3. Die Zeit bis zum 50jährigen Bestandsjubiläum

1910 und 1912 wurde zu Bränden in Kleingerharts, Kleinmotten und Gastern ausgerückt.

1914 begann der erste Weltkrieg. Auch die Feuerwehr Gastern entrichtete ihren Blutzoll in diesem schrecklichen Krieg. Am 19. Juli 1916 fiel in Südtirol der Bauernsohn Franz Dangl, der Schuhmacher Leopold Fida starb am 22. April 1916 in russischer Gefangenschaft. Am 20. Jänner 1917 fiel der Bauer Johann Eggenhofer in Rußland und am 18. Juli 1917 Julius Loidolt. Der Bauernsohn Johann Litschauer wurde seit 1919 in Italien vermißt.

Während des Krieges war am 24. September 1917 ein Brand in Garolden, der die Anwesen des Kainz Julius, des Jony Leopold und des Eder Josef zerstörte. Die Feuerwehr Gastern rückte mit 26 Mann aus und bekämpfte den Brand mit 6 anderen Wehren. Am 14. Juni 1918 brannten in Garolden ein Wohngebäude und eine Schupfe nieder.

Die Wahlen im Jahr 1919 brachten eine Änderung im Kommando der FF Gastern. Wohl blieb der Tischler Christian Schandl Hauptmann, an Stelle des 1918 verstorbenen Stellvertreters Franz Loidolt wurde jedoch der 35jährige Postmeister Alois Dimmel in diese Funktion gewählt. Als Schriftführer und Kassier ist der Privatier Carl Krenn angeführt. Weiters finden wir als Rottenführer den Bauern Johann Endl, Leopold Dangl und Leopold Fida, Zeugwart war der Tischler Franz Schandl, Hornisten waren die Bauern Johann Dangl (Nr. 21) und Johann Dangl (Nr. 41).

Im Brandbuch befinden sich bis 1926 keine Eintragungen.

Am 29. März 1925 brachte die Neuwahl sämtlicher Funktionäre folgendes Ergebnis:

Hauptmann: Alois Dimmel, Postmeister
Hauptmann-Stellvertreter: Johann Dangl, Tischler
Exerciermeister: Adolf Müller, Bauer
Zeugwart: Franz Schandl, Tischler
Zeugwart-Stellvertreter: Johann Dangl, Bauer
Schriftführer und Kassier: Franz Liebhart, Lehrer
Steigerführer: Konrad Endl, Bauer
Steigerführer-Stellvertreter: Ignaz Dangl, Bauernsohn
Spritzenmeister: Karl Fida, Weber
Spritzenmeister-Stellvertreter: Johann Zimmel, Bauer
Rottenführer der Schutzmannschaft: Johann Eggenhofer, Bauer
dessen Stellvertreter: Matthäus Litschauer, Ausnehmer

Der Schriftführer Franz Liebhart war es auch, der mit dem Schreiben des ersten Protokollbuches der Feuerwehr Gastern begann.

Der bisherige Hauptmann Christian Schandl hatte die Feuerwehr Gastern 27 Jahre hindurch geführt und wurde zum "Ehrenhauptmann" ernannt. Vor ihm hatte ebenfalls schon der Fabrikant Carl Krenn, der 1925 im 75. Lebensjahr verstarb, diesen Titel erhalten, .

1926 wurde zu drei Bränden ausgerückt - zwei davon in Garolden und einer in Pleßberg.

1927 traten der Feuerwehr Gastern 7 Neumitglieder bei und es wurde erstmals der Wunsch nach einer Autospritze geäußert. 1928 und 1929 wurde zu Bränden in Kleingöpfritz und Eggern (Großbrand - 5 Scheunen und Wirtschaftsgebäude) gefahren.

1930 wurde die Feuerwehr vom Bezirksverband verpflichtet, drei Mann als Sanitäter ausbilden zu lassen, da "der Ort von einer Kraftwagenlinie der Post durchfahren wird und bei Unglücksfällen rasch geholfen werden kann".

In diesem Jahr wurden zwei Brandeinsätze in Wiesmaden (Grünberger und Dietl) ausgerückt. Wassermangel machte den Löschmannschaften arg zu schaffen.

In der Ausschußsitzung vom 13. 6. 1930 wurde die Gemeinde Gastern vom Kommando der Feuerwehr aufgefordert, die bestehenden teilweise desolaten Löschwasserversorgungsanlagen zu sanieren und weitere notwendige Einrichtungen neu anzulegen sowie das anzulegen sowie das Feuerwehrdepot mit einer Zwischendecke aus Holz zu versehen, damit "vom Ziegeldach abbröckelnder Mörtel nicht in die Spritzen gelangen kann". Abermals wurde die Möglichkeit der Anschaffung eines modernen Löschgerätes diskutiert. Eine Motorspritze, eine Autospritze oder eine fahrbare Rotationspritze wurden ins Auge gefaßt. Eine Abordnung aus vier Mann sollten auf der Wiener Messe Erkundigungen über den Ankauf einholen.

Die Neuwahl am 24. März 1931 brachte, da der bisherige Hauptmann Alois Dimmel gebeten hatte, von seiner Wiederwahl Abstand zu nehmen, folgendes Ergebnis: Hauptmann Johann Dangl (Nr. 17), Stellvertreter Franz Eigl, Exerziermeister Ignaz Dangl, Kassier Alois Dimmel.

1931 wurde auch eine Sammelaktion für die neue Motorspritze durchgeführt, die S 1.937,96 erbrachte.

In diesem Jahr wurde noch zu Einsätzen nach Kleinzwettl und Reinberg-Litschau (700 Meter Schlauchlinie wurden ausgelegt!) gefahren.

1932 waren Brandeinsätze in Kleingöpfritz, Wiesmaden, Reinberg-Heidenreichstein (2000 Meter Löschleitung vom Stockteich), Gastern, Immenschlag und Ruders (800 m Löschleitung vom Feldteich) zu verzeichnen.

1932 trat die Gemeinde Gastern mit dem Ersuchen an die Feuerwehr heran, ihr die verfügbaren Spareinlagen als Darlehen "für die Erbauung der elektrischen Leitung von Waidhofen" zur Verfügung zu stellen. Diesem Ersuchen wurde stattgeben und ein Betrag von S 2000,- an die Gemeinde verliehen.

Anläßlich der Feierlichkeiten der Markterhebung von Gastern hatte die Feuerwehr den Ordnungs- und Bereitschaftsdienst zu leisten sowie zur "Paradeausrückung" anzutreten. Besonders geehrt wurde Kassier Alois Dimmel durch die Verleihung einer Anerkennungsurkunde des Landesfeuerwehrverbandes für seine 30jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Gastern.

1933 wurde zu Bränden in Ruders, Weißenbach, Eggern und Peigarten ausgerückt.

Die Jahreshauptversammlung am 6. Jänner 1934 bedurfte wegen des herrschenden Versammlungsverbotes erst der Genehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft Waidhofen/Thaya. Wichtigster Beschluß war der Ankauf einer Motorspritze von der Fa. Rosenbauer. Der Kaufpreis von S 3.470,- wurde aus Eigenmitteln der Feuerwehr bestritten.

Die Neuwahl der Vereinsleitung am 25. März 1934 brachte folgendes Ergebnis: Hauptmann Alois Dimmel, Stellvertreter Johann Dangl (Nr. 17). Die Gewählten waren jedoch nicht bereit, ihre Funktionen zu übernehmen. In der Ausschußsitzung vom 2. April 1934 wurde eine Wahlwiederholung beschlossen und der 2. Wahlgang am 2. April 1934 brachte das folgende Ergebnis: Hauptmann Franz Eigl, Stellvertreter Ignaz Dangl (Nr. 17). Der scheidende Hauptmann Johann Dangl wurde zum Ehrenhauptmann ernannt. für ihre 50jährige Mitgliedschaft wurden Johann Eggenhofer und Leopold Dangl zu "Ehrenrottenführern" ernannt.

Ferner wurde am 21. April 1934 die Gründung einer Sanitäts- und Rettungsabteilung beschlossen und zu deren Kommandanten Herr A. Dimmel gewählt. Stellvertreter war Herr Johann Dangl. Der Abteilung gehörten weiters noch 7 Mitglieder der Feuerwehr Gastern an. Ihre Ausbildung besorgte Gemeindearzt Dr. Max Röckl.

Als Datum für das fünfzigjährige Bestandsjubiläum und der damit verbundenen Motorspritzenweihe und dem Bezirksfeuerwehrtag wurde Sonntag, der 3. Juni 1934, gewählt.

Schon am Vorabend nahmen die Feierlichkeiten ihren Anfang mit der Verleihung der zu diesem Anlaß eigens geschaffenen Jubiläumsmedaille. In Gold wurde sie an die beiden Gründungsmitglieder Johann Eggenhofer und Leopold Dangl verliehen. Alle Mitglieder mit mehr als 10 Dienstjahren wurden mit der silbernen Medaille dekoriert, jene mit weniger als 10 Dienstjahren erhielten die Medaille in Bronze. Anschließend bewegte sich ein Fackelzug durch den Ort. Beim Kriegerdenkmal wurde der Gefallenen des ersten Weltkrieges gedacht. Sodann marschierte der Festzug zum Hause der Spritzenpatin, Frau Marie Dimmel, der von der Musik ein Ständchen gebracht wurde. Ebenso wurde der in Gastern weilende Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Fritz geehrt. Der Zug löste sich beim Postamt wieder auf und der Abend schloß mit einem gemütlichen Beisammensein im Gasthaus Dimmel.

Der eigentliche Jubiläumstag war Sonntag, der 3. Juni 1934 und begann mit einem Festgottesdienst, den Pfarrer Gruber zelebrierte. Nachher begaben sich die Festteilnehmer zum Friedhof, wo der Ortspfarrer eine Gedenkrede hielt und Hauptmann Eigl einen Kranz für die verstorbenen Kameraden niederlegte.

Um 13 Uhr begann der Empfang der auswärtigen Feuerwehren. Aus dem Bezirk Dobersberg erschienen 32 Feuerwehrabordnungen mit insgesamt 323 Mann, aus anderen Bezirken 7 Delegationen mit 66 Mann, und rechnet man die 46 angetretenen Männer der Feuerwehr Gastern hinzu, so waren insgesamt 435 Feuerwehrmänner versammelt.

Sodann wurden die Spritzenpatin und die Ehrengäste eingeholt. Nach der Begrüßungsansprache durch den Hauptmann und mehreren von Schulkindern vorgetragenen Willkommensgedichten, hielt Pfarrer Gruber die Festrede und nahm dann die feierliche Weihe der neuen Motorspritze vor.
Es folgten Ansprachen des Bezirksobmannes und des Bezirkshauptmannes, welcher auch den beiden "Fünfzigern", die ihnen von der Landesregierung verliehenen Anerkennungsurkunden überreichte. Nachher

An den Festakt schloß ein von Schulkindern dargestellter historischer Rückblick über das Werden der FF Gastern. Die Sanitätsabteilung hielt eine vielbeachtete Schauübung ab und ebenso wurde eine Gruppenübung gezeigt.

Den Abschluß bildete ein Festzug. Das geplante Gartenkonzert fiel "ins Wasser", als strömender Regen einsetzte.

Die Ehrengäste waren noch bei der Spritzenpatin zur Festtafel geladen und am Abend fand ein Tanzkränzchen statt.

Im Jubliläumsjahr waren Brandeinsätze in Ruders, Kleinzwettl und Reinberg zu leisten.
wurden verdiente Feuerwehrmänner geehrt.

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