1708 den Lehenbrief und am 12. Dezember 1710 neuerdings ein Duplikat desselben 2).

1740, 9. April, Wien, verkaufte Philipp Jakob Ritter von Unkhrechtsberg das Gut Weissenbach mit Schöndacben, dem Dorfe Rudolphs und einem Untertanen zu Trigless um 25.000 fl. an Nikolaus Grafen Palffy von Erdöd auf Heidenreichstein 3). Seither hat es mit diesem Gute gleiche Besitzer und seit Langem auch gemeinsame Verwaltung.

1787, 5. Dezember, wurde das Schloss in zwei Bauernhäuser aufgelöst und verkauft, auch der Meierhof aufgehoben. und seine Gründe zur Bestiftung von Bauernhäusern verwendet, später auch die herrschaftliche Mühle und Taverne veräussert 4).

1788, 19. März, vertauscbte die Herrschaft Weissenbach das Dorf Schandachen mit dem dortigen Walde und grossem Teiche mit 40 Ztr. Einsatz, dem Mühl-, Säge-, Neu- und Stockteiche an die Herrschaft Litschau für die Gemeinden Pertholz, Langegg und Steinbach mit dem über 261 Joch befragenden Steinbacherwalde, den Waldhäring-, Pengers-, Brander-, Steinbruck-, Flohmühl-, Artolzer- und Langeggerteiche und Kaltenbach 5).

1813 erbaute die Herrschaft in Weissenbach eine Zehentscheuer, die 1848 überflüssig wurde.

8. Wiesmahden.

Ist eine kleinere Ansiedlung von zerstreuten Häusern auf dem Rücken des Reinberges mit schöner Fernsicht. Eine Höhe am Orte erreicht 597 Meter.

Der Name stammt von den ausgedehnten Wiesenflächen.

1652 hatte Zwettlern in Wiesmaden eine Weide von der Herrschaft Heidenreichstein 6).

Die jüngere Ortschaft wird 1755 genannt und zählte 1778 erst 6 Häuser. 1884 brannte ein Haus vom Blitze getroffen ab, 1893 werde eine hölzerne Betkapelle mit Glocke errichtet 7).

9. Klein-Zwettl mit Filialkirche.

Dieses Dorf liegt nicht weit von Gastern entfernt an einem Abhange, der sich bis 587 Meter erhebt und dem zunächst ausserhalb

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1) 3) N.-ö. Landesarchiv, Gültbuch.
2) Reichsfinanzarchiv in Wien.
4) 5) Schlossarchiv Heidenreichstein
6) Gemeindelade Zwettlern.
7) Pfarrarchiv Gastern.

 

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des Dorfes sich die altertümliche Kirche befindet, in welcher jeden dritten Sonntag Gottesdienst abgehalten wird.

Der Ort ist sehr alt und hat seinen Namen von dem Stifte Zwettl. Er wird auch Zwettlern genannt, das ist bei den Holden von Zwettl. Ursprünglich hiess er angeblich Münichreit, was auf eine Rodung der Gegend durch Laienbrüder dieses Stiftes hinweisen dürfte.

Vor 1171 gab Graf Konrad von Racze (Raabs) dem Stifte Zwettl ein Gut in Munehesrvten, welches wahrscheinlich schon von diesem Stifte kultiviert worden war 1).

1229, Litschoewe, schenkte Graf Gebhard von Tolenstain das Forstfutter, das er im Dorfe Zwetelaern genoss, dem Stifte Zwettl, wofür es ihm jährlich 50 Käse von je einem Pfenning Wert, auf Michaeli entrichten solle 2). Daraus erfahren wir, dass dieses Dorf damals schon Zwettlarn geheissen habe, entsprechend dem benachbarten Gastern und dass es das Forstfutter zur Grafschaft Litschau zu entrichten hatte.

1232, Lithschoewe, bestätigte nach des Grafen Gebhard Tode seine Frau Agnes diese Schenkung betreffs Zwettlern gegen jährlich 50 Käse, wie sie in den Wirtschaftshöfen des Stiftes bereitet wurden 3).

1242, 30. März, übertrug Herzog Friedrich II. von Oesterreich alle seine Rechte über das Dorf Zwettlarn dem Stifte Zwettl zur Vergütung des durch Ulrich von Königsbrunn dem Stifte zugefügten Schadens. Auch Ottokar von Böhmen anerkannte als Herzog von Oesterreich am Feste der Menschwerdung Christi 1252 (25. Dezember 1251 ?) das Eigentumsrecht dieses Stiftes in Zwettlern 4).

1255, 18. Dezember, Hardegg, entsagten die Grafen Otto und Konrad von Playen auf die strittige Vogtei über Zwettlarn zu Gunsten des Stiftes Zwettl, behielten sich jedoch die Auslieferung todeswürdiger Verbrecher vor 5).

1273 leistete König Ottokar II. Verzicht auf das Marchfutter vorn Dorfe Zwettlern und verlieh dem Stifte Zwettl volle Gerichtsbarkeit in diesem Dorfe 6). Das Stift bezog in diesem Jahrhunderte von Zwethlarn jährlich 24 Metzen Mohn 7).

Um 1275 bekam der Landesfürst von der Vogtei in Zwetlaren 12 Mut Hafer 8).

1279 trat Albert von Strobnitz sein Eigentumsrecht auf Zwettlern dem Stifte Zwettl ab 9). Aus diesen oftmaligen Verzichtsurkunden kann geschlossen werden, dass dieser entlegene Besitz des Stiftes Zwettl in jenen kriegerischen Zeiten mehrmals mit Gewalt weggenommen worden war.
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1) 2) 3) 5) 6) Font. rer. austr., III., S. 58; III., S. 111; III., S. 112; III., S. 113; III., S. 161.
4) 9) Linek, Annal. Zwetl, I., S. 319 und 342; I., S. 432.
7) Archiv für österreichische Geschichte, 1849, S. 363.
8) Notizenblatt, 1855, S. 357. So auch um 1266 in Zwezelaern. Rauch, Rerum Austriacarum Scriptores, II., S. 19.

 

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Um 1325 bestanden in Zwettlern 16 zum Stifte untertänige Lehenshäuser und eine Kapelle,. die wöchentlich zweimal vom Vikare in Teya versehen wurde 1).

1340 erscheint Ludwig von Czwetlern als ehemaliger Landrichter und Mitstifter des Spitales in Weitra 2).

1369 erscheint Zwettlern auch zum Gute Thaya dienstbar 3).

1408, 20. August, Gratzen, erscheint als Zeuge für Agnes, Tochter des Preinreich von Wasen und Frau des Veit von Perchtolcz 4) mit andern auch Peter der Schestawer von Czwetlern 5).

Im XV. Jahrhunderte wurde dieses Dorf dem Stifte entzogen; Abt Wolfgang II. löste es aber um 1490 von Johann von Puchheim auf Heidenreichstein für 750 Pfund Pfennige wieder ein 6).

1577 schlichtete Abt Laurenz von Zwettl im hiesigen Dorfe einen Grenzstreit in der Viehweide 7).

Um 1584 hatte Stift Zwettl in Zwettlern 31 Holden 8).

1597 beteiligte sich auch Zwettlarn am Bauernaufstande, entgieng jedoch durch schnelle Umkehr der Strafe 9).

In den Kriegszeiten soll das Dorf einmal bis auf eine Scheuer niedergebrannt und alle Bewohner mit Ausnahme eines alten Weibes, das sich hinter einer Brücke verborgen hatte, getödet worden sein.

Um 1641 oder 1645 wurde auch die Kirche verwüstet 10)

1641, 14. März, musste die Stiftsherrschaft die Bewohner des Dorfes durch Androhung der Gütereinziehung zur Aufnahme von Einquartierungen verhalten.

1642 lieferte das Dorf bedeutende Mengen Hafer, Heu und Stroh zur Armee.

1645, 11. April bis 31. Oktober, wurde demselben einst Lieferung von 64 Metzen Hafer und Heu und Stroh nach Waidhofen abverlangt; auch im Februar des nächsten Jahres fanden Lieferungen statt.

1648 musste auf Befehl des Landesfürsten jedes Haus 3 Gulden 6 Schillinge entrichten. In diesem Jahre wurde vom ständischen Kollegium die Häuserzahl dieses Dorfes in der Einlage von 29 auf 18 Häuser herabgesetzt - so sehr hatte es gelitten 11). Bis 1688 waren jedoch wieder alle 30 Häuser aufgerichtet 12).
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1) Font. rer. austr., III., S. 516
2) Blätter für Landeskunde, 1901, S. 381.
3) Notizenblatt 1853, S. 262.
4) Grosspertholz.
5) Jahrbuch für Landeskunde vorn Niederösterreich, 1903, S. 342.
6) 9) Linck, Annal. Zwetl, II., S. 318; II., S. 513.
7) 11) Gemeindelade in Zwettlern.
8) Schlossarchiv Ottenstein.
10) Erzbischöfliches Konsistorialarchiv in Wien.
12) Konsistorialarchiv St. Pölten.

 

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1748 geriet die Gemeinde in heftigen Streit mit dem Stifte Zwettl ürber das Dienen der Waisenjahre, das von den hiesigen Untertanen bisher nie gefordert worden war, und andere Giebigkeiten. Nachdem die Gemeindevorsteher, welche Gegenvorstellungen gemacht hatten, ins Gefängnis geworfen worden waren, legte die Gemeinde ihre Beschwerden sogar am Fusse des Thrones nieder. Am 15. Jänner 1750 wurde dieselbe jedoch durch Gerichtsspruch unter bestimmten Modalitäten zu dieser Leistung verhalten. Seither konnte die Gemeinde den Flachs- und Forsthaferdienst auch in Geld entrichten 1). Das Landgericht über diesen Ort übte zuletzt die Herrschaft Waidhofen an der Thaya aus.

Die Filialkirche zum heiligen Jakob den Aelteren liegt auf einer Anhöhe ausserhalb des Dorfes und ist von dem heute noch benutzten Friedhofe umgebe , in welchem die Verstorbenen von Zwettlern und Immenschlag beerdigt werden. Ringsherum zieht sich Graben und Mauer, das Friedhoftor ist mit einer Zinne mit Schiesscharten versehen, auch sind die Rollen der ehemaligen Zugbrücke noch vorhanden, woraus hervorgeht, dass dieses Gotteshaus mit Friedhof von den Bewohnern des Dorfes auch als Zufluchtsstätte in Kriegszeiten benützt wurde. Als Versteck soll auch ein unter der Kirche befindlicher Gang gedient haben, der in einen nahen Wald geführt hätte. Da Blutvergiessen in Kirchen lind Friedhöfen unter Strafe der Exkommunikation verboten war, suchten wehrlose Landbewohner gerne in ihren Gotteshäusern vor feindlichen Ueberfällen Schutz. - Die altertümliche Kirche zeigt die einfachen Formen der ländlichen Gotik. Die Mauern des Presbyteriums mit geradlinnigem Abschlusse und schmalen, sich rasch erweiternden Fenstern, wurden vom älteren Baue beibehalten. Der Chor ist mit gotischem Kreuzgewölbe und halbrunden Wandpfeilern ausgestattet und besitzt auch ein interessantes, aus der Mauer heraustretendes Sakramentshäuschen. Ueber einem Schaft mit Sockel erhebt sich an die Wand angemauert ein kastenartiger Tabernakel von zwei Säulchen umgeben und oben mit geschweiftem Spitzbogen und zwei Fialen gekrönt, die in drei Kreuzblumen enden; im Bogenfelde befindet sich ein Kleeblatt. Diese Verzierungen sind jedoch nicht frei, sondern nur halberhaben gemeisselt. Das etwas niedrigere Schiff ist zweiteilig, und enthält in der Mitte eine Reihe von drei achteckigen Pfeilern, welche die einfachen Kreuzgewölbe stützen. Die Rippen ruhen an den Pfeilern auf kleinen Konsolen, an den Wänden auf eckigen Halbsäulen, die mit Kapitälen versehen sind. In den Schlussteinen sind symbolische Figuren enthalten, die Fenster modernisiert, die Türe spitzbogig und verstäbt, das Presbyterium mit Strebepfeilern versehen, die am Schiffe fehlen. Zu erwähnen ist auch eine gemauerte achteckige Kanzel mit Fuss und ein halbkugelförmiger romanischer (?) Taufstein von einfacher Form. Die Kirche besitzt drei Altäre. Der Hochaltar enthält. ein neues Gemälde des heiligen Jakob 2) und ein Kruzifixgemälde, sowie ein Bild des guten Hirten am Antipendium, welch letztere beide Beachtung verdienen. Ausser-

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1) Gemeindelade Zwettlern.
2) Früher befand sich dort ein Gemälde des heiligen Sebastian.

 

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dem ist noch vorhanden: ein Gemälde der heiligen Familie, von Franz Mayerhofer 1872 verfertigt, ein altes Bild der heiligen Anna, eine Statue des heiligen Andreas, der schmerzhaften Mutter Gottes und am linken Seitenaltare eine Statue der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Der über dem Presbyterium angebrachte hölzerne Turm enthält zwei, Glocken, deren eine 1839 von Jenichen in Krems, die andere aber im XV. oder XVI. Jahrhunderte gegossen wurde 1). Die Kirche besitzt eine Monstranze, einen Kelch sind an freieigentümlichen Kapitalien 511 fl., auch einige ältere Paramente.

Zuerst wird diese Kirche um 1325 genannt, wo berichtet wird, dass in derselben der Vikar von Thaya wöchentlich zweimal Gottesdienst zu halten hatte 2). 1544 war sie eine Filiale der Pfarre Thaya und besass von einem Jahrtage 13 Pfennige Dienst und zur Beleuchtung 6 Stück Immerkühe. Einige Grundstücke der Kirche hatte Wilhelm von Puchheim auf Heidenreichstein um 20 Pfund Pfennige verkauft 3).

1574 wurde in Zwettlern der Sitz eines Vikares errichtet und von hier aus das Vikariat Gastern versehen, woran der noch vorhandene Taufstein erinnert 4). Noch 1590 wohnte hier der Vikar Christoph Tuball 5). Darauf wurde die Seelsorge wieder von Thaya aus versehen. .

1636 gab Litschau ein Almosen zum Baue der Kirche in Zwettlern 6).

1642 wurde bestimmt, dass der Vikar von Gastern in Zwettlern jeden dritten Sonntag und jeden zweiten Marientag, weil die Kirche zu Ehren Mariens gestiftet sei 7), Gotttesdienst halten solle; auch bestand damals schon ein eigener Friedhof.

1672 erscheint im Visitationsberichte des Dekanates Raabs, auch "vor und an dem Böhmerwalder" genannt, die "Pfarre Zwettl", präsentiert Christoph Zoller, Pfarrer zu Thaya. Provisor Franz Bonamikus, Weltpriester in Gastern. Die Kirche zum heiligen Jakob war Filiale auf Gastern, bei mittlerem Baue, der Tabernakel ohne Sakrament, der Taufstein ohne Taufwasser. Der Hochaltar war 1671 aufgerichtet worden, ein Kelch von Kupfer, zwei Turmglocken. Der Gottesdienst jeden dritten Sonntag von Gastern gehalten, wo auch die Matriken geführt wurden. Die Kirche hatte 115 fl. Kapital, 33 fl. Bargeld, 5 bis 63 fl. jährliches Sammelgeld, ohne Stiftung. Kein Pfarrhof oder Pfarrgüter bekannt.

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1) Vergleiche Monatsblatt des Wieneraltertumsvereines, 1895, S. 214; Fahrngruber, Hosanna, S. 55.
2) Font. rer. austr., III., S. 516.
3) Pfarrgeschichte.
4) Konsistorialarchiv St. Pölten.
5) Geschichtliche Beilagen, I., S. 191.
6) Stadtarchiv Litschau.
7) Das Patrozinium der Kirche in Zwettlern wird verschieden angegeben; gewöhnlich gilt als ihr Patron der heilige Jakobus Major. 1643 heisst sie eine Kirche zur heiligen Anna, auch der heilige Sebastian wurde angegeben, weil sein Bild wahrscheinlich zur Zeit einer Pestgefahr auf dem Hochaltare angebracht worden war.

 

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1693 war Zwettlern Filiale auf Gastern mit Kirche zum heiligen Jakob und Anna, hatte drei Altäre, wovon die Seitenaltäre schlecht waren, einen silbernen Kelch, eine messingene Monstranze. Die Kirchenstühle und die zweite Turmglocke waren 1690 vom Kirchengelde erneuert worden. Die Kirche besass 83 fl. Kapital, 81 fl. Bargeld, die Wiese Pregärttl, um 15 kr. Zins verlassen. Die Leute gaben dem Pfarrer von jedem Hause 1 fl. Aehnlich 1708.

1733 hatte die Kirche bei 400 fl. an Geld und 1765 war hier Gottesdienst jeden dritten Sonntag und am Gründonnerstage. Die Rechnungen hatte der Prior des Stiftes Zwettl in Händen 1).

Die Kirche besass auch einen Wald, der 1781 auf 50 fl. angeschlagen und 1794 verkauft wurde, wofür 450 fl. Obligationen angekauft werden konnten 2). Um 1770 brannte der hölzerne Turm ab. Wie die Volkssage berichtet, sollen sich bei einem Franzoseneinfall, vielleicht 1809 3), die erschreckten Bewohner mit ihren Sachen in die Kirche und den etwas geschützten Friedhof geflüchtet haben Von den feindlichen Kugeln sei das über dem Torbogen gemalte Marienbild hart mitgenommen worden, so dass es stückweise herab fiel; nur der Kopf blieb ganz unversehrt und ist noch heute erhalten. Am 31. August 1787 verordnete das Kreisamt Krems die Beibehaltung des Friedhofes in Klein-Zwettl, weil er frei gelegen, dort auch eine Kirche sei und der Pfarrer von Gastern leichter nach Zwettlern kommen könne, als die Leute den Todten nach Gastern bringen würden 4).

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1) Visitationsberichte im Dekanatsarchive Raabs von den betreffenden Jahren, S. 42, 74-75, 18, 52, 32.
2) Konsistorialarchiv St. Pölten.
3) Könnte sich jedoch auch auf eine andere, frühere Invasion beziehen.
4) Pfarrarchiv Gastern.

 

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