Kurzgefaßte Geschichte des Marktes Gastern

1. Ortsgeschichte

1150 schenkte Graf Konrad II. von Raabs dem Kloster Garsten (OÖ.) Waldland für eine Siedlung von 30 Hufen (Bauernhäuser) und einem Meierhof. 1177 wurde diese Schenkung als "ad Garstenses" erstmals urkundlich erwähnt.

Wegen der großen Entfernung zum Kloster Garsten wurde das Dorf Gastern im 13. Jahrhundert dem adeligen Geschlecht der "Herren von Gerstnaren" zur Bewirtschaftung übergeben. Albero von Gersten, Heinrich Gerstner, Leuthold, Konrad und Petrus von Gestnern scheinen als Gutsherren auf.
An Schreibweisen des Ortsnamens finden wir: Garsten, Gersten, Gerstneren, Gärstnern, Gärstnarn, Göestnern, Gestnern, Gästern und Gaistan. 1308 erscheint erstmals der Name "Gastern".

1336 verheerten böhmische Horden unser Gebiet. 1426 - 1430 litt unsere Heimat schwer unter den Einfällen der Hussiten. Der Flurname "Huschkaberg" erinnert an diese schreckliche Zeit.

1485 kamen Söldner des Ungarnkönigs Matthias Corvinus und blieben längere Zeit.

Aus dem Jahre 1548 ist das "Zehent- und Burgrechtbuch" (Taidingbuch) erhalten. Es zählt die dienstpflichtigen Lehen auf und enthält den Text der "Rechte zu Gastern und Münchreuth".

Der Dreißigjährige Krieg war für Gastern und seine Umgebung eine Zeit arger Drangsal, zügelloser Plünderungen, verheerenden Brandschatzungen, harter Abgaben und dauernder Einquartierungen von Freund und Feind. Auch die Türkenkriege belasteten unsere Gegend. Kaiserliche Truppen zogen durch und jeder Einwohner mußte 1 fl (Gulden) und jeder Dienstbote ein Zehntel seines Jahreslohnes als Steuer entrichten. 1620 und 1712 war der "Schwarze Tod" in unserer Heimat.

1722 wurde das Gut Gastern an Franz Anton Graf von Lamberg Sprinzenstein, Herrn auf Waidhofen, um 2000 fl verkauft.

1772 wurde der Meierhof aufgelassen. Die jeweiligen Besitzer der Liegenschaft aber hatten bis 1805 den Beinamen "Hofbauer".

1809 waren mehrmals französische Truppen einquartiert, requirierten eifrig und benahmen sich auch sonst nicht immer gut. Ihr Abzug erfreute alle Bewohner. Die Unkosten dieser Besatzung beliefen sich für die Ortschaft auf nahezu 20.000 fl.

1866 kamen nach der Schlacht von Königgrätz preußische Truppen und blieben drei Tage. In einem zeitgenössischen Bericht heißt es: "An Hunger und Durst fehlte es bei ihnen nicht."

1884 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Gastern.

1869 bekam Gastern ein Postamt, 1891 eine Filiale der Raiffeisenkasse Waidhofen a. d. Thaya. 1901 wurde der Gendarmerieposten Gastern errichtet.

Im Ersten Weltkrieg von 1914 - 1918 fielen 12 Männer, im Zweiten Weltkrieg von 1939 - 1945 16 Männer aus Gastern.

1951 bekamen Straßen und Plätze neue Namen. 1954 wurde das 800jährige Bestandsjubiläum von Gastern gefeiert und ein Jubiläumsdenkmal (Bertholdstein) enthüllt.

1964 wurde der Bau eines Amtshauses beschlossen und 1967 vollendet. Seit 1971 ist Gastern Großgemeinde und wurde aus den früheren Gemeinden Gastern, Kleinmotten und Frühwärts gebildet.

1976 wurde der Verschönerungsverein gegründet. Er konnte 1982 einen großen Erfolg erringen. Bei der Aktion "Niederösterreich im Blumenschmuck" wurde Gastern in der Kategorie bis 800 Einwohner Landessieger. 1978 wurde die Singgemeinschaft Gastern gegründet. In diesem Jahr wurde auch der Landeskindergarten eröffnet.

1981 feierte Gastern die Jubiläen "70 Jahre Pfarrkirche, 50 Jahre Marktgemeinde und 80 Jahre Gendarmerieposten Gastern". Landeshauptmann Siegfried Ludwig gab uns die Ehre seines Besuches und wurde zum "Ehrenbürger von Gastern" ernannt. 1982 wurde der Union Sportverein Gastern gegründet und konnte auf Anhieb in der Hobbyliga Nord den Meistertitel erringen.

2. Pfarre und Pfarrkirche

Schon im 13. Jahrhundert gab es in unserer Gegend einen Seelsorger. Jedes Haus der Orte Gastern, Kleinzwettl, Weißenbach, Kleinmotten, Ruders, Immenschlag und Eggern gab zu seinem standesgemäßen Unterhalt einen Gulden. Bald konnten die durch Kriegsereignisse verarmten Einwohner den Unterhalt nicht mehr leisten. Die Pfarre ging wieder ein. Die Seelsorge übernahm die Pfarre Thaya.

1379 wird in Gastern eine Kapelle erwähnt.

1487 wurde das Gebiet der fünf Filialkirchen (Kleinzwettl, Gastern, Weißenbach, Kleinmotten und Eggern) als "Ober Theyinger Pfarr" bezeichnet. 1574 erfolgte die Gründung des Vikariates Kleinzwettl.
Die Lehre des Reformators Luther breitete sich auch in unserer Pfarre im 16. Jahrhundert aus. 1611 saß in Weißenbach ein lutherischer Prädikant. 1615 wurde die Pfarrkirche niedergebrannt.

1642 wurde auf Betreiben des Schloßherren von Weißenbach das Pfarrvikariat Gastern errichtet. Jakob Lauer war der erste Pfarrvikar von Gastern. Er stammte aus Schwaben. 1643 war in der Pfarre Gastern alles wieder katholisch.

1654 wurde die Pfarre vorübergehend der Pfarre Dobersberg zugeteilt. Es gab immer wieder Schwierigkeiten mit der Leistung der Unterhaltspflicht. 1783 wurde Garolden eingepfarrt.

1784 wurde das Vikariat Gastern selbständige Pfarre. Erster Pfarrherr war Lorenz Göschl, ein gebürtiger Schremser.

1838 kam Frühwärts zur Pfarre Gastern.

1887 war die alte Kirche so baufällig geworden, dass man einen Neubau in Erwägung zog. Die Bewilligung dafür ließ aber 17 Jahre auf sich warten.

Erst 1904 konnte mit dem Abbruch und den Neubauarbeiten begonnen werden. 1906 empfing die Kirche ihre Weihe durch Bischof Rößler.

1942 feierte Gastern das 300jährige Bestandsjubiläum der Pfarre.

1981 wurde das Jubiläum "70 Jahre Pfarrkirche" feierlich begangen.

35 Pfarrherren waren seit der Gründung hier tätig. 17 Priester gingen aus der Pfarre hervor.

Florian.jpg (73746 Byte) Statue des Hl. Florian
in der Pfarrkirche in Gastern


3. Schulgeschichte:

1544 wird ein Schulmeister in der Oberthayinger Pfarre erwähnt.

1644 bestand in Gastern die erste Schule. Schwierigkeiten bei der Leistung des Unterhaltes führten dazu, daß Gastern 130 Jahre ohne Lehrer blieb.

1784 wurde ein Haus für eine Schule angekauft (Nr. 35). 1788 wurde eine Pfarrtrivialschule errichtet. Adam Pichler aus Reinberg-Litschau war der erste Lehrer.

1870 besuchten die zweiklassige Schule 282 Schüler, und es wurde ein Neubau angeregt. 1876 wurde die Schule dreiklassig.

1899 kam es zum Neubau des heutigen Schulhauses unter dem Schulleiter Vinzenz Fürnsinn.

Als Folge der Reorganisation des Pflichtschulwesens kam es im 20. Jahrhundert zur Auflassung aller einklassigen Schulen in der Gemeinde.
Die Schule in Gastern wurde im Schuljahr 1971/72 vierklassig.

1974 erfolgte der Zubau eines modernen Turnsaales und 1975 wurde die Schule renoviert. 1976 wurde der Zubau in Anwesenheit vieler prominenter Gäste feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Seit 1788 versahen 10 Schulleiter und etwa 75 Lehrer an dieser Schule ihren Dienst zum Wohle der Jugend.


4. Weberei

Da der Boden unserer Gegend nur wenig Ertrag brachte, mussten viele Bauern und Kleinhäusler in der Weberei einen Nebenverdienst suchen. Ende des 17. Jahrhunderts finden wir erste Berufseintragungen im Trauungsbuch der Pfarre.

1853 wurde von Leopold Heß die erste Weberei gegründet, die 1880 von Carl Krenn und 1908 von Stanislaus Weis übernommen wurde. Von 1958 bis 1978 war Kurt Stransky Inhaber des Betriebes. Er übersiedelte 1978 nach Waidhofen an der Thaya.

1880 war Leopold Fida Inhaber einer weiteren Weberei. Sie bestand bis 1964. 1924 gründeten die Brüder Liebhart eine Weberei. 1960 wurde sie von Dipl. Ing. Georg Zorn erworben und ist heute noch in Betrieb.

Die seit 1962 bestehende Seidenweberei Skutetzky ging 1979 auf Erich Adensamer über und musste 1981 den Konkurs anmelden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Weberei in Gastern auf eine lange Tradition zurückblickt. Nicht ohne Grund wurde das Weberschiffchen in das Marktwappen aufgenommen, gab doch dieser Wirtschaftszweig der Bevölkerung von Gastern und Umgebung neben der Landwirtschaft Arbeit und Brot. Die Krise der letzten Jahre brachte auch unserer Textilindustrie einen harten Rückschlag und viele Arbeitsplätze gingen verloren.

Sollten Sie, werter Leser unserer Festschrift, mehr über die Geschichte unserer Gemeinde wissen wollen, empfehle ich Ihnen die Lektüre des 1981 erschienenen Buches von Ortspfarrer Josef Keil "Geschichte von Gastern".

Gastern, im Jänner 1983, Johann Lehninger

Quellenverzeichnis:
Josef Keil, Geschichte von Gastern
Schulchronik der Volksschule Gastern
Brandbuch der Freiwilligen Feuerwehr Gastern
Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr Gastern
Vorhandene Urkunden und Niederschriften

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