1. Gründung

Im Gründungsjahr der Feuerwehr Weißenbach 1895 bestanden in der näheren Umgebung bereits Feuerwehren in Thaya (seit 1879), in Kautzen (seit 1883) und in Gastern (seit 1884).

Der Ort Weißenbach besaß keine eigenen Löschgeräte. Bei der damaligen Bauweise - die Häuser waren meist eng zusammengebaut und hatten vielfach aus Kostenersparnis gemeinsame Giebelmauern - zudem waren sie zum Großteil mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt - war dies eine bedenkliche Angelegenheit. Ein Brand konnte verheerende Folgen haben.

Am 6. Oktober 1895 faßte deshalb die Gemeindevertretung den Beschluß, in Weißenbach eine eigene Freiwillige Feuerwehr zu gründen.

Die vom Gemeindeausschuß genehmigten "Grundgesetze" wurden am 2. November dieses Jahres von der k.k. NÖ Landesstatthalterei unter Zahl 114858 bestätigt und damit obrigkeitlich genehmigt. Am 15. November 1895 fand die Gründungsversammlung der Feuerwehr Weißenbach statt.

Im noch erhaltenen Protokollbuch der FF Weißenbach aus den Anfängen der Wehr berichtete der damalige Schulleiter von Weißenbach, Josef Czerny, über den Verlauf dieser Gründungsversammlung. Czerny war die treibende Kraft für die Gründung einer eigenen Feuerwehr in Weißenbach gewesen. Er hatte auch alle dafür notwendigen amtlichen Erfordernisse in die Wege geleitet und besorgt.

Zur Gründungsversammlung waren 30 Männer, hauptsächlich aus Weißenbach, erschienen. Nach einigen verbalen Einleitungen wurde die Wahl der "Funktionäre" unter dem Vorsitz von Ortsbesorger Eduard Erhart vorgenommen. Diese Wahl erfolgte mit Stimmzetteln und brachte folgendes Ergebnis:

  1. Hauptmann: Josef Czerny, Schulleiter, Weißenbach 46, mit 29 Stimmen
  2. Hauptmann-Stellvertreter: Lukas Schweichhart, Wirtschaftsbesitzer, Weißenbach 31, mit 22 Stimmen
  3. Kassier: Franz Kassis, Hausbesitzer, Weißenbach, mit 24 Stimmen.

Der gewählte Hauptmann ernannte

zu Hornisten - Johann Redl, Weber, Weißenbach, und
Josef Dangl, Weber und Kleinhausbesitzer, Weißenbach 12;

zum Adjutanten Johann Irschik, Wirtschaftsbesitzer in Weißenbach 13

zum Depotaufseher (Zeugwart) Wenzl Dietl, Wirtschaftsbesitzer in Weißenbach 21.

Die Mannschaft wurde folgendermaßen eingeteilt:

1. Steiger:
Obmann: Steiner Egydius, Gastwirt, Weißenbach 38; Obmann-Stellvertreter: Alexius Hörmann, Wirtschaftsbesitzer, Weißenbach 20;
Zimmel Heinrich, Landwirt, Weißenbach 10; Dangl Ludwig, Landwirt, Weißenbach 6; Deimel Engelbert, Kleinhausbesitzer, Weißenbach; Dangl Anton, Landwirt, Weißenbach 8; Dietl Ludwig, Weber, Weißenbach.

2. Spritzen- und Löschmannschaft:
Obmann: Dietl Wenzl, Landwirt, Weißenbach 21;
Stellvertreter: Müller Vinzenz, Landwirt, Weißenbach 32;
Hörmann Silvester, Kleinhausbesitzer und Weber, Weißenbach 30; Goigitzer Wenzel, Landwirt, Weißenbach; Dangl Johann, Landwirt, Weißenbach 26; Dangl Raimund, Gastwirt, Weißenbach 9; Irschik Franz, Maurer, Weißenbach 13; Kreuzer Ignaz, Landwirt, Weißenbach 37; Dangl Friedrich, Kleinhausbesitzer und Weber, Weißenbach 5; Blümel Anton, Weber, Weißenbach; Dietl Sebastian, Weber, Weißenbach; Wagner Silvester, Landwirt, Weißenbach 25.

3. Schutzmannschaft:
Obmann: Winkelbauer Heinrich, Landwirt, Weißenbach 3;
Stellvertreter: Müller Johann, Landwirt, Weißenbach 1;
Winkelbauer Silvester, Landwirt, Weißenbach 18; Irschik Johann, Landwirt, Weißenbach 13 und Gruber Franz, Landwirt aus Ruders (ab Jänner 1896).

Zum "Exercirmeister" wurde Rudolf Hörmann, Landwirt aus Weißenbach 18, gewählt.

Im Gründungsjahr fanden, wie aus dem Protokollbuch hervorgeht ist, am 1. Dezember eine Mitgliederversammlung und am 12. und 29. Dezember Ausschußsitzungen statt. Drei nicht namentlich angeführte Mitglieder traten wieder aus der neugegründeten Wehr aus. "Zwecks gleicher Uniformierung aller Wehrmänner" wurde beschlossen, Stoffe für Blusen und Hosen anzukaufen. jedes Mitglied mußte sich verpflichten, einen Kostenzuschuß dafür auf einmal oder, wenn das nicht möglich war, in Ratenzahlungen zu leisten.

Die Herstellung der Beile sollte an jenen Schmied vergeben werden, der "dieselben am schönsten, dauerhaftesten und billigsten macht".

Die Anschaffung aller Ausrüstungsgegenstände wurde einstimmig dem Ermessen des Hauptmannes überlassen. An die Mitglieder wurden 25 "Dienstes-Vorschriften für die dem Bezirks Feuerwehr Verbande Waidhofen a. d. Thaya - Dobersberg angehörenden Feuerwehren" verteilt. Außerdem wurde beschlossen, für die junge Feuerwehr, in den angrenzenden Gemeinden Geldbeiträge zu sammeln. Zum Schluß ermahnte der Hauptmann zu Eintracht und Verträglichkeit.

Am 12. Dezember 1895 wurde in der Ausschußsitzung der Beschluß zum Ankauf von Ausrüstungsgegenständen gefaßt. "Nach langer Debatte" wurden bei der Fa. Zimbler in Wien 29 Helme "mit Löwenkopf", 23 Gurte, 6 Steigergurte, 2 Signalhörner und 2 Hupenhörner mit Schnüren, 14 Pfeiferl und die Achselklappen für die Chargen bestellt. Die Ausgaben dafür beliefen sich auf 265 Gulden (fl) 95 Kreuzer (kr) österreichischer Währung. Der anwesende Vertreter der Lieferfirma, Herr Theodor Kamareith, wurde "ob seiner Verdienste um die Ortsfeuerwehr" zu ihrem ersten Ehrenmitglied ernannt.

Der Auftrag zur Herstellung der 28 Beile wurde an den Ruderser Schmiedemeister Matthias (Matthäus) Schürer vergeben. Er verpflichtete sich, die Beile "schön und dauerhaft für 90 Kreuzer pro Stück mit Stiel" herzustellen.

Die Anfertigung der Uniformen wurde am 29. 12. 1995 an einen Schneidermeister aus Kautzen (Johann Biedermann) für den Arbeitslohn von 1 Gulden für eine Bluse und eine Hose vergeben. Stoff und Unterfutter für die Uniformen beschaffte die Feuerwehr Weißenbach. Ärmelfutter, Zwirn, Seide und Knöpfe mußte der Schneider beistellen.

Ein wichtiger Beschluß war auch die Werbung von unterstützenden Mitgliedern am Neujahrstage 1896. Der Kassier Franz Kassis und der Steigerobmann Egydius Steiner wurden mit dieser Aufgabe betraut. Der Unterstützungsbeitrag sollte "nicht unter einer Krone sein". 17 unterstützende Mitglieder konnten von den Beauftragten geworben werden.

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