Das Jahr 1945


aus der Pfarrchronik (Gedenkbuch)

Das ewige 1000jährige 3. Reich geht seinem Ende entgegen. Allgemeiner Rückzug an allen Fronten. Auch das Pfarrgebiet wird täglich von schweren feindlichen Luftgeschwadern überflogen, die die Industriestädte des Protektorates mit Bomben belegen. Die älteren Männer der Pfarre werden als "Volkssturm" ausgebildet - ein trauriger Anblick! Unsinnige Panzersperren werden in aller Eile errichtet. Die Partei NSDAP verliert die Nerven - gute Parteimitglieder aus der Nähe des bereits am 8. April gefallenen Wien - aus Stockerau und Umgebung, flüchten mit ihren Angehörigen auch in die Pfarre Gastern.

Tod von Adolf Hitler

Am 10. Mai ist es so weit, dass an diesem Tage (Christi Himmelfahrt) - nachdem an den Vortagen ununterbrochen flüchtiges Militär (SS) durch das Pfarrgebiet zog - um die Mittagsstunde die ersten Russen einrückten. Tage hindurchzieht ein Strom russischer Soldaten durch Gastern.
Der Krieg ist aus! Doch leider ist das Benehmen des Siegers nicht einwandfrei - Plünderungen - Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen! Die Pfarre Gastern kommt im Großen und Ganzen gut durch! Der Pfarrhof wird Zufluchtsstätte der Frauen und Mädchen. In Weißenbach ist leider der 5. Juni ein trauriger, schwarzer Tag geworden.
Gleichzeitig mit dem Einmarsch der Russen in der CSR und der Ausweisung der Deutschen (Volksdeutschen) aus den angrenzenden Randgebieten - zieht ein ungeheurer Flüchtlingsstrom ein. Gastern beherbergt einige Zeit 700 Flüchtlinge.

Allmählich kehrt das normale Leben wieder zurück.

25. November wieder Nationalratswahl. Ergebnis:

Gastern(Gemeinde) Ö.V.P. 369 Stimmen
S.P.Ö. 75 Stimmen
K.P.Ö. 0 Stimmen
Klein Motten Ö.V.P. 219 Stimmen
S.P.Ö. 94 Stimmen
K.P.Ö. 0 Stimmen
Frühwärts Ö.V.P. 78 Stimmen
S.P.Ö. 63 Stimmen
K.P.Ö. 0 Stimmen


Österreich erhält wieder seine erste freigewählte Regierung nach der Annexion durch das Dritte Reich: Bundeskanzler Dr. Leopold Figl (Ö.V.P.),  Bundespräsident Dr. Karl Renner (S.P.Ö.), Nationalratspräsident Leopold Kunschak (Ö.V.P.)
Gegen Ende des Jahres können die religiösen Blätter, auch das St. Pöltner Kirchenblatt, wieder erscheinen. Kreuze wieder in den Schulen, Religionsunterricht, u. s. w.

Fliegerangriffe und Bombenabwürfe

In den letzten Kriegsmonaten gab es häufig Überflüge von Fliegerverbänden in großer Höhe. Bombenabwürfe kamen im Landkreis Waidhofen/Thaya zwar vor, waren aber doch selten. Gezielte Bombardierungen gab es eigentlich keine. Bei den wenigen Abwürfen dürfe es sich wahrscheinlich um Notabwürfe behandelt haben. Feindliche Jagdflieger griffen in erster Linie Zugsgarnituren, Bahnhöfe und Bahnlinie an.

Bombenziele in Österreich

Aufbau der demokratischen Verwaltung

Die Bezirksbehörde Waidhofen/Thaya (Bezirkshauptmannschaft - reichsdeutsche Bezeichnung "Landratsamt") konnte bereits am 9. Mai 1945 eine provisorische Amtstätigkeit aufnehmen. Bereits am 10. Mai richtete General a. D. Anton Kainz in seiner Eigenschaft als kommissarischer Leiter ein Schreiben an alle Bürgermeister, in welchen er denen erste und vordringlichste Aufgaben aufzählte.

- Erste Rundschreiben des kommissarischen Bezirkshaupmannes vom 10.5.1945
- Rundschreiben an die Bürgermeister vom 24.5.1945

Im allgemeinen sollten wieder diejenigen Bürgermeister, die vor dem März 1938 im Amt waren, eingesetzt werden.

Gemeinde Gastern: Johann Sam, Landwirt
Gemeinde Frühwärts: Anton Hörmann
Gemeinde Klein Motten: Rupert Schandl, Landwirt

Amtsblätter der BH Waidhofen/Thaya

Registrierungspflicht ehemaliger Mitglieder der NSDAP

Die provisorische Staatsregierung hat mit am 8. Mai 1945 erlassenen Verbotsgesetz (St. G. Bl. Nr. 13) grundlegende verfassungsgesetzliche Bestimmungen über das Verbot der NSDAP und die weitere Vorgangsweise gegen die Mitglieder der NSDAP verlassen.  §4 ordnet die Registrierung aller mit dauerndem Wohnsitz in Österreich lebenden Personen an, die zwischen 1. Juli 1933 und 27. April 1945 der NSDAP oder einem ihrer Wehrverbände angehört haben.

Registrierungserlaß für den Bezirk Waidhofen/Thaya
Meldeblatt
Bescheinigung über die erfolgte Registrierung

Die Währungsreform 1945

Seit dem Einmarsch der Roten Armee und der westlichen Alliierten gab es in Österreich zwei Währungen: die bisher gebräuchliche "Reichsmark" und die von der Alliierten Militärbehörde ausgegebenen Schillingbanknoten.

Nach Maßgabe des "Schaltergesetzes" vom 3. Juli 1945 nahmen die Geldinstitute wieder den Zahlungsdienst auf. Die vor der Erlassung des Schaltergesetzes vorhandenen Spareinlagen (Altguthaben) wurden zu 60 % gesperrt und vom verbliebenen Rest (40 %) eine Abhebung nur zugelassen, wenn ein Verwendungszweck (Lebensunterhalt, Mietzins, Spitalskosten, ..) nachgewiesen werden konnte.

Aus dem "Schillinggesetz"(St.G.Bl.Nr. 231 vom 30. November 1945):

Zur Vorbereitung einer einheitlichen österreichischen Währung werden zunächst die auf 10 Reichsmark (RM) und darüber und die auf 10 Alliierte Militärschilling (AMS) und darüber lautenden Noten aus dem Verkehr gezogen und durch von der Österreichischen Nationalbank auszugebende, auf Schilling lautende Banknoten ersetzt.

Vom 21. Dezember 1945 an wird in der Republik gesetzliches Zahlungsmittel:

a) die von der Österreichischen Nationalbank ausgegebenen, auf Schilling lautenden Banknoten;
b) die Noten der Alliierten Militärbehörde im Nennwert von 5,2 und 1 Schilling sowie 50 Groschen;
c) die Reichsbanknoten und Rentenmarkscheine zu 5,2 und 1 Reichsmark (Rentenmark);
d) die Scheidemünzen der Reichsmarkwährung.

Vom 21. Dezember 1945 an ist in der ganzen Republik Österreich der Schilling die einzige Rechnungseinheit; er ist in 100 Groschen untergeteilt. Auf Reichsmark lautende Beiträge sind im Verhältnis eine Reichsmark gleich ein Schilling umzurechnen". Der Notenumtausch soll zwischen 13. und 20. Dezember abgewickelt werden. Dabei werden pro Kopf zunächst 150 Schilling eingewechselt. Das übrige Bargeld ist auf ein Bankkonto oder Sparbuch einzuzahlen, wobei die Einlagen bis auf weiteres nur eingeschränkt verfügbar sind.

Um die Währungsänderung auch in der Praxix durchführen zu können, mußten bis 20. Dezember 1945 alle Banknoten mit einen Wert von mindestens RM 10,- abgegeben werden. Die Bargeldabgabe gegen eine Empfangsbestätigung konnte bei Sparkassen, bei Banken und bei Postämtern erfolgen. Ein Betrag von RM 150,- wurde bei einem Umtauschsatz von RM 1,- = S 1,- sofort in Schilling wieder ausbezahlt, die Differenz wurde auf Konversionskonten gutgeschrieben, von den Geldinstituten zurückgehalten und gesperrt.

Das "Währungsschutzgesetz" vom 10. Dezember 1947 bestimmte , daß alles vorhandene Bargeld im Verhältnis 3:1 von alten und neue Schillinge umzutauschen war. Die seit dem Schillinggesetz 1945 gesperrten Bankguthaben (60 %) wurden zur Gänze gestrichen, und die beschränkt verfügbaren Konten (40 %) in landfristig einlösbare, zu 2 % verzinsliche Bundesschuldverschreibungen umgewandelt.

- Banknoten


Rede von Bundeskanzler Figl

Am Abend am 24. Dezember hält Bundeskanzler Figl jene Radiorede, die auch jetzt noch immer wieder zitiert wird. Unter anderem sagt er: "Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben. Ich kann Euch für den Christbaum, wenn Ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben. Ich kann Euch keine Gaben für Weihnachten geben, kein Stück Brot, keine Kohle zum Heizen, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten: Glaubt an dieses Österreich!"

 

Protokolle

- über die Ereignisse in Weißenbach am 5. Juni 1945.
- über die Ereignisse in Mai/Juni in Gastern

aus der "Geschichte von Gastern" von Pfarrer Josef Keil

- der Zweite Weltkrieg

Landkarten

- die Gaue in Österreich
- das Kriegsende in Österreich (Frontverlauf 7. Mai 1945)
- die Besatzungszonen

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